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Ignoranz und Angst in Brasilien

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Mehr als 100.000 Corona-Tote - Ignoranz und Angst in Brasilien

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Mehr als 100.000 Menschen sind in Brasilien am Coronavirus gestorben, über drei Millionen haben sich infiziert. Trotzdem geht es Präsident Jair Bolsonaro politisch wieder besser.

Brasilien beklagt inzwischen mehr als 100.477 Todesopfer durch das Coronavirus. Drei Millionen Menschen sind mit dem Virus infiziert. Mehr Opfer zählen derzeit nur die USA.

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Marco Antonio do Nascimento ist wiedergekommen an den Strand von Copacabana. Mit seinem Sohn Lucas Cruz steht er zwischen 100 schwarzen Kreuzen im Sand, die an die Kreuze auf einem Friedhof erinnern, auf dem Opfer der Corona-Pandemie in Rio de Janeiro begraben wurden. Die beiden Männer halten eine brasilianische Fahne, während 1.000 rote Luftballons zu Ehren der Opfer des Coronavirus aufsteigen. Das ist am Morgen, am Samstagabend hat Brasilien die Marke von 100.000 Toten im Zusammenhang mit Covid-19 durchbrochen.

Kritiker: Toten-Zahlen in Brasilien "Fake"

Und wieder, wie bei der ersten Aktion von "Rio de Paz" im Gedenken an die Corona-Opfer und aus Protest gegen das Krisenmanagement der Regierung, pöbelt ein vorbeigehender Anhänger des rechten Präsidenten Jair Bolsonaro die Teilnehmer an. "Fake News" nennt er die Zahl der Corona-Toten.

Kreuze und Ballons für die Corona-Toten am Strand von Rio de Janeiro
Kreuze und Ballons für die Corona-Toten am Strand von Rio de Janeiro
Quelle: dpa

Nascimento, der ein Kind im Zusammenhang mit Covid-19 verloren hat, weist ihn zurecht. "Sag' nicht, dass das 'Fake News` sind", fordert er den Passanten auf - und zeigt ihm ein Foto seines Sohnes Hugo, gestorben im Alter von 25 Jahren.

Über drei Millionen Corona-Infizierte im Land

Brasilien ist immer noch das von der Corona-Pandemie am zweitstärksten betroffene Land nach den USA, hat inzwischen 3.012.412 Infizierte und 100.477 Tote (Stand heute, 8.35 Uhr). "Lassen Sie uns das Leben berühren", sagte Bolsonaro, während Friedhofsarbeiter in Schutzkleidung Särge mit Corona-Toten tragen. Seine Umfragewerte, der er selbst infiziert war und Corona als "kleine Grippe" verharmlost hatte, sind indessen gut wie lange nicht.

Ein Staatsoberhaupt, das nicht als Vorbild fungiert - das macht einige Brasilianer zur Zeit sehr wütend. Denn Präsident Bolsonaros Verharmlosung des Coronavirus hat bereits vielen Menschen das Leben gekostet.

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"Die hohe Opferzahl in Brasilien führt nicht - wie man von außen erwarten würde - zu einer hohen Ablehnung", sagt der deutsch- brasilianische Politikwissenschaftler Oliver Stuenkel von der Fundação Getulio Vargas in São Paulo. Ein großer Teil der Bevölkerung stelle nicht den Zusammenhang her, dass ihr Land im internationalen Vergleich schlecht dasteht. 24 Mal so groß wie Deutschland, ist es sehr mit sich selbst beschäftigt.

Zustimmung zu Bolsonaro steigt wieder

Auf 45 Prozent ist die Zustimmung in Umfragen zuletzt sogar gestiegen. Bolsonaro hat es geschafft, dass viele Brasilianer glauben, 100.000 Corona-Tote, eine tiefe Wirtschaftskrise und die Zerstörung des Regenwaldes hätten nichts mit dem Präsidenten zu tun.

Einige wenige soziale Bewegungen und Gewerkschaften wie vor der Kathedrale in São Paulo am Freitag demonstrieren noch gegen ihn. Die einzige gesellschaftliche Regung, die zählt, sei wie viele Leute auf die Straße gehen, sagt Politikwissenschaftler Stuenkel.

Weniger Teilnehmer bei Demos

Zwischenzeitlich hatten Tausende Brasilianer ihrem Unmut über den laxen Umgang des Präsidenten mit dem Coronavirus Luft gemacht; eine neue Demokratiebewegung, angeführt von Fußballfans, bildete sich. Aber viele, die Bolsonaro kritisch sehen, haben Angst, sich bei Demonstrationen anzustecken und bleiben zu Hause.

"Bolsonaro weiß, dass die Wirtschaftskrise extrem werden wird, vor allem in Lateinamerika, dass viele Regierungen das nicht überleben werden", sagt Stuenkel. "Er brauchte einen Schuldigen." Das sind die Gouverneure, an die das oberste Gericht die Kompetenzen übertrug. Nachdem diese vielerorts Maßnahmen erlassen hatten, wurde vielerorts wieder gelockert. In Rio etwa ist das Baden im Meer wieder erlaubt.

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