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Urlaubsrückkehrer: Ahnungslos und infiziert

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Panne bei Corona-Tests in Bayern - Urlaubsrückkehrer: Ahnungslos und infiziert

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Nach dem Testchaos in Bayern warten viele Reiserückkehrer seit Tagen auf ihren Befund. Auch Lukas gehörte dazu. Inzwischen weiß er, dass er sich mit dem Coronavirus infiziert hat.

Mitarbeiter vom DRK nehmen an einem Corona-Testzentrum an der Autobahn A8 an eder Rastanlage Hochfelln-Nord einen Abstrich am 30.07.2020
Die Ergebnisse der Corona-Tests in Bayern haben lange auf sich warten lassen.
Quelle: dpa

Zwei Zettel muss Lukas (Name geändert) handschriftlich ausfüllen, um seine Daten in der Corona-Teststation an der A3 beim Grenzübergang Passau zu hinterlassen. Er ist mit Mitreisenden auf der Rückfahrt aus dem Kroatien-Urlaub und lässt sich freiwillig testen. "Natürlich hat da auch das Interesse eine Rolle gespielt, wie das alles so abläuft", erklärt er seine Beweggründe. Symptome habe keiner der Begleiter gehabt und Kroatien sei ja auch kein Risikogebiet.

Nachts um vier ist an der Teststation Donautal wenig los: Außer Lukas und seinen Mitreisenden sind nur fünf weitere Reiserückkehrer vor Ort, die sich testen lassen. Der Test ist schnell erledigt und wird von Mitarbeitern auf die ausgefüllten Zettel geklebt. Zurück erhält Lukas nur ein Merkblatt, wie sich der Test in die Corona-Warn-App eintragen lässt. Und die Information, dass das Ergebnis in zwei bis vier Werktagen vorliegen soll.

Das geschieht alles in der Nacht zum 7. August. Fünf Werktage später liegt das Testergebnis immer noch nicht vor, der Freistaat Bayern muss einräumen, dass 44.000 Getestete noch nicht informiert wurden, 900 davon nachweislich infiziert. Ob Lukas einer von ihnen ist? Auf diese Information muss Lukas lange warten.

"Wer in ein Risikogebiet reist, der muss auch die Kosten dafür tragen," so Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, CDU.

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BRK kritisiert Vorgehen der Politik

Für das Bayerische Rote Kreuz war die Errichtung der Teststationen eine Hauruck-Aktion. Innerhalb eines Tages hätte man fünf Teststationen einrichten müssen, Software für die Erfassung der Reiserückkehrer hätte nicht zur Verfügung gestanden. So muss jedes handschriftlich ausgefüllte Blatt einzeln übertragen werden, oft sei die Schrift unleserlich.

Jetzt weist das BRK "Andeutungen zurück, die darauf schließen lassen, dass die Hilfsorganisationen eine (Teil-)Schuld an dieser Problematik haben". Es sei bedauerlich, dass der "schweißtreibende Einsatz der Ehrenamtlichen" in ein negatives Licht gerückt werde, sagt ein Sprecher.

Hotline des Gesundheitsamts in Bayern abgeschaltet

Am Donnerstagmorgen klingelt Lukas' Handy, es ist die Nummer des bayerischen Landesamtes für Gesundheit. Er ist in einem beruflichen Termin und kann den Anruf nicht entgegennehmen. Kurze Zeit später versucht er zurückzurufen - und bekommt die Info, dass die Hotline an diesem Tag abgeschaltet ist.

Der Druck auf die Verantwortlichen in Bayern wächst nach der Panne mit Corona-Tests von Reise-Rückkehrern. Etwa 900 positiv Getestete wussten oder wissen nichts von ihrem Befund.

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Ob er infiziert ist, weiß er zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht. Auch in der Corona-Warn-App heißt es, sein Testergebnis liege noch nicht vor. Nach seiner Rückkehr hatte er erstmal wieder am sozialen Leben teilgenommen und ging seinen Hobbies nach. Aber: "Je länger es dauert, umso mehr Gedanken macht man sich natürlich", gibt Lukas zu.

Obwohl er keine Symptome hat und sich gar nicht hätte testen lassen müssen, fühlt er sich jetzt als potenzielle Gefahr für seine Mitmenschen. Und auch wenn Kroatien nicht als Risikogebiet gilt, entfallen laut RKI mit 260 Fällen dennoch die drittmeisten Auslandsinfektionen in den letzten vier Wochen auf das Land am Mittelmeer.

Positiver Corona-Test wird am frühen Nachmittag übermittelt

Lukas versucht es weiter bei der Hotline und hat Erfolg - vermeintlich. Er kommt in eine Warteschleife, in der er auf Platz 49 gelistet wird. Nach einer halben Stunde hat er jedoch wieder einen beruflichen Termin und muss auflegen. Als er es erneut probiert, heißt es, alle Plätze in der Warteschleife seien belegt. Ob er infiziert ist, weiß er zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht.

Am frühen Donnerstagnachmittag erreicht Lukas dann die Hiobsbotschaft: Er ist tatsächlich positiv getestet worden. Symptome? Bislang Fehlanzeige. Auch seine Mitreisenden fühlen sich gut - noch. Fast eine Woche musste Lukas auf das Ergebnis warten und sich jetzt darum kümmern, Freunde, Bekannte und Verwandte, die mit ihm Kontakt hatten, zu informieren. Was folgt, ist eine bürokratische Odyssee mit vielen Telefonaten und Mails.

"Ich bereue es auf keinen Fall, dass ich den Test gemacht habe", erklärt Lukas. Jeder Kontakt, den er ab jetzt meide, lohne sich. "Auf der anderen Seite ist es natürlich jetzt schon viel zu spät", konstatiert er das lang dauernde Prozedere.

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