ZDFheute

"Führt zu Stigmatisierung"

Sie sind hier:

Virologin zu Beherbergungsverbot - "Führt zu Stigmatisierung"

Datum:

Virologin Melanie Brinkmann spricht sich im ZDF gegen ein Beherbergungsverbot aus. Dafür gebe es keine wissenschaftliche Grundlage und es führe im Zweifel zu einer Stigmatisierung.

Virologin Prof. Melanie Brinkmann (Helmholtz-Zentrum) fordert in der Corona-Krise zielgerichtetes Handeln. Zwar habe das Geschehen eine geringere Dynamik als im Frühjahr, aber es habe "immer noch eine Dynamik".

Beitragslänge:
4 min
Datum:

Das Beherbergungsverbot für Reisende aus innerdeutschen Corona-Risikogebieten ist umstritten. Auch Virologin Melanie Brinkmann übt Kritik. Sie stellt im ZDF heute journal fest, dass es für ein Beherbergungsverbot keine wissenschaftliche Grundlage gebe.

Brinkmann: Beherbergungsverbot macht keinen Sinn

Aus wissenschaftlicher Sicht mache eine solche Maßnahme nicht wirklich Sinn, sagt die Mitarbeiterin des Helmholtz-Instituts: "Und ich glaube, es ist auch kein gutes Zeichen, denn es schert Menschen alle über einen Kamm und es gibt unheimlich viele Menschen, die sich sehr gut an die Regeln halten und nur einige wenige, die es nicht tun."

Daher sehe Brinkmann das Verbot kritisch. Auch führe ein Beherbergungsverbot zu einer Stigmatisierung:

Man kommt aus dem Risikogebiet und Menschen zeigen mit dem Finger auf einen.
Melanie Brinkmann, Virologin

Das habe man in Gütersloh gesehen, als es dort zu einem großen Ausbruch kam. "Ich hatte eigentlich gehofft, dass wir daraus schon gelernt hatten."

Immer mehr Städte und Landkreise werden zu Risikogebieten erklärt. Der Umgang mit Reisenden aus diesen Regionen bleibt aber umstritten. Viele kritisieren das Beherbergungsverbot einiger Bundesländer. Es wird daher eine einheitliche Lösung gefordert.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Aktuelle Corona-Zahlen besorgniserregend

Man sehe ganz deutlich, dass die aktuellen Corona-Zahlen ansteigen und weiterhin ansteigen werden, so die Virologin im Interview. "Das ist nicht wirklich überraschend, weil wir uns jetzt vermehrt in geschlossenen Räumen aufhalten und wir müssen jetzt wirklich sehr, sehr wachsam sein und wirklich zielgerichtet handeln."

Die aktuellen Zahlen sind tatsächlich besorgniserregend.
Melanie Brinkmann, Virologin

Brinkmann geht fest davon aus, dass es zu einem exponentiellen Wachstum kommen werde. Noch habe man aber die Chance, das abzuwenden. Trotzdem werde es, wie in den Nachbarländern, dazu kommen, dass die Zahlen weiter steigen.

Reproduktionszahl müsse gesenkt werden

"Wir sind schon in einem exponentiellen Wachstum, die Reproduktionszahl liegt über eins, dass heißt die Zahl der Neuinfektionen wird steigen und Ziel muss es sein, diese Reproduktionszahl wieder zu senken und die Zahl der Neuinfektionen", fordert Brinkmann außerdem. Sie betont, dass die hohen und ansteigenden Zahlen es sehr schwer machen werden, das Virus weiterhin unter Kontrolle zu halten.

Außerdem macht Brinkmann in Richtung der Gesundheitsämter deutlich, dass die Kontakte weiterhin nachverfolgt werden müssten, um die Infektionsketten zu durchbrechen. Dies sei bei zu hohen Zahlen nicht mehr möglich, und manche Gesundheitsämter seien jetzt schon an ihren Grenzen.

Graph vor Passanten mit Munschutz

Coronavirus-Debatte -
Warum die Zahl der Infektionen wichtig bleibt
 

Wird die Corona-Pandemie auf die Zahl der Neuinfektionen verengt? Diese verrät nur bedingt etwas über das Ausmaß der Lage. Sie zu erfassen, bleibt aber außerordentlich wichtig.

von Katja Belousova

Nicht so sehr auf Intensivbetten-Kapazitäten schauen

Der stetige Anstieg der Corona-Fälle sei "kein guter Trend, keine gute Entwicklung". Daher sei es laut Brinkmann auch kein guter Blick, auf die Intensivbetten-Kapazitäten zu schauen. "Das ist ein viel zu später Indikator. Die Intensivbetten füllen sich immer erst mit einer großen zeitlichen Verzögerung."

Selbst die Zahl der Neuinfektionen, "die wir jetzt jeden Tag in den Medien jetzt auch präsentiert bekommen, sind ja auch schon mit einem Zeitverzug". Das seien Infektionen, die vor einer Woche stattgefunden haben, "aber das sind immerhin noch die frühesten Indikatoren, die wir haben". An der Stelle müsse man daher rechtzeitig handeln.

Brinkmann fügt hinzu, dass die jetzige Situation nicht mit der im Frühjahr verglichen werden könne. Im Frühjahr hätte es eine schnellere Ausbreitung gegeben. Die Reproduktionszahl lag bei drei. Das jetzige Geschehen habe zwar eine geringere Dynamik als im Frühjahr, jedoch könne diese Dynamik trotzdem schnell außer Kontrolle geraten.

An den verschärften Corona-Maßnahmen gibt es weiter Kritik. Wie sinnvoll sind sie? Ein Check mit dem Virologen Jonas Schmidt-Chanasit.

Beitragslänge:
34 min
Datum:

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Die Welle brechen – wie weit fährt Deutschland runter?

Talkshow "maybrit illner" -
"Nur blöde Wege aus dieser Pandemie"
 

Virologin Brinkmann wirbt bei "maybrit illner" um Verständnis für die aktuellen Maßnahmen. Außerdem Thema: …

von Florence-Anne Kälble
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gibt im Bundestag eine Regierungserklärung zur Bewältigung der Corona-Pandemie ab.

Corona-Maßnahmen -
Wie die Parlamente beteiligt wurden
 

Der Ruf nach politischer Mitsprache bei den Corona-Maßnahmen wird lauter. Wie wurden die deutschen Parlamente …

von Florence-Anne Kälble
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.