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Die Nerven liegen blank

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Corona in Europa - Die Nerven liegen blank

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Deutschland ist weniger von der Krise betroffen, als unsere europäischen Nachbarn. Unsere Korrespondenten berichten von der Stimmung in Frankreich, Italien, Polen und Belgien.

Demonstranten liegen bei einem Protest gegen die Schließung von "nicht notwendigen" Geschäften während der Corona-Pandemie auf dem Boden
Auch in Italien und wie hier in Frankreich protestieren Menschen gegen die Corona-Maßnahmen - die in diesen Ländern deutlich strenger sind als bei uns.
Quelle: dpa

So hart uns der November-Shutdown in Deutschland vorkommen mag: Der Blick nach Europa zeigt, dass Deutschland in Sachen Corona immer noch deutlich besser da steht als viele seiner Nachbarn. Dort gibt es verhältnismäßig mehr Infizierte, Kranke, Tote. Die Intensivstationen sind im Vergleich voller und die Corona-Maßnahmen härter.

Wie die Stimmung in Polen, Belgien, Frankreich und Italien ist, berichten unsere Korrespondentinnen und Korrespondenten vor Ort.

Corona in Polen: "Die Situation ist grenzwertig"

Die Stimmung in Polen ist nicht nur wegen der Proteste um das Abtreibungsrecht angespannt. "Die Corona-Zahlen bleiben besorgniserregend hoch", berichtet unsere Korrespondentin Natalie Steger aus Warschau. Regelmäßig ist die Zahl der Neuinfizierten höher als in Deutschland, bei halb so vielen Einwohnern in Polen.

Noch kann das medizinische Personal die Auswirkungen der Pandemie stemmen und dennoch, "das Gesundheitssystem ist bereits überlastet und mangelhaft".

Ärzte und Pflegekräfte klagen landesweit über Personalmangel und Überlastung.
Natalie Steger, Korrespondentin in Warschau

Es gibt zu wenige Beatmungsgeräte und Sauerstoff fehlt in vielen Krankenhäusern. "Die Situation ist grenzwertig", resümiert unsere Korrespondentin.

Polnische Bevölkerung: Die Regierung tut zu wenig

Die Bevölkerung ist dementsprechend unzufrieden. Das Vertrauen in die Regierung lässt nach. Ende Oktober zeigte eine Umfrage: 68 Prozent der Befragten finden, die Regierung habe das Land schlecht auf die zweite Welle vorbereitet. Nur etwa ein Viertel sieht das Land gut vorbereitet.

Dazu sind 60 Prozent der Befragten der Meinung, die Regierung hat die Situation nicht unter Kontrolle. Knapp ein Drittel meint, die Regierung hat Corona im Griff.

Die polnische Bevölkerung hat das Coronavirus von Beginn an sehr ernst genommen. Trotzdem steigen die Zahlen. ZDF-Korrespondentin Natalie Steger berichtet über weitere Maßnahmen.

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11 min
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Belgien: Schlimmer kommt’s nicht mehr, besser wird‘s noch nicht

"Belgien steht auf dem Scheitelpunkt der zweiten Welle", berichtet unser Korrespondent Gunnar Krüger aus Brüssel. In den Krankenhäusern liegen zwar etwas weniger Covid-19-Patienten als noch Anfang des Monats. Aber zugleich steigt die Zahl der Patienten, die auf Intensivstationen liegen, um vier Prozent.

Sehen kann man die Anspannung auch an den Gesichtern von Ärztinnen, Ärzten und Krankenpersonal. Zum Beispiel bei einer Nachtschicht in der Klinik Jolimont in La Louvière, eine Stunde südlich von Brüssel. Sie habe Angst vor der Überlastung, sagt Laetitia Degl’Innocenti, Krankenschwester auf der Intensivstation.

"Wir müssten dann den Menschen sagen, dass wir ihnen nicht helfen können. Das ist sehr schwer." Ihre Tränen kann auch ihre Maske nicht verstecken.  

Ärztin: Bevölkerung wollte nicht hören

Nachher kann man vieles besser wissen, meint Marie-Elisabeth Faymonville, Anästhesistin in der Uni-Klinik Lüttich. Strenge bräuchte Akzeptanz in der Bevölkerung. "Man hat es oft genug gesagt, aber die Leute wollten es nicht hören. Es ist schwierig aufzunehmen, was einen einschränkt in seinen Freiheiten."

In Belgien musste es erst schlimmer kommen, bevor es besser wird.
Gunnar Krüger, Korrespondent in Brüssel

Nach zwei Wochen starker Alltagsbeschränkungen wird in Belgien nun Fazit gezogen.

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Frankreich: Strenge Corona-Maßnahmen

In Frankreich geht die Zahl der täglichen Neuinfektionen zurück. "Das ist möglicherweise eine Folge der strengen Corona-Maßnahmen, die seit dem 30. Oktober gelten", berichtet Reporterin Anne Arend aus Paris.

Diese strengen Regeln gelten in Frankreich:

  • Das Haus verlassen, darf man nur mit triftigem Grund, wie Einkaufen, Arbeiten oder die Kinder zur Schule bringen.
  • Freizeit an frischer Luft ist auf eine Stunde am Tag und einem Umkreis von einem Kilometer beschränkt.
  • Jeder Weg nach draußen muss in einem Formular festgehalten werden.

Und dennoch: Den Höhepunkt der zweiten Welle erwartet Premierminister Jean Castex in dieser Woche. Besonders hart trifft die zweite Welle derzeit den Süden Frankreichs, etwa die Rhone-Region. Hier arbeiten Ärzte, Ärztinnen und Pflegende am Limit, Auszubildende und Studierende sollen das Krankenhauspersonal unterstützen.

Disziplin der Franzosen lässt nach

Die Maßnahmen sind streng und nicht jeder hält sich daran. 100.000 Verwarnungen wurden binnen zwei Wochen ausgesprochen. Innenminister Gérald Damanin forderte daraufhin ein härteres Vorgehen bei Verstößen.

Während Masken weitgehend getragen werden, dehnen viele Franzosen die erlaubte Stunde "Freigang“ am Tag großzügig aus.
Anne Arend, Reporterin in Paris

Eine Verlängerung dieser Ausgangssperre ist schon jetzt vorgesehen. Wenn die Zahlen es zulassen, könnten allerdings kleine Geschäfte im Dezember wieder öffnen. Viele Händler und auch Kunden haben gegen die Schließung protestiert, sehen sich als Verlierer im Konkurrenzkampf mit den großen Online-Anbietern.

Die Franzosen leben im Teil-Lockdown, doch die Schulen bleiben geöffnet. Die Angst vor Ansteckung und der Unmut bei Schülern und Lehrern wächst.

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3 min
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Italien: Exponentielles Wachstum trotz drastischer Maßnahmen

"Italien befindet sich mitten in einer zweiten Welle", berichtet Korrespondent Andreas Postel. Die Situation spitzt sich derzeit dramatisch zu, weil die Kurve momentan exponentiell in die Höhe zu schnellen scheint. Die eingeleiteten Maßnahmen der Regierung scheinen nicht zu greifen.

In viele Regionen darf nur noch aus triftigem Grund ein- und ausgereist werden. In der Region Südtirol beginnt ab heute eine Art Lockdown, wie es ihn im Frühjahr gab.

Auch das Gesundheitswesen kommt an seine Belastungsgrenze. In Neapel sieht man lange Autoschlangen vor den Notaufnahmen der großen Krankenhäuser, in der Lombardei wurde ein sogenanntes Triage-Zentrum eingerichtet, um ankommende Patienten je nach Schwere ihrer gesundheitlichen Lage auf Krankenhäuser im Umland zu verteilen. "Es besteht die Gefahr, dass Patienten mit anderen Krankheiten nicht mehr angemessen behandelt werden können", so Postel.

Die steigenden Corona-Zahlen bringen die ohnehin arme Millionenstadt Neapel völlig zum Erliegen. Dem Gesundheitssystem droht jetzt der medizinische Kollaps.

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2 min
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Landesweit große Akzeptanz der Maßnahmen

Proteste gegen die Maßnahmen der Regierung, die teilweise in Gewalt endeten, machten in den vergangenen Wochen Schlagzeilen. Vor allem die Restaurant-Betreiber hatten mit diversen Aktionen lautstark auf ihre Situation aufmerksam gemacht.

"Generell kann man landesweit aber von einer großen Akzeptanz sprechen, auch wenn viele Lebensbereiche stark von den Einschränkungen betroffen sind", resümiert unser Korrespondent.

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