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Fake News und Cybercrime - Coronavirus: Geschäfte mit der Angst

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Online-Kriminelle und Verschwörungstheoretiker nutzen die Angst vor dem Coronavirus, um mit Trojanern und Fake News Geld zu machen. Die WHO kämpft dagegen - mit Partnern.

Eine Frau mit Mundschutz schaut auf ihr Smartphone am 31.01.2020 in Hongkong
Cyberkriminelle nutzen die Angst der Menschen vor dem Coronavirus.
Quelle: picture alliance/ZUMA Press

Mehr als 40 unterschiedliche Computerviren, massenhaft Spam-Mails zum Ausspähen von Kreditkarteninformationen und Erpresser-Trojaner haben IT-Sicherheitsunternehmen im Zusammenhang mit Fake News zum Coronavirus gefunden. "Cyberkriminelle nutzen den Hype um den Coronavirus", erklärt Anton Ivanov vom IT-Sicherheitsunternehmen Kaspersky.

Schadsoftware in Videos und Dokumenten versteckt

"Bislang haben allein wir 32 einzigartige Dateien mit Schadsoftware in diesem Umfeld entdeckt", erklärt Malware-Analyst Ivanov. Auch Analysten anderer IT-Sicherheitsunternehmen bestätigen den Fund von Erpressungs-Trojanern, Spionage-Software und Viren für die Datenmanipulation.

Die Schadsoftware ist in Videos und Dokumenten versteckt, die teilweise spektakuläre Informationen über das Coronavirus enthalten. Andere via Twitter, Whatsapp oder Facebook verbreitete Fake News führen auf Web-Seiten mit einem ganzen Arsenal an Schadsoftware. Das wird durch Spam-Mails ergänzt, mit denen für Wasserfilter oder Atemmasken geworben wird.

"Wir entdecken oft Spam-Mails, die Bezug nehmen auf populäre gesellschaftliche Themen", betont Maria Vergelis, Sicherheitsanalystin bei Kaspersky. Das sei auch beim Coronavirus so. Die Angst vor einer konkreten Bedrohung würde genutzt, um - teilweise unsinnige - Produkte zu verkaufen.

Dubiose Kaufangebote

In einigen Fällen aber werden dabei auch Kreditkarten-Informationen gestohlen. So wurden Falschinformationen über eine Pandemie auf verschiedenen Kanälen wie Twitter, Facebook, Whatsapp und Tiktok verbreitet. Die Nutzer wurden aufgefordert, sich vor dem "supergefährlichen" Coronavirus mit Atemmasken zu schützen.

Wer die auf der angegebenen Website kaufen wollten, musste seine Kreditkarteninformationen inklusive Prüfziffer eingeben. Anschließend gingen die Cyberkriminellen mit den erbeuteten Kreditkarteninformationen auf Einkaufstour.

Fake News als Lockmittel

Wie groß der Anteil der Fake News und Videos ist, in denen Verschwörungstheorien zum Coronavirus verbreitet werden, die fürs Verteilen von Schadsoftware und zum Abgreifen von Kreditkarteninformationen gestreut werden, kann im Augenblick niemand sagen. Für Sicherheitsexperten ist jedoch klar: Je mehr Fake News unterwegs sind, umso bessere Geschäfte machen die Cyberkriminellen.

Allein die per Whatsapp verbreitete Schreckensmeldung, im Landkreis Augsburg seien alle Krankenhäuser mit Patienten voll belegt, die am Coronavirus erkrankt seien, hat viele Menschen auf eine Webseite getrieben, auf der sie sich angeblich mit Atemmasken versorgen könnten, um sich vor einer Ansteckung zu schützen.

Sicherheitsexperten wissen nicht genau, wie viele Website-Besucher ihre Bestellung von Atemmasken per Kreditkarte bezahlt haben. Sie gehen aber mehreren hundert Fällen aus. Zumindest das gezahlte Geld ist weg. Was mit den eingegebenen Kreditkarteninformationen in diesem Fall geschieht, wissen die Sicherheitsexperten noch nicht.

Bis ein Missbrauch offenbar wird, vergehen meist einige Wochen. In vergleichbaren Fällen sorgte der Kreditkartenmissbrauch durch Cyberkriminelle für teilweise sechsstellige Schadenssummen.

Teure Wasserfilter als vermeintlicher Gesundbrunnen

Eine andere Variante probierte ein Esoterikprediger auf Youtube. Er behauptete, nicht das Coronavirus sei Ursache der Erkrankungen, sondern der Ausbau des Mobilfunknetzes nach dem neuen 5G-Standard. Um sich dagegen zu schützen, empfiehlt er einen Wasserfilter zum Preis von 249 Euro.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will gegen solche Falschinformationen und die in ihrem Gefolge agierenden Cyberkriminellen kämpfen. Dafür sucht sie den Schulterschluss mit den großen Internet-Konzernen und Social-Media-Plattformen.

Eigens eingesetzte WHO-Mitarbeiter sollen Fake News zum Coronavirus im  Netz ausfindigmachen und diese den Plattformbetreibern melden. Wie viele Mitarbeiter die Weltgesundheitsorganisation dafür einsetzt, wollte WHO-Sprecherin Carla Drysdale nicht sagen.

Facebook setzt Faktenchecker ein

Außerdem setzt Facebook eine spezielle Suchsoftware ein, die Inhalte rund um das Coronavirus auf Whatsapp und Facebook aufspüren soll. Die entsprechenden Posts und Messages sollen dann von menschlichen Faktencheckern überprüft und gegebenenfalls gelöscht werden. In Deutschland sind Mitarbeiter der Deutschen Presseagentur und des Recherchebüros Correctiv als bezahlte Faktenchecker für Facebook tätig.

Twitter zeigt Nutzern, die nach "Coronavirus" suchen, Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung an. Ähnlich gehen die Verantwortlichen es Video-Netzwerkes Tiktok vor. Wer dort nach "Coronavirus" sucht, bekommt einen Link zu Informationsseite der Weltgesundheitsorganisation angeboten.

Direktanzeige von Infos der WHO

Google macht das genauso. "Wenn Menschen bei Google nach Informationen zu 'Coronavirus' suchen, wird ihnen ein SOS Alert oberhalb der Suchergebnisse angezeigt", erläutert Google-Sprecher Ralf Bremer. In der WHO-Infobox können sich die Google-Nutzer dann über das Virus informieren.

Außerdem werden bei entsprechenden Suchen auf Youtube Videos großer und mithin glaubwürdiger Medienhäuser ebenfalls eher angezeigt werden. "Diese Maßnahme führen wir schon seit einiger Zeit unabhängig vom aktuellen Coronavirus durch", sagt Ralf Bremer.

Ob diese Maßnahmen dazu beitragen können, spektakuläre Falschinformationen im Netz zu verhindern, bezweifeln viele Sicherheitsexperten. Denn Fakes News mit den dahinterliegenden Verdienstmöglichkeiten für Cyberkriminelle bieten für viele Dienstleister einfach ein attraktives Geschäftsfeld.

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