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Corona in Fleischbetrieben - Gewerkschaft fordert Verbot von Werkverträgen

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Nach wiederholten Corona-Ausbrüchen in der Fleischindustrie kritisiert die Gewerkschaft NGG katastrophale Arbeitsverhältnisse. Werkverträge müssten sofort verboten werden.

Eine Lebensmittelgewerkschaft fordert nach dem Corona-Ausbruch im Schlachtbetrieb Tönnies ein sofortiges Verbot von Werksverträgen in der Fleischindustrie.

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Nach dem erneuten Massenausbruch des Coronavirus in einem deutschen Fleischbetrieb hat die Gewerkschaft "Nahrung-Genuss-Gaststätten" (NGG) ein umgehendes Verbot von Werkverträgen in der Branche verlangt. "Diesem kranken System" müsse nun endlich ein Ende gemacht werden, sagte NGG-Vizechef Freddy Adjan den Zeitungen der "Funke Mediengruppe".

Werkverträge ohne Abstriche umsetzen

Das von der Bundesregierung beschlossene Verbot von Werkverträgen in der Fleischindustrie müsse "ohne Abstriche im Gesetzgebungsverfahren umgesetzt" werden. Beim Tönnies-Fleischkonzern im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück waren zuletzt 657 Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet worden, wie der Kreis Gütersloh am Mittwoch mitteilte.

Im Kreis Gütersloh wurden fast 700 Mitarbeiter der Fleischfabrik Tönnies positiv auf das Coronavirus getestet. Die lokalen Schulen und Kitas bleiben nun vorerst geschlossen.

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657 Mitarbeiter in NRW positiv getestet

Der Kreis schloss umgehend alle Schulen und Kindertagesstätten bis zu den Sommerferien. Alle Infizierten und ihre Kontaktpersonen wurden unter Quarantäne gestellt.

Bereits in den vergangenen Monaten hatte es eine Reihe von Coronavirus-Ausbrüchen unter Mitarbeitern deutscher Fleischbetriebe gegeben. Das Bundeskabinett hatte deshalb vor vier Wochen neue Auflagen für die Branche auf den Weg gebracht. Vorgesehen ist unter anderem ein Verbot von Werkverträgen ab dem 1. Januar 2021.

Werkverträge sorgen für niedrige Löhne

Danach sollen nur Angestellte des eigenen Betriebs Tiere schlachten und zerlegen dürfen. Die Werkverträge in der Branche sind in Verruf geraten, weil dabei Beschäftigte von Subunternehmen häufig zu Niedriglöhnen und mit überlangen Arbeitszeiten eingesetzt werden.

Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen, nannte die Zustände unhaltbar.

Die Gesundheit der Beschäftigten wird für die Profite der Fleischbarone aufs Spiel gesetzt.
Anton Hofreiter, Grüne


Auch die Unterbringung solcher Mitarbeiter in engen Sammelunterkünften steht in der Kritik. Adjan sagte, die Coronavirus-Ausbrüche hingen ganz offensichtlich mit den "katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen für die meist osteuropäischen Werkvertrags-Beschäftigten" zusammen.

Fleischindustrie wehrt sich gegen Vorwürfe

Die Präsidentin des Bundesverbandes der Fleischwarenindustrie, Sarah Dhem, zeigte sich skeptisch, dass das von der Bundesregierung angestrebte Verbot von Werkverträgen in der Branche ohne Weiteres umgesetzt werden kann.

Bei einem Verbot solcher Verträge stünden einige Unternehmen "vermutlich kurzfristig vor erheblichen Personalproblemen", sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Ihre Branche könne keine hohen Stundenlöhne wie beispielsweise Automobilhersteller zahlen.

Beim Handy guckt kein Mensch auf den Preis, beim Essen aber wird gespart.
Sarah Dhem, Verband Fleischwarenindustrie

Während Schulen und Kitas erst jetzt langsam wieder öffnen dürften, werde in Schlachthöfen gearbeitet "als wäre nichts gewesen", sagte die Greenpeace-Agrarexpertin Stephanie Töwe den Funke-Zeitungen. Die Betreiber nähmen die Infektionsgefahren für die Beschäftigten sowie die Einwohner der Umgebung in Kauf, "um die Produktion von Billigfleisch nicht zu gefährden".

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