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Pannen, wenig Positiv-Meldungen - Corona-App: Im Modus der Selbstzufriedenheit?

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Die hakende Technik ist ein Problem der Corona-App. Die geringen Positiv-Meldungen ein anderes. Politiker kritisieren, die Bundesregierung ruhe sich aus. Probleme seien ungelöst.

Als sie endlich eingeführt wurde, war das Lob groß: Technisch ausgereift, die Entwicklung vorbildlich, kaum datenschutzrechtliche Bedenken. "Die deutsche Corona-App ist nicht die erste, aber sie ist die beste", hatte Kanzleramtsminister Helge Braun Mitte Juni gesagt. "Je mehr mitmachen, desto größer ist der Nutzen", hatte Kanzlerin Angela Merkel geworben.

Das hat funktioniert: 16,2 Millionen Deutsche haben die App auf ihrem Handy. Doch die Technik hakt, und die Positiv-Meldungen sind nach wie vor mau.

660 Positiv-Meldungen - und viele Gründe

Aktuell ist es so:

  • 660 Covid19-Infizierte haben sich auf der Plattform gemeldet, um Warnungen an ihre Kontaktpersonen zu senden.
  • Infizierte gibt es aber viel mehr: Nimmt man den Juli, haben sich bis heute im Schnitt pro Tag etwa 420 Menschen neu angesteckt. Insgesamt mehr als 9.300.

Viel mehr Infizierte als Positiv-Meldungen in der App - kein Wunder also, dass es ständig heißt: "Niedriges Risiko, bisher keine Risiko-Begegnungen"?

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Im Bundesgesundheitsministerium heißt es: Die App ist eine Erfolgsgeschichte im Kampf gegen das Coronavirus, die Zahl der Downloads steige. Gründe, warum nicht mehr Positiv-Tests gemeldet werden, gibt es einige:

  • 80 Prozent der Deutschen haben keine App.
  • Auf älteren Smartphones funktioniert sie nicht,
  • auch nicht im Ausland.
  • Wer seinen positiven Test melden will, braucht einen QR-Code. In den Arztpraxen fehlte aber das Formular dazu, zudem sind die Testlabore und die Gesundheitsämter nicht ausreichend angebunden, so dass diese die Positiv-Meldung per QR-Code weitergeben könnten.

Lauterbach: Zu früh, um Einfluss abzuschätzen

Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD-Fraktion im Bundestag, ist oft sehr kritisch beim Umgang mit der Corona-Pandemie. Die App aber, sagt er, "ist kein Flop". Im Gegenteil, er ist mit ihr "sehr zufrieden". Viele der Neuinfizierten hätten sich beispielsweise in der Fleischfabrik Tönnies angesteckt und hatten die App nicht, um sich positiv zu melden. "Es ist zum jetzigen Zeitpunkt zu früh, um abzuschätzen, wie stark der Einfluss der App im Herbst sein wird", sagt Lauterbach.

Hauptstadtstudioleiter Theo Koll erklärt, weshalb die Corona-App bei einigen Smartphones "nicht von selbst" gewarnt hat: Die Corona-App habe immer funktioniert, Problem war die Hintergrundaktualisierung.

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Auch Anke Domscheit-Berg, netzpolitische Sprecherin der Linken, macht eine andere Rechnung auf. Wenn 660 Infizierte per App zum Beispiel nur 20 Kontaktpersonen warnten, hätten sie theoretisch 13.200 Menschen alarmiert. Da 20 Prozent der Bevölkerung die App haben, erreichen sie im Idealfall 2.640 Menschen, "die hoffentlich zuhause bleiben und niemanden mehr anstecken". Jede unterbrochene Infektionsketten sei wichtig:

Jedes Leben zählt.
Anke Domscheit-Berg

Mehr Werbung, Fehler beheben, frei ab 12?

Doch bei allem Lob: Die Kritik wächst. "Mich wundert, dass nicht mehr für die App geworben wird", sagt Lauterbach. Am Anfang habe man viel dazu von der Bundesregierung gehört, "jetzt ist ein bisschen die Luft raus". Dabei müsse man, "jetzt in eine zweite Welle der App übergehen, um eine zweite der Welle Infektion zu vermeiden".

Auch Manuel Höferlin, Vorsitzender des Digitalausschusses im Bundestag, warnt:

Die App kann noch zum einem Flop werden, wenn sich die Bundesregierung zu sehr auf ihrem Lob ausruht.
Manuel Höferlin

Sie müsse "schleunigst aus dem Modus der Selbstzufriedenheit herauskommen und die offenen Probleme angehen", sagt Höferlin.

Keine Updates für ältere Smartphones, keine Vernetzung mit anderen europäischen Apps, die fehlende Anbindung der Testlabore und Gesundheitsämter etwa. Und: Um die App runterzuladen, muss man mindestens 17 Jahre alt sein, für Instagram aber nur zwölf. "Damit wird faktisch eine ganze Generation außen vor gelassen", sagt Höferlin.

AfD: "Wir brauchen diese App nicht"

7,5 Millionen Euro hat das Bundespresseamt für die Bewerbung der App ausgegeben. Eine weitere Kampagne ist erst einmal nicht geplant, heißt es dort. Die Freiwilligkeit war bei der Einführung lange diskutiert worden. Für Domscheit-Berg ist aber fehlendes Vertrauen ein Problem, warum die Menschen eher die App nutzen, um gewarnt zu werden, aber nicht um selbst andere zu warnen.

Es brauche für die Warn-App ein Gesetz, das etwa Verpflichtung zur Nutzung durch Arbeitgeber ausschließt. "Die App funktioniert nur mit Vertrauen.“ Und: "Zu viele Menschen glauben, die Pandemie ist kein Problem mehr."

Die AfD glaubt das zum Beispiel. Die Zahlen in Deutschland seien derzeit so gering, dass man nicht mehr von einer Pandemie sprechen könne, sagt Joana Cotar, netzpolitische Sprecherin ihrer Fraktion im Bundestag. Die App sei eine "Blamage", "reiner Aktionismus" der Bundesregierung. "Es war von Anfang an klar, dass sie nicht funktioniert", sagt Cotar. Sie rät: "Abschalten. Wir brauchen diese App nicht."

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