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Berchtesgadener Land - Virologe: "Dem Virus die Grundlage entziehen"

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Berchtesgaden bildet die Spitze der Corona-Hotspots. Mit den neuen Regeln wolle man die Kontrolle über das Infektionsgeschehen zurückgewinnen, so Virologe Martin Stürmer im ZDF.

Das Berchtesgadener Land setzt sich mit 272 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner an die Spitze der Corona-Hotspots. Der Landkreis reagiert mit drastischen Maßnahmen - und verhängt bis zum 02. November strikte Ausgangsbeschränkungen.

Aber die Corona-Zahlen steigen in ganz Deutschland weiter an. Bislang haben 119 Städte und Landkreise den kritischen Wert überschritten - und gelten damit als Risikogebiet. In Berchtesgaden hat man zum großen Teil Verständnis für die neuen Maßnahmen, sie scheinen alternativlos angesichts der hohen Infektionszahlen.

Virologe Stürmer: "Maßnahmen für Berchtesgaden gerechtfertigt und nötig"

Auch Virologe Martin Stürmer hält die Maßnahmen, die jetzt für das Berchtesgadener Land ergriffen wurden, für sinnvoll. Sie würden den Ernst der Lage vor Ort widerspiegeln, erklärt er gegenüber ZDFheute. Mit der Strenge der Maßnahmen verfolge man dabei eine einfache Strategie:

Weil man die Infektionsketten nicht mehr nachvollziehen kann, will man dem Virus die Grundlage entziehen. Nämlich die Kontakte.
Virologe Martin Stürmer

Je weniger Kontakt zugelassen würde, desto weniger könne sich das Coronavirus ausbreiten, so die Rechnung, erklärt Stürmer weiter. Mit Blick auf den verschärften Maßnahmenkatalog, den zuletzt Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder verabschiedet hatten, habe die Situation in Berchtesgaden laut Stürmer eine "ganz andere Qualität". Daher seien hier auch drastischere Schritte gerechtfertigt und nötig.

Abkehr vom Prinzip der Freiwilligkeit ermöglicht Kontrolle des Infektionsgeschehens

Anderenorts seien der Infektionsschutz und allgemeine Rechte anders gewichtet worden: Regeln wie die Einführung einer Sperrstunde oder das sogenannte Beherbergungsverbot wurden von mehreren Gerichten gekippt. Dem entziehe man sich im Berchtesgadener Land jetzt durch konkrete und strenge Verbote - und die Abkehr vom Prinzip der Freiwilligkeit. Das ermögliche auch eine bessere Kontrolle des Infektionsgeschehens, so Stürmer.

Wenn vieles in den privaten Bereich abwandert, gibt es auch weniger Kontrollmöglichkeiten.
Virologe Martin Stürmer

Auch einzelne Aktivitäten und Veranstaltungen bedeutsam für Verbreitung des Virus

Dass der Landkreis Berchtesgaden - und nicht etwa ein Ballungsraum - die höchsten Infektionszahlen im Land aufweist, zeigt aus Sicht von Stürmer, wie bedeutend auch einzelne Aktivitäten und Veranstaltungen für die Verbreitung des Virus seien. Komme es zu sogenannten Super-Spreader-Events, reiche das auch in dünn besiedelten Regionen aus, um eine solche Dynamik im Infektionsgeschehen hervorzurufen.

Man sieht verschiedene Menschengruppen, also Cluster, die mit dem Corona-Virus (symbolisch) infiziert sind.

Nachrichten | Panorama - Wie Corona-Cluster entstehen 

Die Corona-Infektionszahlen steigen. Cluster spielen hierbei eine entscheidende Rolle - sie können im schlimmsten Fall zu einem exponentiellen Wachstum der Infektionszahlen führen.

Daher halte Stürmer es auch für angemessen, kritisch zu hinterfragen, inwieweit Aktivitäten und Feiern derzeit notwendig sind - und sich auch einer gewissen Verantwortung hinsichtlich des weiteren Verlaufs der Pandemie bewusst zu werden. Dabei müssen man sich nicht völlig einschränken, aber zumindest solle man auf Entschleunigung setzen, so der Virologe. Auch Bundeskanzlerin Merkel hatte zuvor in ihrem Podcast für ein ähnlich bedachtsames Handeln geworben.

Corona-Tourismus durch Absprachen der Landkreise vermeiden

Einen landesweiten Lockdown hält Stürmer nicht für notwendig, auch wenn damit eine eindeutigere Signalwirkung erzielt würde. Dennoch sei es wichtig, eine Art "Corona-Tourismus" zu vermeiden. Dieser könne sich unweigerlich einschleichen, wenn in nahe zusammenliegende Landkreise unterschiedliche Regeln gelten - in dem einen strengere und im anderen lockerere. Daher sei eine Absprache und koordiniertes Handeln zwischen den Landkreisen zu empfehlen, um die Zahl der Corona-Neuinfektionen nicht noch weiter anzutreiben.

Wie sich die heute beschlossenen Maßnahmen für das Berchtesgadener Land auf das Infektionsgeschehen vor Ort auswirken, müsse man abwarten. Erst in ein paar Tagen würden sich die neuen Regeln auch in den Zahlen wiederfinden. Aber: Gehen die Infektionszahlen nicht zurück, könnten auch weiteren Städten und Landkreise schärfere Beschränkungen drohen, warnt Stürmer.

Ortsschild der Stadt Berchtesgaden

Ab Dienstagmittag - Ausgangsbeschränkung im Berchtesgadener Land 

Angesichts extrem gestiegener Corona-Zahlen gelten im gesamten Landkreis Berchtesgadener Land ab diesen Dienstag um 14:00 Uhr strikte Ausgangsbeschränkungen.

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