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Großbritannien schickt Vernunft in Quarantäne

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Corona-Einreisebeschränkungen - Großbritannien schickt Vernunft in Quarantäne

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Das Treiben der britischen Regierung sei nur als "selbstisolierte Vernunft" zu beschreiben, kommentiert ZDF-Korrespondent Stamm die Einreisebeschränkung nach Großbritannien.

Kommentar: Andreas Stamm zu GB-Quarantäne
Selbst Wissenschaftler halten die Maßnahme der britischen Regierung für unnötig, erklärt ZDF-Korrespondent Andreas Stamm im Kommentar.
Quelle: ZDF/Reuters

Selbstisolierte Vernunft – anders ist das Treiben der britischen Regierung momentan nicht zu beschreiben. Und die Regelungen zur Quarantäne machen das überdeutlich. Überall in Europa sinken die Infektionsraten, alle reden von Lockerungen der Reisebeschränkungen, und handeln auch dementsprechend.

Und was tut Großbritannien? Es beschränkt zum ersten Mal die Einreisefreiheit. Ein Schritt, den viele Ländern zur ersten Hochzeit der Infektion machten.

Kritik an Einreisebeschränkungen kommt von allen Seiten

Man folge den wissenschaftlichen Erkenntnissen, heißt es bei jeder Kritik an der Maßnahme. Und man findet eigentlich kaum einen Bereich, aus dem es keine Kritik hagelt. Allen voran aus der Wirtschaft. Weil durch das wochenlange "Geeiere", ob und wann eine Pflicht zur Quarantäne eingeführt werde, sowieso schon niemand Reisen gebucht habe. Und wenn die Sommerurlaubssaison jetzt flöten geht, dann wird es richtig eng für viele Unternehmen.

Natürlich kritisiert zudem die Opposition - das gehört sich so. Aber eben auch Dutzende Abgeordnete aus der Regierungspartei, darunter etwa die ehemalige Regierungschefin Theresa May. Die sich eigentlich aus Respekt vor Nachfolger Johnson nie negativ äußert.

Quarantänepflicht in Großbritannien

Kritik an neuer Regel aus London -
Großbritannien-Reisende müssen in Quarantäne
 

Während viele Länder die Corona-Regeln wieder lockern, verschärft Großbritannien sie. Bei der Einreise gilt jetzt eine zweiwöchige Quarantänepflicht.

Selbst Wissenschaftler halten Quarantäne für nicht notwendig

Kritik kommt nicht zuletzt auch von der Polizei. Die erklärt, was da beschlossen wurde, könne sie gar nicht kontrollieren. Und das wissen die Menschen. Doch wirklich dumm ist, dass auch Wissenschaftler, die im Corona-Pandemie Beratergremium sitzen, erklären, sie halten die Quarantäne für nicht notwendig. Und wirklich befragt habe sie auch niemand.

Luftbrücken trotz Einreisebeschränkungen?

So viele Gegner für eine einzelne Maßnahme, das muss man erst mal schaffen. Und schon geht es los: Die nächste 180-Grad-Wende werde vorbereitet, titeln einige Zeitungen. Luftbrücken zu Ländern mit niedrigeren Infektionszahlen soll es geben. Also dann eigentlich zu fast allen.

Ironischerweise erklärt etwa die niederländische Regierung, dass Reisende aus Großbritannien (und Schweden) weiter nicht reingelassen werden. Wegen der Gesundheitsgefahr. Warum dann das Ganze mit der Quarantäne? Auf der Suche nach dem Sinn liest man jüngst in der "Times", es könnte um Populismus gehen. Denn eine Mehrheit der Briten findet eine Quarantäne gut.

Wer in den ärmeren Teilen Großbritanniens lebt und sich mit Corona infiziert, hat schlechtere Aussichten zu überleben, als in reicheren Teilen des Landes.

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Kehrt die politische Vernunft aus der Isolation zurück?

Wäre dem so, zeigen sich hier aber auch die Grenzen des Populismus – denn die Umfragewerte der Konservativen fallen. Die Hälfte der Befragten hält das Krisenmanagement der Regierung mittlerweile für unzureichend - eine klare Mehrheit gegenüber denen, die wirklich zufrieden mit der Arbeit der Regierung sind. Was vielleicht nicht an der Quarantäne liegt. Sondern daran, dass Boris Johnson von guter Arbeit seiner Regierung schwadroniert. Am Tag, als das Nationale Statistikbüro erstmals von mehr als 50.000 Corona-Toten ausgeht.

Vielleicht endet die Quarantäne - eine Maßnahme, die Leben retten soll, und in dieser Hinsicht ist die Leistung der Regierung Johnson bisher wahrlich dürftig - ja auch relativ schnell. Vielleicht kehrt dann die politische Vernunft wieder aus der Isolation zurück. Tja, man hofft eben bis zuletzt.

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