ZDFheute

100 Übergriffe: Die Sündenböcke der Pandemie

Sie sind hier:

Corona und Rassismus - 100 Übergriffe: Die Sündenböcke der Pandemie

Datum:

Über hundert rassistische Übergriffe mit Corona-Bezug gibt es bundesweit - besonders asiatisch aussehende Menschen sind betroffen. Eine Aktivistin berichtet.

Thuy-Tien Nguyen engagiert sich in einem Verein gegen anti-asiatischen Rassismus.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Beleidigungen auf offener Straße, Hassbotschaften am Arbeitsplatz, verweigerte Termine beim Arzt aufgrund der Staatsangehörigkeit. Während der Corona-Krise sind mehr als hundert Berichte über rassistische und antisemitische Übergriffe bei Opferberatungsstellen eingegangen, sagt die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Annette Widmann-Mauz (CDU). Was steckt hinter der Zahl?

Widmann-Mauz bezieht sich auf die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und den Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Beide zählten je 100 Corona-spezifische rassistische Übergriffe - wie viele Fälle sich dabei überschneiden, ist nicht klar. Betroffen sind vor allem Menschen, denen eine asiatische Herkunft zugeschrieben wird. Sie werden teilweise für die Pandemie verantwortlich gemacht.

Attacke im Einkaufszentrum

Neben verbalen Attacken sind auch körperliche Angriffe darunter. In München etwa bedrohte ein Mann seine chinesischstämmige Nachbarin mit dem Tod und besprühte sie dann mit einem Desinfektionsspray. In Mannheim schlug ein Mann in einem Einkaufszentrum auf zwei Frauen wegen ihrer vermeintlich asiatischen Herkunft ein.

Am Bahnhof beschimpft

Die Kölner Aktivistin Thuy-Tien Nguyen engagiert sich beim Verein "korientation" gegen anti-asiatischen Rassismus. Sie selbst wurde im Februar bedroht. "Ich stand an einem Bahnhof, um mich herum waren viele Menschen. Eine Gruppe Männer hat mich dann als 'Corona-Opfer' beschimpft. Ich habe mich nicht getraut, etwas zu sagen. Das hätte gefährlich werden können", sagt Nguyen. Sie hatte darüber auch auf Twitter berichtet und viel Unterstützung bekommen.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Von den Zahlen ist die 25-jährige Nguyen nicht überrascht: "Anti-asiatischen Rassismus gab es schon immer. Was mich erschreckt, ist, dass die Schuld ganz offen auf eine gesamte Ethnie geschoben wird. Menschen haben keine Hemmungen, in der Öffentlichkeit auf andere loszugehen." So wird etwa behauptet, Chinesen hätten das Virus hergestellt und absichtlich verbreitet. Nguyen glaubt, dass es viele ungezählte Fälle gibt:

Ich kenne Betroffene, die das nicht gemeldet haben. Weil die Polizei das sowieso nicht ernst nimmt. Weil man Hemmungen hat. Oder nicht weiß, an wen man sich wenden soll.

Auch der Verband der Opferberatungsstellen schreibt: "Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass insbesondere Vorfälle im sozialen Nahbereich nicht immer unmittelbar gemeldet und zur Anzeige gebracht werden."

Ausschuss verspricht Maßnahmen

Die Erfassung von Corona-Rassismus beschäftigt auch die Polzei. Dem Bundeskriminalamt (BKA) wurden bislang "in Einzelfällen rassistisch motivierte Körperverletzungsdelikte bzw. Beleidigungen im Kontext Corona gegen Bürger mit asiatischer Herkunft bzw. äußerem Erscheinungsbild" gemeldet. Eine Sprecherin verweist aber darauf, dass das BKA auf Meldungen der Landespolizeibehörden angewiesen sei. Das BKA kann also nur melden, was die Länder ihm mitteilen.

Ein Problembewusstsein für Rassismus scheint verstärkt in der Bundespolitik anzukommen. Am Mittwoch war zum ersten Mal der Kabinettsausschuss zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus zusammen gekommen. Er war als Reaktion auf die Anschläge in Halle und Hanau eingesetzt worden. Im Herbst soll ein Maßnahmenpaket zur Bekämpfung von Rassismus und Rechtsextremismus vorgelegt werden. Die Integrationsbeauftragte Widmann-Mauz mahnte: "Rassismus richtet sich gegen uns alle, er zerfrisst das Fundament unserer Demokratie."

Vor einem Liniendiagramm steht der Großbuchstabe R. Im Hintergrund sind zwei große, gezeichnete Viren zu sehen.

Nachrichten | Panorama -
Corona-Daten einfach erklärt
 

Was sind die wichtigsten Zahlen zur Pandemie und was bedeuten sie?

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Corona-Tests in Mamming.

Nachrichten | heute 19:00 Uhr -
Weiterer Corona-Ausbruch in Mamming
 

Nach einem Corona-Ausbruch auf einem Gemüsehof im bayerischen Mamming wurden nun auch Mitarbeiter einer …

von P. Schäfer & C. Vogelmann
Videolänge:
1 min
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.