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Kanzleramtschef zu Corona-Regeln - Braun: Brauchen Unterstützung der Bevölkerung

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Die Corona-Zahlen steigen, Deutschland fährt das öffentliche Leben radikal runter. Das sei "absolut notwendig. Das ist die zweite Welle", so Kanzleramtschef Braun im ZDF.

"Der Bereich, wo es am meisten Ansteckungen gibt, da kommt es zu Schließungen“, erklärt Kanzleramtschef Helge Braun. Er reagiert auf Vorwürfe aus der Kultur-Branche – von Jazz-Trompeter Till Brönner - und erklärt die vorgesehenen Hilfen.

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ZDF: Der Staat fährt Deutschland runter. Nennen wir es mal einen Teil-Lockdown. Weitgehende Verbote, drastische Einschränkungen für bestimmte Branchen - war dieser Schritt wirklich alternativlos?

Helge Braun: Er war absolut notwendig. Das ist eine zweite Welle. Wenn wir jetzt nicht mit so einschneidenden Maßnahmen reagieren würden, würde die sich in den nächsten Wochen so hoch aufbauen, dass wir einen Gesundheitsnotstand und in der Folge viele negative Konsequenzen für die Wirtschaft und auch für die Aufrechterhaltung unserer Infrastruktur leider befürchten müssten.

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Die neuen Corona-Regeln von Bund und Ländern
 

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben Bund und Länder einen Teil-Lockdown beschlossen. Er gilt ab Montag, 2. November, bis Monatsende - vorerst. Hier die Pläne im Überblick.

ZDF: Schauen wir mal für die Unternehmen, die betroffen sind. Für die soll es ein weiteres Milliardenpaket an Corona-Nothilfen geben. Dabei ist der Schuldenberg eigentlich schon jetzt gewaltig. Erkaufen Sie sich da kurzfristig Zustimmung, die aber am Ende Generationen belasten wird?

Braun: Uns war es ganz wichtig, dass wir entschieden haben, die Schulen und Kindergärten offen zu lassen, allein schon, um Bildungschancen für die Zukunft aufrechtzuerhalten. Für uns war es auch wichtig, dass große Teile der Wirtschaft, nämlich Industrie, Gewerbe und Handwerk weiterarbeiten können.

Der Bereich, wo es am meisten Ansteckungen gibt, das ist die Freizeit, das ist die Gastronomie, das sind Veranstaltungen und Reisen und da kommt es jetzt zu Schließungen. Und deshalb haben diese Branchen ein Anrecht darauf, dass wir ihnen in diesem Monat, wo sie wirklich schließen müssen, ganz besonders helfen.

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ZDF: Ihr erklärtes Ziel heißt, die Zahlen jetzt herunter zu drücken. Wie oft aber kann man so eine kurzfristige Stoß-Therapie wiederholen? Stehen wir im Januar dann eben möglicherweise wieder an dem gleichen Punkt wie heute?

Braun: Also, wir haben ja zunächst einmal schon im Sommer gezeigt, dass, wenn wir uns gut vorbereiten, das Virus gut im Griff haben. Wir haben zum Beispiel die Gesundheitsämter aufgestockt, personell. Wir haben neue Therapiemethoden entwickelt. Wir haben mehr Tests besorgt.

Und all solche Maßnahmen machen wir jetzt auch. Neun Impfstoffe sind momentan in der klinischen Erprobung, im nächsten Jahr können wir damit beginnen, gerade ältere und und vorerkrankte Bevölkerungsgruppen zu impfen. Dann kann im nächsten Jahr dieses Virus schrittweise seinen Schrecken verlieren.

Das heißt, zunächst einmal geht es darum, durch die nächsten vier Wintermonate gut durchzukommen.
Helge Braun, Kanzleramtschef

ZDF: Aber es bleibt ja, wenn ich Sie richtig verstehe, nur die Hoffnung. Sie können nicht versprechen, dass es nicht dazu kommen müsste?

Braun: Ich glaube, dass wir eben schon im Sommer gezeigt haben, dass wir in der Lage sind, das Virus gut zu kontrollieren. Und wir brauchen dafür eben die Unterstützung der Bevölkerung. Und das ist auch das Signal von heute, dass wir sagen, wir brauchen wieder die Unterstützung, dass die Menschen zu Hause bleiben, dass sie ihre Kontakte reduzieren.

Und es wäre ganz fatal, wenn gerade jetzt in diesem Winter - bevor wir im nächsten Jahr so viele Chancen haben, die Situation zu entspannen - uns jetzt die Pandemie außer Kontrolle gerät. Das hat ja auch enorme wirtschaftliche Konsequenzen. Und es führt zu wesentlich höheren Todeszahlen.

Das dürfen wir jetzt nicht riskieren. Und ich finde auch die Vorstellung unethisch und zynisch, dass wir die ältere Bevölkerung quasi isolieren, dass wir ihnen jegliche Kontakte verbieten, dass wir sie sozusagen einem besonderen Risiko aussetzen.

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Das sollten wir nicht tun, sondern die Pandemie unter Kontrolle halten. Durch Übertherapie, Kontaktnachverfolgung und langfristig die Impfung sollten wir daran arbeiten, dass wir besser als andere Länder durch die Pandemie kommen. Wir haben es doch im Sommer schon gezeigt, dass wir das können.

Das Interview im heute-journal führte Bettina Schausten.

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