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Was Corona für ein Flüchtlingslager bedeutet

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Ritsona unter Quarantäne - Was Corona für ein Flüchtlingslager bedeutet

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Seit zwei Wochen ist das Flüchtlingslager Ritsona in Griechenland unter Quarantäne. Schon unter normalen Bedingungen ist das Leben dort eine Herausforderung. Wie ist es jetzt?

Flüchtlingscamp Ritsona am 02.04.2020
Unter Quarantäne: Seit dem 3. April darf niemand mehr Ritsona betreten oder verlassen.
Quelle: picture alliance / AA

Wie ist die aktuelle Situation im Flüchtlingslager?

Ursprünglich sollten die etwa 2.700 bis 3.000 Bewohner von Ritsona für zwei Wochen unter Quarantäne stehen. Vor ein paar Tagen wurden bei einer zweiten Test-Runde aber neue Corona-Fälle in dem griechischen Flüchtlingslager registriert.

Die griechische Regierung wird die Quarantäne erst aufheben, wenn niemand mehr positiv getestet wird. Ein konkretes Enddatum nennt die Internationale Organisation für Migration, kurz IOM, als zuständige Agentur für Ritsona nicht.

Karte: Ritsona Flüchtlingscamp in Griechenland
Ritsona: Flüchtlingscamp auf dem griechischen Festland.
Quelle: ZDF

Warum wurde Ritsona unter Quarantäne gestellt?

Am 2. April hat eine Bewohnerin des Camps in einem Athener Krankenhaus ein Kind zur Welt gebracht. Sie wurde dort positiv auf das Coronavirus getestet. Bei ersten Tests in Ritsona wurden daraufhin 23 Fälle registriert, bei einer zweiten Runde vor ein paar Tagen hatten sieben weitere Menschen Corona.

Auf den griechischen Inseln ist die Situation noch angespannter als in Ritsona. Mehr zur Lage in den völlig überfüllten Lagern der Ägäis im Video:

Der Zustand in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln ist katastrophal. Die EU-Staaten haben sich bereit erklärt, 1.600 Minderjährige aufzunehmen.

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2 min
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Wie geht es den positiv Getesteten?

Keiner der 30 Infizierten zeige Symptome, teilt die IOM mit. Die Infizierten seien innerhalb des Camps isoliert.

Was macht die Quarantäne mit den Menschen in Ritsona?

"Es ist eine sehr schwierige Situation für die 3.000 Bewohner", sagt Valentina Giudizio, die in Ritsona als Projektkoordinatorin der Nichtregierungsorganisation Lighthouse Relief arbeitet. Im Video erklärt sie ZDFheute, warum das Flüchtlingslager ohnehin ein "angespanntes, herausforderndes und schwieriges Umfeld" darstellt - und wie Corona "zusätzlichen Stress" verursacht:

Das Leben in einem Flüchtlingslager ist auch ohne Corona stressig, sagt Valentina Giudizio. Jetzt sei die Situation für die Bewohner "eine echte Herausforderung".

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Wie hat sich der Alltag der Flüchtlinge verändert?

"Mit der vollständigen Abriegelung ist es für die Bewohner in Ritsona wirklich schwierig, sich mit Lebensmitteln und grundlegenden Gütern des täglichen Bedarfs einzudecken", sagt Giudizio. Die IOM stelle aber Lebensmittelkörbe und Hygiene-Kits zur Verfügung, um die Bewohner zu versorgen.

Engpässe bei der Versorgung mit lebenswichtigen Produkten sind allerdings nur das offensichtlichste Problem der Quarantäne. Mindestens genauso schwerwiegend sind die psychischen Folgen. Im Video macht Giudizio deutlich, wie verletzlich die ohnehin verwundbaren Bewohner des Lagers gerade sind:

Flüchtlinge sind gerade besonders verwundbar, sagt Valentina Giudizio - und fordert dazu auf, sich gerade jetzt für sie einzusetzen.

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Nichtregierungsorganisationen wie Lighthouse Relief bringen normalerweise Struktur in den Camp-Alltag. Lighthouse Relief unterhält in Ritsona einen kinderfreundlichen Raum und ein Jugendzentrum. Um Kindern so etwas wie eine Kindheit zu ermöglichen und Jugendlichen Ängste und Sorgen zu nehmen.

"Seit Mitte März haben wir unsere Arbeit im Camp eingestellt", sagt Giudizio, "um die Risiken für die Bewohner zu minimieren." Die tägliche Ablenkung, Gesellschaft von Gleichaltrigen und wichtige Ansprechpartner fallen für die Bewohner damit jedoch weg - auch wenn etwa Lighthouse Relief digital ansprechbar bleibt.

Welche Maßnahmen gibt es nun im Camp?

Die IOM bietet nach eigenen Angaben psychologische Unterstützung an.

Zudem entwickele man digitale Kommunikationskanäle für Menschen, die besonders dringend Unterstützung bräuchten. "Dolmetscher sind immer verfügbar, sowohl aus der Ferne als auch mit physischer Präsenz, wenn nötig", teilt die UN-Organisation mit. "Täglich sind durchschnittlich 20 Mitarbeiter im Lager anwesend."

Außerdem macht die IOM nach eigenen Angaben auf das Virus aufmerksam, indem sie "Anleitungen übersetzt und verbreitet und verschiedene Migrantengemeinschaften darüber informiert, wie sie sich schützen und das Infektionsrisiko senken können".

Funktioniert Social Distancing in einem Flüchtlingslager?

"Es ist sehr schwierig", sagt Giudizio. Die 3.000 Bewohner lebten in Wohneinheiten, die auf bis zu acht Bewohner ausgelegt seien. "Da ist es sehr schwierig, Abstand zu halten."

Der Autor auf Twitter: @waskevinsagt

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