Sie sind hier:

Proteste in vielen Städten - Wer organisiert die Corona-Demos?

Datum:

Tausende gehen gegen die Corona-Regeln auf die Straße. Wer sind diese Menschen und was wollen sie? Auf der Suche nach Antworten bei Demo-Organisatoren und einer Protestforscherin.

In vielen Städten in Deutschland gibt es auch an diesem Wochenende Aktionen gegen die Corona-Maßnahmen. In Berlin ist es der sogenannte "Demokratische Widerstand", in Stuttgart "Querdenken711", dann gibt es noch "Widerstand2020" sowie einige Einzelpersonen. Sie alle teilen den Unmut über die Corona-Regeln - aber aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Protestforscherin: Teilnehmerkreis sehr diffus

"Es sind Menschen dabei, die die Corona-Pandemie aus medizinischer Sicht anzweifeln, anderen geht es um die wirtschaftlichen Folgen, während wieder andere sich massiv in ihren Grundrechten eingeschränkt sehen", beobachtet Julia Zilles, Protestforscherin am Göttinger Institut für Demokratieforschung und nennt das "sehr diffus". "Das ist typisch für die Anfangsphase von Protesten."

Ein Blick in die Facebook-Gruppe "Widerstand2020" mit 40.000 Mitgliedern zeigt: Hier tummeln sich Menschen, die ihr Mitspracherecht fordern, neben solchen, die Medien, Staat, und Statistik mehr oder weniger stark misstrauen bis hin zu handfesten Verschwörungstheoretikern.

Was sagen die Organisatoren der großen Demos?

Seit dem 28. März ruft in Berlin der sogenannte "Demokratische Widerstand" zu Hygiene-Spaziergängen auf. Die Teilnehmerzahl stieg von ca. 50 beim ersten Spaziergang auf mehrere Tausend beim letzten, schreibt Mitorganisator Wolfgang Spraul.

Anlass für die Demonstrationen ist laut Spraul, dass "in einer Republik der öffentliche Diskurs besonders intensiv geführt werden sollte." Er kritisiert ein zeitweises Verbot des Exports medizinischer Güter, Schließung der Grenzen und die Missachtung der Parlamente.

Viele der Demonstranten und Organisatoren zeigen sich jedoch nicht gesprächsbereit. Eine Anfrage von Montag bei "Querdenken 711" in Stuttgart etwa, wurde bisher nicht beantwortet. Auch HNO-Arzt Bodo Schiffmann, Mitgründer der selbsternannten Partei "Widerstand 2020", hat bisher nicht auf eine Anfrage reagiert.

Was sind die Beweggründe von Einzelpersonen?

Kolja Beckmann ist 45 Jahre alt und in der Baubranche tätig, davor war er im Eventmanagement. Er hat einen Autokorso in Bremen organisiert. Er sagt, 660 Anmeldungen habe er gehabt, konnte aber nur 100 Menschen laut Polizei zulassen, die er als "sehr hilfreich" beschreibt. Beckmann möchte sich an die Regeln halten - trotzdem ist er nicht mit allem einverstanden.

Vor allem die wirtschaftlichen Folgen beschäftigen ihn: "Zum Beispiel die gesamte Kultur- und Eventbranche gehen gerade den Bach runter", sagt er. Zudem sieht er die Grundrechte "stark betroffen". Besonders Ideen wie eine Impfpflicht oder ein Immunitätsausweis beunruhigen ihn. Zudem misstraut er der Auslegung der Datenbasis - sie sei sehr fehleranfällig. Er schlägt einen Untersuchungsausschuss und eine "breite, wissenschaftliche Diskussion" vor.

Mirko Welsch organisiert Proteste in Saarbrücken, dort kommen 100 bis 200 Menschen zusammen. Die Corona-Maßnahmen nennt er eine "gut gemeinte Aktion, die Menschen vor Probleme stellt". Und auf diese wolle er aufmerksam machen, er nennt dabei die Einschränkung der Freiheitsrechte, die wirtschaftlichen Folgen und die Kita-Schließungen.

Die Teilnehmer seiner Demo beschreibt er als "vernünftige Leute, die sich an die Regeln halten." Wäre das anders und würde es in eine extreme Richtung eskalieren, könne er als Veranstalter nicht damit leben und würde die Veranstaltung mit Hilfe der Polizei auflösen wollen.

Rachid Schon, 47 Jahre alt, sammelt Demonstrationstermine samt Abstandsregelung und erlaubter Teilnehmerzahl und teilt sie in Foren mit. Er war bei Demonstrationen in Bensheim und Stuttgart dabei. Auch ihm geht es vor allem um die Einschränkung der Grundrechte, die wirtschaftlichen Folgen und einem Misstrauen gegenüber der Datenbasis, sowie die Ablehnung einer Impfpflicht.

In Stuttgart habe er beobachtet, dass die Mehrheit der Demonstranten ruhig war, manche trugen auch Masken. Die Extremisten - Rechte und Verschwörungstheoretikern - hält er für eine Minderheit.

Wie gehen die Organisatoren mit Extremisten um?

Die Stimmung bei den Demonstrationen in Berlin beschreibt Wolfgang Spraul vom "Demokratischen Widerstand" als "immer angespannter". Tatsächlich kam es zu Gerangel, Flaschenwürfen auf Polizisten und mehreren Festnahmen.

Zu den Vorwürfen, dass auch Extremisten unter den Demonstranten waren, schreibt Spraul: "Da uns das ordentliche Abhalten einer Versammlung mit Ordnern und Rednern untersagt wird, kommt es zwangsläufig zu einer Radikalisierung." Dass er damit indirekt gewalttätige Übergriffe rechtfertigt oder zumindest billigt scheint ihm entweder nicht klar oder er legt es schlimmstenfalls bewusst darauf an.

Die Vorstandsvorsitzende von "Widerstand2020", Victoria Hamm, ist inzwischen zurückgetreten - sie nennt "innere Prozesse" und "Entscheidungen, mit denen ich mich nicht identifizieren kann" als Gründe.

Fußgängerinnen und Fußgänger und Deutschlandkarte mit Inzidenzen
Grafiken

Coronavirus - Wie hoch die Inzidenz in Ihrem Landkreis ist 

Wie hoch ist die Corona-Inzidenz in meinem Landkreis? Wie viele Fälle gab es insgesamt vor Ort? Wie viele Menschen sind verstorben? Alle Zahlen in unserer Corona-Karte.

von M. Hörz, R. Meyer, M. Zajonz

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Polizisten tragen während einer nicht genehmigten Demonstration eine Teilnehmerin weg.

Von Reichsbürgern befeuert - Corona-Demos: Polizei als Feindbild 

Gegner der Corona-Politik richten ihren Hass immer mehr gegen die Polizei. Befeuert von Reichsbürgern werden im Netz Fotos von Beamten geteilt und diese als "Söldner" diffamiert.

von Julia Klaus
Corona-Impfzentrum in Jerusalem. Symbolbild

Nachrichten | heute 19:00 Uhr - Corona-Lage in Israel  

Israel legt ein schnelles Impftempo vor: Seit Januar bekomme Risikogruppen, Menschen ab 60 und medizinisches Personal bereits die vierte Dosis. Doch Omikron breitet sich schnell aus.

16.01.2022
von Michael Bewerunge
Videolänge
1 min
Der serbische Tennisspieler Novak Djokovic (C) verlässt die staatliche Haftanstalt des Park Hotels, bevor er am 16. Januar 2022 an einer Gerichtsverhandlung in seiner Anwaltskanzlei in Melbourne, Australien, teilnimmt. Novak Djokovic steht immer noch vor der Ungewissheit, ob er bei den Australian Open antreten kann, trotz Ankündigung in der Turnierauslosung.

Bundesgericht ordnet Ausreise an - Djokovic hat Australien verlassen 

Tennis-Star Novak Djokovic darf nicht in Australien bleiben. Ein Bundesgericht hatte die Annulierung seines Visums für rechtmäßg erklärt. Djokovic hat Australien nun verlassen.

Videolänge
1 min
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.