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Wenn Polizisten absichtlich angehustet werden

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Gewalt bei Corona-Demos - Wenn Polizisten absichtlich angehustet werden

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Gewalt im Einsatz bei Demonstrationen sind Polizisten gewohnt. Doch daran gewöhnen können sie sich nicht. Die Gewaltbereitschaft mancher Corona-Leugner hat sie überrascht.

Teilnehmer einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen am 01.08.2020 in Berlon
Bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin wurden mehrere Polizisten verletzt.
Quelle: Imago

Während die Teilnehmer auf Corona-Demos ein Ende der Auflagen fordern, sollen Polizisten - teils gegen heftigen Widerstand - dafür sorgen, dass genau diese eingehalten werden.

Demos: Immer wieder Gewalt gegen Bereitschaftspolizei

Diese Erfahrungen sind für Polizisten nichts Neues. Einsätze, bei denen sie mit teils staatsverachtender Gewaltbereitschaft konfrontiert werden, erleben die Polizisten im Einsatz immer wieder. Bei Protesten gegen Castor-Transporte, Pegida-Demonstrationen, Auseinandersetzungen von Hooligans bei Fußballspielen oder gewalttätigen Demonstrationen am 1. Mai.

"Wir bewegen uns bei solchen Einsätzen immer in einem großen Spannungsfeld", betont Jan-Patrick Huke. Der Polizeihauptkommissar ist seit 14 Jahren Zugführer bei der niedersächsischen Bereitschaftspolizei. "Wir handeln im Auftrag unseres demokratischen Rechtsstaates und stellen für alle Bürger Ordnung und Sicherheit her. Wenn man dafür angefeindet und bedroht wird, ist das eine Belastung, die man nicht einfach so wegsteckt."

Vorbereitung für junge Polizisten schwierig

Die erlebte Gewalt ist für Huke das eine. Für den Polizeihauptkommissar kommt erschwerend hinzu, dass er und seine Kollegen oft auch gezwungen sind, gegen ihre persönlichen Überzeugungen zu handeln: "Wenn bei einer Kundgebung zwei Lager aufeinandertreffen, müssen wir womöglich gegen unseren Willen eine der Seiten zurückdrängen."

Bei Protesten gegen die Corona-Politik am 1. August in Berlin hatten die Teilnehmer massiv gegen die Auflagen verstoßen. Berlin reagierte mit dem Verbot einer für dieses Wochenende angekündigten Demo. Doch ein Gericht kippte das Verbot.

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1 min
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Auf die körperliche Belastung können sich die Polizisten durch Training vorbereiten. Für die Gewalterfahrung gilt das nur bedingt. "Wir haben bei der Bereitschaftspolizei viele junge Kollegen, die frisch von der Polizeiakademie kommen. In Kurzlehrgängen werden sie auf das, was sie in den Einsätzen erwartet, so gut es geht vorbereitet. Aber was sie später auf der Straße erleben, kann man leider nicht theoretisch vermitteln", sagt Huke.

Gewaltbereitschaft von Corona-Leugnern überrascht

Genauso wichtig ist es für den erfahrenen Einsatzpolizisten deshalb, das Erlebte nachzubereiten. Auch wenn dafür im Alltag kaum die nötige Zeit bleibt, weil ein Einsatz dem nächsten folgt. "Wir Führungskräfte müssen die Antennen immer dafür offen haben, ob einem Kollegen etwas unter den Nägeln brennt und dann direkt das Gespräch suchen", so Huke.

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"maybrit illner“ mit dem Thema "Feindbild Polizei – Hass, Gewalt und Machtmissbrauch?" vom 25. Juni 2020, um 22:15 Uhr im ZDF.

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Das kommt immer öfter vor. Denn auch wenn er betont, dass gerade Bereitschaftspolizisten "Gewalt aushalten können müssen", gibt Huke vor allem eines zu denken: "Angriffe gegen uns sind nichts Neues. Bei Versammlungen mit extremistischem Hintergrund gehört das beinahe zu unserem täglichen Brot. Neu ist aber, dass verstärkt von Gruppierungen, wie den Corona-Leugnern, Gewalt gegen uns verübt wird, bei denen man es zunächst nicht vermutet hätte."

Ein Ende der Gewaltspirale ist nicht abzusehen

Auch Dietmar Schilff, Polizeihauptkommissar und stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht die Grenzen erreicht: "Wir erleben zunehmend, dass Kundgebungen von Gegnern der staatlichen Corona-Auflagen gewaltbereiter werden." Was den Polizisten fassungslos macht:

Es wird vermehrt dazu aufgerufen, Kollegen anzuhusten und anzuspucken, um sie anzustecken.
Dietmar Schilff, Gewerkschaft der Polizei

Jan-Patrick Huke ist überzeugt, dass damit bei weitem noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text wurde am 28.8.2020 versehentlich mit Datum 29.8.2020 veröffentlicht. Wir haben das Datum korrigiert.

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von Tai Becker
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