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Corona-Tests - Warum Gruppentests nicht immer sinnvoll sind

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Die Politik will mehr testen lassen. Corona-Gruppentests kommen bereits zum Einsatz. Doch das so genannte Pooling ist nicht immer sinnvoll.

Ein Abstrichstäbchen für einen Corona-Test. Symbolbild
Beim Pooling werden mehrere Abstriche in einem Röhrchen untersucht - doch das Verfahren macht nicht immer Sinn.
Quelle: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Testen, testen, testen. Das soll in Bayern bald für jeden möglich sein, auch ohne Symptome einer Coronavirus-Erkrankung. Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) kündigte am Samstag die Ausweitung der Tests an. In ausgewählten Fleischbetrieben soll es auch Reihen-Untersuchungen geben.

Noch mehr Corona-Tests, das will auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Die Frage ist nur: wie? Bei einem Individualtest wird eine Probe im Labor einzeln untersucht. Bei einem Gruppentest, dem so genannten Pooling, werden mehrere Proben auf einmal in einem Röhrchen untersucht. Eine Aussage zum Ergebnis - corona-positiv oder -negativ - kann dann zunächst nur für den gesamten Pool gemacht werden.

Das Problem beim Pooling: Bei einem positiven Test müssen alle Proben noch einmal einzeln untersucht werden, um herauszufinden, welche Proben corona-positiv sind. Das ist für Labore, im Gegensatz zum Individualtest, dann mit einem logistischen Mehraufwand verbunden.

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Pooling in saarländischen Seniorenheimen

Das Saarland setzt das Pooling-Verfahren bereits in Pflegeeinrichtungen ein, um Menschen ohne Symptome zu testen. Mitarbeiter und Bewohner von 157 Heimen sollen damit getestet werden. Bis zu 20 Proben können so auf einmal untersucht werden. Das Argument:

So gelingt es ressourcensparend die große Anzahl an Untersuchungen zu bewältigen.
Sigrun Smola, Direktorin Virologie Uniklinikum Homburg

Auch Amerikas führender Corona-Immunologe, Anthony Fauci, brachte Gruppentests in einem Interview mit der Washington Post ins Gespräch. Man könne so mit weniger Ressourcen mehr Menschen testen.

Doch Pool-Tests sollten kein Ersatz für Individualtests werden, findet die Geschäftsführerin der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM), Cornelia Wanke:

Pooling ist für uns aktuell keine Alternative, da es immer zu Gefahren der Verwässerung von positiven Tests kommen kann und das Verfahren auch sonst kritisch zu betrachten ist.
Cornelia Wanke, ALM

Auch Brian Rubin, Pathologie-Chef an der Cleveland Clinic, warnte vor einer verringerten Test-Empfindlichkeit durch Pooling. Je mehr Proben einem Pool hinzugefügt werden, desto verdünnter würden sie. Dadurch sei es für den Test schwieriger, virale RNA nachzuweisen, wenn die Probe einer Person im Pool sei, die das Virus hat.

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Laut ALM seien Gruppentests "nur im Falle nicht ausreichender Individualtestungen" vetretbar. Der Verband glaubt auch nicht, dass Pooling einen Kostenvorteil bringen würde, also billiger sein könnte.

Gruppen- oder Einzeltests in Bayern?

Ob Bayern bei der Test-Offensive Pooling einsetzt, ist noch nicht klar. Die Proben der Fleischbetriebe werden am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) untersucht. Dort heißt es: "Das LGL wendet derzeit kein Pooling-Verfahren an", so eine Sprecherin gegenüber ZDFheute. "Wenn wir aber merken, dass das notwendig wird, weil es etwa ein hohes Probenaufkommen gibt, können wir umstellen."

Sind die Labore aber überhaupt auf einen möglichen Ansturm vorbereitet? Laut ALM-Geschäftsführerin Wanke wurden in der vergangenen Woche fast 335.000 Corona-Tests gemacht. Die Testkapazitäten pro Woche lägen dagegen bei über 910.000.

Auf eine zweite Welle sind wir auch gut vorbereitet. Seit Februar haben wir unsere Kapazitäten kontinuierlich ausgebaut.
Cornelia Wanke, ALM

Fazit: Pool-Tests könnten zwar Laborkapazitäten und Zeit sparen. Sie machen aber wenig Sinn, wenn eine Gruppe corona-spezifische Symptome zeigt oder es sich gar um einen Corona-Hotspot handelt, wie etwa die Schlachthof-Mitarbeiter bei Tönnies im Kreis Gütersloh. Außerdem befürchten Experten Verwässerungen bei positiven Gruppentests.

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