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Grenzkontrollen? Oh, non!

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Deutsch-französisches Verhältnis - Grenzkontrollen? Oh, non!

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Durch das Coronavirus wird auch an der deutsch-französischen Grenze wieder kontrolliert. Das ärgert die Franzosen und stellt das Saarland vor wirtschaftliche Herausforderungen.

Polizeibeamte kontrollieren unter einem Autobahnschild den Fahrer eines Lkw am Grenzübergang zu Frankreich.
Am Grenzübergang zu Frankreich werden Reisende nach Deutschland kontrolliert.
Quelle: dpa

Bis jetzt war die Grenze für die Menschen im Saarland und in Lothringen nur eine Linie auf der Landkarte, die man im Alltag einfach überfahren konnte. Die blauen Schilder mit den Sternen Europas sind überall, sie markieren die ehemaligen Grenzübergänge.  Zehntausende Menschen überqueren sie mehrmals täglich ohne anzuhalten oder auch nur Notiz davon zu nehmen.

Auf dem Weg zu den deutsch-französischen Schulen, auf dem Weg zur Arbeit, oder zum Einkauf. Frisches Gemüse, Fisch, Wein und Käse werden in Frankreich gekauft - Shampoo, Taschentücher, Deo, Kekse, Bonbons und Bier in Deutschland. Gleich hinter der Grenze haben die großen deutschen Supermarktketten für die Kunden aus dem Nachbarland extra-große Geschäfte.

Grenzkontrollen wegen Coronavirus ärgern Franzosen

Und nun müssen sie sich wegen des Coronavirus wieder auf Grenzkontrollen einstellen. "Fühlen Sie sich gut?", fragen die Beamten. "Husten Sie?" Wenn es Zweifel gibt, messen sie Fieber. So richtig begeistert sind die Franzosen nicht.

Die Grenzkontrollen ärgern einige Franzosen, weil die "überkorrekten Deutschen" sie jetzt unter einen Covid-19 Generalverdacht stellen. Zuerst wurde französischen Kindern der Schulbesuch in Deutschland untersagt, bis Tobias Hans als erster Ministerpräsident entschied, sämtliche Schulen und Kitas im Saarland dicht zu machen - wegen der Nähe zum Risiko-Gebiet Grand Est. Erstes Ziel sei der Schutz der Bevölkerung, hieß es in seiner Erklärung.

Grenzübergreifender Markt für Saarland erheblich

Zehntausende Pendler wechseln täglich zwischen Grand Est und Deutschland hin und her. Im Saarland, in Baden-Württemberg und in Rheinland Pfalz. Im Saarland stellt der grenzübergreifende Markt stellt für das Saarland einen erheblichen Wirtschaftsfaktor dar, der jetzt bedroht ist. Viele Unternehmer haben den Pendlern gesagt, dass sie zu Hause bleiben sollen.

Corina Mörsdorf ist Französin und lebt in Petite Rosselle, in Frankreich. Sie arbeitet im Völklingen und koordiniert deutsch-französische Aus- und Fortbildungsprojekte. Ihre Firma arbeitet mit hundert Unternehmen zusammen. Auch sie wurde schon am Grenzübergang angehalten.

Die Polizei hat mich gefragt, ob ich mich schlecht fühle. Ich habe Nein gesagt und durfte weiterfahren. Das bringt glaube ich nicht viel.
Corina Mörsdorf, Pendlerin

An ihrem Arbeitsplatz ist die Grenze Thema des Tages. Besorgte Unternehmenschefs melden sich - was tun mit den französischen Mitarbeitern? Und die Franzosen rufen an, weil sie Angst haben, dass sie keinen Lohn mehr bekommen. "Ein Firmenchef in Deutschland hat uns berichtet, dass es zu regelrechter Hysterie komme, sobald Franzosen den Raum betreten", berichtet sie.

Spielt Grenzschließung Le Pen in die Karten?

Der kleine und größere Grenzverkehr werden auf eine harte Probe gestellt. Ausgerechnet hier, wo alle so stolz darauf sind, dass man Europa lebt, dass Grenzen keine Rolle spielen. "Dieses Virus hat keinen Pass", sagte der französische Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag in seiner Fernsehansprache, und ordnete die Schließung von Schulen und Kitas an.

"Ich kenne eine Blonde, die das toll finden wird", kommentierte eine Userin auf Twitter und spielt damit auf Marine Le Pen an, deren rechtspopulistische Partei Rassemblement National in Lothringen traditionell gute Ergebnisse erzielt und seit Jahren Grenzschließungen fordert.

Was eine Grenze zwischen Deutschland und Frankreich bedeutet

Nun ist ein Virus die Ursache für Kontrollen. Als bekannt wurde, dass die Grenzen kontrolliert werden sollten, sind viele Franzosen schnell noch einmal ins Nachbarland gefahren. Der Parkplatz vor dem Drogeriemarkt am Grenzübergang war voll, die Regale mit Klopapier und Desinfektionsmitteln leer.

Das Coronavirus hat hier vor allem dafür gesorgt, dass den Menschen plötzlich wieder bewusst wird, was es eigentlich bedeutet, Grenzen zu haben. 

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