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Ermittlungen nach Tod eines Asylbewerbers

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Corona in Flüchtlingsheimen - Ermittlungen nach Tod eines Asylbewerbers

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Ende April starb ein Asylbewerber an Corona. Er lebte in einer Sammelunterkunft. Der Tod des 35-jährigen Afghanen wirft viele Fragen auf - jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Hinter einem Zaun sitzt ein Asylsuchender. Archivbild
In Asylunterkünften ist es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Corona-Ausbrüchen gekommen (Archivbild).
Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Hamid war ein freundlicher und zurückhaltender Mann, sagen die, die ihn kannten. 2015 war er aus Afghanistan geflohen und lebte seitdem in München. Hamid hatte Deutsch gelernt und arbeitete in einer Konditorei. Am 25. April ist er nach einer Corona-Infektion gestorben. Vorerkrankungen sind nicht bekannt. Er wurde nur 35 Jahre alt.

Asylanwältin stellt Strafanzeige

Hamid, dessen richtigen Namen wir aus Rücksicht auf die Angehörigen nicht nennen, hatte sich offenbar in der Containerunterkunft in der Aschauer Straße im Münchner Süden angesteckt. Dort leben 250 Flüchtlinge auf engstem Raum. Hamid wohnte in einem Zweibettzimmer, teilte Dusche, Toilette und Küche mit anderen Bewohnern.

Es ist nicht verhindert worden, dass mein Mandant sich ansteckt, obwohl es in der Unterkunft bereits einen bekannten Covid-19-Fall gab.
Katharina Camerer, Asylanwältin von Hamid

"Außerdem wurde er erst sehr spät in ein Krankenhaus gebracht, obwohl es Warnungen gab", sagt Hamids Asylanwältin Katharina Camerer im Interview mit Frontal 21. Sie hat Strafanzeige gestellt.

Vier Tage nach ersten Symptomen untersucht

Es war am Freitag, 3. April, als Hamid erstmals über Symptome wie Fieber und Kopfschmerzen klagte. Er informierte die Leitung seiner Unterkunft. Ein Bereitschaftsarzt telefonierte mit ihm, kam aber nicht vorbei. Es dauerte vier Tage, bis Dienstag, 7. April, bis Hamid von einem Arzt untersucht wurde. Das Angebot, ihn in ein Krankenhaus zu bringen, habe er zu dem Zeitpunkt abgelehnt, teilte das Bayerische Innenministerium später mit.

Der Arzt machte einen Corona-Test und fuhr wieder. Weitere drei Tage später, am Karfreitag, 10. April, wurde Hamid auf die Intensivstation des Münchner Klinikums rechts der Isar gebracht, wo er 14 Tage später starb.

Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung

Nach Recherchen von Frontal 21 hat die Staatsanwaltschaft München jetzt ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Eine Sprecherin teilte mit, ihre Behörde ermittle gegen Unbekannt: "Die Anzeige richtet sich gegen eine Mehrzahl namentlich noch nicht bekannter Personen, darunter die Verantwortlichen der Regierung von Oberbayern als Träger der betroffenen Gemeinschaftsunterkunft, die Verantwortlichen des zuständigen Gesundheitsamts sowie mit dem Verstorbenen befasste Rettungsdienstmitarbeiter bzw. Ärzte."

Die für die Unterkunft verantwortliche Regierung von Oberbayern, das Münchner Gesundheitsamt und das Bayerische Innenministerium weisen die Vorwürfe zurück. "Die bayerischen Behörden haben rechtzeitig alle notwendigen Maßnahmen ergriffen", schrieb ein Sprecher von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auf Anfrage.

Immer wieder Corona-Ausbrüche in Asylunterkünften

In Asylunterkünften ist es in Deutschland in den vergangenen Monaten immer wieder zu Corona-Ausbrüchen gekommen. Sozialverbände und Flüchtlingsorganisationen fordern die Auflösung großer Unterkünfte und eine dezentrale Unterbringung.

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