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Großbritannien in der Corona-Krise

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Tödliches Versagen - Großbritannien in der Corona-Krise

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Corona hat die Briten hart getroffen. Nirgends in Europa sind so viele Menschen gestorben, nirgends wird der wirtschaftliche Schaden so groß sein. Johnson ist in der Defensive.

Das Vereinigte Königreich ist eines der am härtesten getroffenen Länder der Welt, vermutlich 60.000 Menschen starben bisher an den Folgen einer Covid-19-Infektion.

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"Die Situation ist halt ein Albtraum, keiner hätte das viel besser geregelt." Selbst unter notorisch patriotischen Taxifahrern muss man momentan lange suchen, um jemanden wie Steve Sovereign zu finden. Die wenigsten Briten finden milde Worte, um das Krisenmanagement der britischen Regierung zu beschreiben.

Großbritannien hätte gewarnt sein können

Wie auch? Das Land hat siebenmal mehr Corona-Tote zu beklagen als Deutschland, das immerhin 17 Millionen mehr Einwohner hat. Großbritannien hätte durch die Ereignisse in China und Italien vorgewarnt sein können. Es beschäftigt 1,3 Millionen Menschen im Gesundheitssektor, es ist die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt, und doch sind vermutlich 63.000 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

Barman im Crabtree Pub in London.

Johnson kündigt Lockerungen an -
Englands Pubs dürfen wieder aufmachen
 

Pubs, Hotels und Kinos dürfen bald in England wieder öffnen. Premier Johnson will das Land aus seinem "langen Winterschlaf" wecken. Die Quarantäne-Pflicht bleibt aber erstmal.

Und nicht nur das, eine Pleite jagt die andere: Wochenlang wurde kaum getestet, in Krankenhäusern fehlten Schutzanzüge, Masken und Beatmungsgeräte und ein politischer Richtungswechsel folgt auf den nächsten.

Das einzige, was konstant ist: die Prahlerei des Premierministers mit Sätzen wie: "Wir werden das weltbeste Tracing-System haben" oder "Ich bin stolz auf das von uns Geleistete...", oder "Wir führen die Welt an in unserer Antwort auf Corona". Selbst konservativen Beobachtern gelingt es nicht, die vergangenen Monate schönzureden.

Ex-Konservativer: Johnson verspielt das Vertrauen

Matthew Parris, früher selbst Abgeordneter der Konservativen, heute Kolumnist der "Times" ist sich sicher, dass Boris Johnson die Konservativen nicht in die nächsten Wahlen führen wird. Die allerdings sind auch erst in vier Jahren. Wird Johnson so lange im Amt bleiben? Parris glaubt nein, die Tory-Fraktion werde ihn in einem Misstrauensvotum stürzen.

Die Frage ist nur: vor oder nach dem 31. Dezember, an dem der Brexit Realpolitik werden soll. "Die Bevölkerung verliert das Vertrauen und noch viel schneller verliert die konservative Fraktion das Vertrauen."

 

Sie haben Boris Johnson nicht gewählt, damit er sie durch eine Gesundheitskrise führt, sondern damit er den Brexit liefert. Und was sie gerade sehen müssen, gefällt ihnen gar nicht.
Matthew Parris, ehemaliger Abgeordneter der Konservativen

Die Aufgaben, die nun vor der Regierung liegen, sind enorm. Die Wirtschaftsleistung wird, so die optimistische Prognose, dieses Jahr um elf Prozent einbrechen. Wenn die Regierung im August aufhört, Kurzabeitergeld zu zahlen, wird das wahre Ausmaß der Jobverluste zutage treten. Und in der Bevölkerung gesellt sich zu der Trauer über verlorene Familienangehörige und Freunde immer häufiger blanke Wut.

Herzzerreißende Erfahrungen der Bevölkerung

Jo Goodman ist 32 Jahre alt und arbeitet für eine Hilfsorganisation. Jo hing sehr ihrem Vater. Das Bild davon, wie er bei ihrem letzten Besuch nach Luft rang, wird sie niemals vergessen. Der 72-Jährige ist Anfang April, zwei Wochen nach einem Termin im Krankenhaus, gestorben.

Großbritannien ist das am schwersten von der Coronavirus-Pandemie betroffene Land in Europa. Dort starben mehr als 42 600 Menschen, nachdem sie positiv auf das Virus getestet wurden. Die Kritik an Premierminister Boris Johnson hält an.

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"Er war einfach noch nicht bereit, zu gehen. Er war voller Leben", sagt seine Tochter. Für viele Angehörige von Menschen, die zu früh, oft allein und qualvoll gestorben sind, ist es mit den täglich geäußerten Beileidsbekundungen der Regierung nicht getan. "Wenn sie wenigstens eingestehen würden, dass sie Fehler gemacht haben", sagt Jo, "aber jetzt werden die Beschränkungen gelockert, obwohl viele Wissenschaftler sagen, wir sind noch gar nicht bereit dafür." Und weiter:

Wir wollen verhindern, dass andere Familien das durchmachen müssen, was wir durchgemacht haben.
Jo Goodman

Mehr als 1.000 Menschen haben sich Jo's Forderung nach einer öffentlichen Untersuchung des Corona-Krisenmanagements angeschlossen. Und zwar nicht erst, wenn alles lang vorbei ist. Sollte der öffentliche Druck nicht reichen, wollen sie die Regierung Johnson vor Gericht bringen.

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Das Treiben der britischen Regierung sei nur als "selbstisolierte Vernunft" zu beschreiben, kommentiert ZDF-Korrespondent Stamm die Einreisebeschränkung nach Großbritannien.

von Andreas Stamm, London

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