ZDFheute

Corona: Zeit für eine Exit-Strategie?

Sie sind hier:

Ende des Shutdowns - Corona: Zeit für eine Exit-Strategie?

Datum:

Ein Land im Ruhemodus, noch scheint Covid-19 beherrschbar. Ist das wegen des Shutdowns oder könnten die Maßnahmen gelockert werden? Die Wirtschaft fordert es, die Politik streitet.

Deutschland hat ein Einreiseverbot für Saisonarbeiter angeordnet. Damit wird auch Erntehelfern die Einreise verweigert. Die Nachrichten rund um Corona.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Woher kommt der Frust?

Die Sorge vor der Ausbreitung des Covid-19-Virus hat das Land lahm gelegt. Und trotz der milliardenschweren Finanzhilfen, die der Bundestag am Mittwoch verabschiedet hat, wächst die Sorge, wie lange die Wirtschaft das durchhält.

Meldungen allein von diesem Donnerstag:

  • Tui überlegt, staatliche Unterstützung in Milliardenhöhe zu beantragen
  • Der Mittelstandsverbund, der Möbelhändler, Textil- und Modeverkäufer, Schuhgeschäfte, Bau- und Gartenmärkte vertritt, rechnet mit massenhaften Pleiten.
  • Die Deutsche Bank denkt über Kurzarbeit nach. Wenn Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit droht, kaufen die Menschen weniger ein.
  • Der Konsumklimaindex könnte im April auf den niedrigsten Stand seit der Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2009 sinken.
  • Bei der KfW lagen Stand Mittwochabend 195 Anfragen für Corona-Sonderkredite im Volumen von 4,8 Milliarden Euro vor. Der Sparkassen- und Giroverband meldet 200.000 Anfragen von Unternehmen und Selbstständigen.

Carsten Linnemann von der Mittelstandsvereinigung der CDU/CSU fordert deswegen, die Wirtschaft nach Ostern wieder hochzufahren. Auch Gerd Landsberg vom Städte- und Gemeindebund macht sich Sorgen: "Langfristig können wir nicht das gesamte Land lahmlegen", sagte er der Funke-Mediengruppe. Man müsse sich jetzt Gedanken über eine Exit-Strategie nach dem Shutdown machen. Auch die AfD und die FDP hatten das angemahnt.

FDP-Chef Christian Lindner hat vor Folgen längerer Einschränkungen gewarnt und gefordert, schnellstmöglich wieder Freiheit zu ermöglichen. Die Beschränkungen seien verhältnismäßig.

Beitragslänge:
10 min
Datum:

Wie ist die Corona-Lage?

"Noch ist das die Ruhe vor dem Sturm", sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Heute könne keiner sagen, "was in den nächsten Wochen kommt." Im Vergleich zu Europa sind die Zahlen bislang nicht alarmierend: Stand 26. März, 0 Uhr sind nach Angaben des Roland-Koch-Instituts (RKI) 36.500 Deutsche am Covid-19-Virus infiziert. Das sind 5.000 mehr als am Vortag. 198 Menschen sind an dem Virus mittlerweile gestorben. Die Infizierten sind im Schnitt 46 Jahre alt, die Toten 81.

Alle Zahlen und Grafiken zum Coronavirus

Covid-19 -
Zahlen zur Ausbreitung des Coronavirus
 

Wie breitet sich das Coronavirus aus? Infografiken, Zahlen und Daten zur Entwicklung von Covid-19 in Deutschland und weltweit - immer aktuell.

von Simon Haas, Robert Meyer

Regional gibt es starke Unterschiede: In Hamburg sind es derzeit 69 Infizierte pro 100.000 Einwohner, in Mecklenburg-Vorpommern 15. "Es kann zum jetzigen Zeitpunkt noch keine sichere Aussage gemacht werden, ob sich die Infektionsdynamik abschwächt", sagt RKI-Präsident Lothar Wieler.

Was melden die Krankenhäuser?

Vor knapp zwei Wochen hatte Spahn die Krankenhäuser aufgefordert, die Intensivbetten zu verdoppeln und planbare Operationen zu verschieben. Damit sollte Zeit gewonnen werden, um auf steigende Beatmungspatienten vorbereitet zu sein. Zum Teil scheint das gelungen.

Beispiel Berliner Charité. Ihr Leiter Heyo Kroemer sagt, die Charité mache nur noch die Hälfte der sonst üblichen Operationen. Derzeit gebe es 538 freie Betten und 114 freie Intensivbetten, nur 14 Intensivpatienten gibt es. Eine "exponentielle Steigerung", so Kroemer, sieht er nicht, nur eine "marginal stetig wachsende". Beispiel Uniklinik Gießen. 173 Intensivbetten gibt es normalerweise, sagt die Leiterin der Infektiologie, Susanne Herold. 40 weitere Betten wurden geschaffen, so dass jetzt 113 Covid-19-Patienten beamtet und versorgt werden könnten. Allerdings, so Herold, fehle das Personal. Derzeit würde Medizinstudenten geschult, Personal aus der Elternzeit geholt. Belegt sind derzeit: drei Betten.

Die Unikliniken scheinen keine Ausnahmen zu sein. RKI und Charité haben eine Datenbank für freie Intensivbetten freigeschaltet, an ihr sind 60 Prozent der Krankenhäuser angeschlossen. Stand Donnerstag gebe es in diesen 5.600 freie Betten, sagt Uwe Janssens, Präsident der Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. In den nächsten 24 Stunden könnten noch einmal 5.700 Betten freigemacht werden. Janssens sagt: "Stand heute und morgen sind wir sicherlich gut gerüstet."

Wie ist die Meinung der Bundesregierung?

So und so. Kanzleramtsminister Helge Braun hatte im Interview mit "Jodel" gesagt, dass die Kontaktbeschränkungen zunächst für junge Leute wieder gelockert werden könnten. Gesundheitsminister Spahn hatte in der "Zeit" gesagt: "Die Frage, wie wir diesen Krisenmodus wieder verlassen, wird jeden Tag wichtiger." Möglicherweise werde man Ältere "über mehrere Monate bitten müssen, ihre Kontakte stark einzuschränken und im Zweifel zu Hause zu bleiben". Bis Ostern solle ein Konzept zum Ausstieg vorliegen. Allerdings, so Spahn: "Wir können nach Ostern über Veränderungen reden, wenn wir bis Ostern konsequent bleiben."

Widerstand kommt von Bundesinnenminister Horst Seehofer. "Die Funktionsfähigkeit wieder herzustellen unter Inkaufnahme von vielen Toten oder auch Kranken, die geheilt werden, aber bleibende Schäden haben, scheidet für mich aus", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Für solche Maßnahmen stehe er nicht zur Verfügung. "Nicht mit mir." Es sei "eine Illusion zu glauben, man könne ein Virus schrittweise steuern, so dass nur die 90-Jährigen oder 80-Jährigen oder 70-Jährigen betroffen sind", sagte Seehofer.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner ist dagegen. "Man sollte über ein Datum nicht spekulieren, weil man es nicht garantieren kann." Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sagt: "Ich kann die Ungeduld verstehen, aber die Fakten sind entscheidend." Eine Absage kommt auch von der SPD: Einen Exit anzukündigen, ohne zu wissen ob und wie die Maßnahmen wirken, "finde ich - ganz freundlich gesagt - fahrlässig", so Arbeitsminister Hubertus Heil in der ARD.

Gibt es einen Schlüsselindikator, wann Ende ist?

Darauf legt sich momentan keiner fest. Sind es die Neuinfektionen, die Zahle der Toten, die Belegung der Intensivbetten? "Wir können das momentan nicht genau sagen“, so RKI-Präsident Wieler. Dies sei eine neue Epidemie. Man könne nur aufgrund der Zahlen die Lage immer wieder neu bewerten.

Virologe Christian Drosten.
Virologe Christian Drosten.
Quelle: Michael Kappeler/dpa-pool/dpa

An welcher Stelle kommt man raus, an welcher bleibt man lieber noch drin, das ist laut Christian Drosten, Virologe an der Charité auch eine Frage an die Wissenschaft und "an die vorhersagbaren Effekte" von Maßnahmen. Sie sei Grundlage für die Politik, die dann entscheiden müsse. Charité-Leiter Krömer sagt: "Das Land wird nicht von Virologen geführt. Die Entscheidung muss am Ende des Tages die Politik treffen."

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Mutige Selbstständige

Gründen in Corona-Zeiten -
Jetzt selbstständig werden? Spinnt die?
 

Es sind harte Zeiten für Kunst und Kultur. Sich in dieser Branche mitten in der Corona-Pandemie selbstständig zu machen, ist ein mutiger Schritt.

Videolänge
2 min
Homeoffice - Person am Laptop

Täglicher Pauschalbetrag geplant -
Kommt die Homeoffice-Pauschale?
 

Die GroKo will diejenigen steuerlich entlasten, die wegen Corona zu Hause arbeiten. Union und SPD haben sich …

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.