ZDFheute

Tiefensee erwartet "deutliche Einschnitte"

Sie sind hier:

Coronavirus in Thüringen - Tiefensee erwartet "deutliche Einschnitte"

Datum:

Thüringens Wirtschaftsminister Tiefensee rechnet neben den kurzfristigen Einbußen durch das Coronavirus auch mit langfristigen wirtschaftlichen Folgen: so auch im Automobilsektor.

Archiv: Thüringen, Eisenach: Der SUV «Grandland X» wird im Opel-Werk Eisenach montiert.
Auch das Opel-Werk in Eisenach könnte vom drohenden Nachfragerückgang durch das Coronavirus betroffen sein.
Quelle: DPA

"Jedes zweite Unternehmen in Deutschland rechnet 2020 mit einem Umsatzrückgang infolge der Corona-Situation." So fasst die IHK die Ergebnisse einer Blitzumfrage zusammen, die der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in der vergangenen Woche unter mehr als 10.000 Betrieben aus allen Regionen und Branchen durchgeführt hat. Darunter auch 100 Unternehmen aus Nord- und Mittelthüringen. Hier spüren bereits 58 Prozenten der Befragten Auswirkungen des Coronavirus auf ihre Geschäftstätigkeit.

Kleine und Mittelständige Unternehmen mit Liquiditätsengpässen

Gemäß der Einschätzung der OECD rechnet auch der Thüringer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) mit einer möglichen Halbierung des Wirtschaftswachstums. Aktuell besonders betroffen sei vor allem das Gastgewerbe, so Tiefensee. Laut Dehoga verzeichnen zahlreiche Hotels und Gaststätten Stornierungen und einen Rückgang der Zimmerbuchungen und somit hohe Verluste. Auch Messebaufirmen haben auf Grund abgesagter Veranstaltungen mit Einbußen zu rechnen.

Gerade den zahlreichen kleinen und mittelständigen Unternehmen Thüringens könnten durch die Folgen des Coronavirus Liquiditätsprobleme drohen, befürchtet der Minister. Um diesen entgegenzuwirken, stellte er am Dienstag eine Reihe geplanter Maßnahmen vor, die das Wirtschaftsministerium als Reaktion auf das Virus Covid-19 plant.

Thüringen legt Maßnahmenpaket zur Unterstützung der Wirtschaft auf

Insbesondere drei Maßnahmen sollen den kleinen und mittelständigen Unternehmen zukünftig helfen:

  • Zunächst wolle man den Konsolidierungsfonds aufstocken, indem die Darlehenssumme von 1 Million Euro auf 2 Millionen Euro angehoben werde. Der Fonds werde auch für von der Corona-Krise besonders betroffene Branchen wie das Gastgewerbe oder Messebaufirmen geöffnet.
  • Außerdem werde derzeit überlegt, ein zusätzliches Liquiditätssicherungsprogramm zu beschließen, aus welchem Firmen zusätzliche Finanzierungshilfen erhalten könnten.
  • Darüber hinaus kündigte der Wirtschaftsminister an, Förderregularien flexibler zu gestalten, indem z.B. Investitionszeiträume oder Fristen verlängert werden könnten.

Für Kurzarbeiter gäbe es mit den geplanten Veränderungen durch den Bund ebenfalls Verbesserungen. So werde unter anderem die maximale Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes von 12 auf 24 Monate verlängert. Zudem würden die vom Unternehmen zu zahlenden Sozialversicherungsbeiträge künftig vollständig übernommen, statt wie bisher erst ab dem 7. Monat.

Automobilzuliefererbranche: unterbrochene Lieferketten und Rückgang der Nachfrage

Über die kurzfristigen Folgen der Corona-Krise hinaus rechnet Tiefensee besonders in der Metall- und Kunststoffindustrie, sowie in der Automobilzuliefererbranche mit Einbußen.

Wenn Vorprodukte und Zulieferteile ausbleiben, könnten in der Industrie auch bei uns die Bänder stillstehen.
Wolfgang Tiefensee (SPD), Wirtschaftsminister in Thüringen

Schließlich sei die Industrie global vernetzt und somit von Lieferketten und der internationalen Nachfrage abhängig.

Vor allem Elektromobilität von Lieferengpässen aus China betroffen

Hier müsse man unterscheiden, so Rico Chmelik vom automotive thüringen e.V., der Interessensvertretung der Automobilzulieferindustrie in Thüringen: Fast alle elektrifizierten Teile kämen aus China. Somit seien insbesondere Unternehmen, die auf diese Teile angewiesen seien, von Lieferengpässen betroffen, wie z.B. Audi e-tron, Toyota Prius oder auch Mobilfunkfirmen wie Huawei oder Samsung. Auch für den Aufbau des chinesischen Batteriewerks CATL in Thüringen dürften die aktuellen Entwicklungen wohl Verzögerungen nach sich ziehen.

Unternehmen, die nicht mit elektrischen Zulieferteilen arbeiten, hätten vorerst kaum Lieferschwierigkeiten zu befürchten. Was allerdings alle Automobilzulieferer betreffen könnte, sei der drohende Nachfragerückgang: China ist einer der wichtigsten Absatzmärkte für deutsche Autos.

Thüringen will Wirtschaftskrise durch Coronavirus verhindern

Wie hoch die Einbußen bei Automobilherstellern und -zulieferern konkret ausfallen werden, das ließe sich derzeit noch nicht seriös beziffern, so Chmelik.

Und auch der Thüringer Wirtschaftsminister kann die Schäden für betroffene Unternehmen derzeit noch nicht absehen. Er versprach aber: "Bund und Land sind finanziell in der Lage, hier entschlossen gegenzusteuern. Wir werden alle Maßnahmen ergreifen, die notwendig sind, damit der Corona-Ausbruch nicht zu einer veritablen Wirtschaftskrise führt."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.