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Neue Landlust durch Trend zum Homeoffice?

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Immobilienexperten sehen Wandel - Neue Landlust durch Trend zum Homeoffice?

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Seit der Corona-Krise prägt das Homeoffice den Arbeitsalltag - und auch nach der Krise dürfte die Heimarbeit andauern. Experten sehen darin eine Chance für die Wohnungsmärkte.

In der Corona-Krise ist die Arbeit aus dem Homeoffice verbreiteter geworden.
Homeoffice und Onlinekonferenzen dürften auch nach der Corona-Krise die Arbeitswelt prägen.
Quelle: dpa/Lisa Ducret

Der Trend zum Homeoffice kann Immobilienexperten zufolge die Wohnungsmärkte in Großstädten entlasten und eine Chance für das Umland sein. Wer nur zwei Mal die Woche ins Büro kommen müsse, könne auch weitere Wege zum Pendeln in Kauf nehmen, sagt Michael Voigtländer, Immobilienexperte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Mit dem Arbeiten von Zuhause könnte ein größerer Umkreis um die Metropolen attraktiv werden.
Michael Voigtländer, IW

Das Homeoffice sei daher auch eine Chance für ländliche Regionen. Die Menschen bräuchten dort aber eine gute Infrastruktur mit Schulen, Kitas, schnellem Internet und auch etwas Kulturangebot. Die Ballungsräume blieben zwar attraktiv, da Dienstleistungsjobs in den Städten entstünden und Hochqualifizierte anzögen. "Das Einzugsgebiet der Metropolen könnte sich aber erweitern." In der Folge könnten sich die Preisanstiege bei Immobilien in Großstädten verlangsamen.

Umfrage: Firmen setzen mehr auf Homeoffice

Das Homeoffice dürfte auch nach der Corona-Krise die Arbeitswelt prägen. 73 Prozent der Firmen, die in der Pandemie verstärkt auf das Arbeiten von zu Hause setzen, planen künftig mehr davon anzubieten, wie eine Umfrage des Münchner Ifo-Instituts unter knapp 800 Personalleitern ergab.

Millionen von Arbeitnehmern arbeiten wegen Corona von zu Hause aus. Eine Studie der Krankenkasse DAK zeigt, Homeoffice heißt weniger Stress heißt und erhöht die Produktivität.

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Eine dauerhafte Zunahme des Homeoffice könnte die Wohnungsnachfrage verändern, analysierte jüngst auch der Immobilienspezialist JLL. Bei einer großen Wohnkostenbelastung in der Stadt und einem hohem Preisgefälle zum Umland würden angrenzende Regionen attraktiver.

Homeoffice hängt auch von Branchenstruktur ab

Wo sich die Wohnungsnachfrage um Städte besonders ausdehne, hängt laut JLL neben dem Preisgefälle und der Verkehrsanbindung auch von der Branchenstruktur ab: Bürojobs lassen sich leicht im Homeoffice erledigen, während in der Produktion Anwesenheit erforderlich bleibt.

Aufgrund hoher Immobilienpreise und hoher Mieten zieht es seit vielen Jahren Menschen zum Wohnen hinaus aufs Land. In Coronazeiten stellt sich dies als großer Vorteil heraus.

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Angesichts des hohen Anteils an Büro- und Dienstleistungsjobs gebe es viel Potenzial für eine Verschiebung der Wohnungsnachfrage in München, Köln, Düsseldorf, Frankfurt und Darmstadt. Auch regionale Oberzentren wie Münster, Jena und Dresden hätten gute Bedingungen.

Sparmöglichkeiten für Unternehmen

Durchschnittlich leisteten sozialversicherungspflichtige Beschäftigte 2018 erst rund elf Prozent ihrer Arbeitszeit im Homeoffice, errechnete das IW. Doch Arbeitgeber und Beschäftigten hätten nun gemerkt, dass es relativ gut funktioniere, sagte Experte Voigtländer.

Das Homeoffice hat sich finanziell für viele Arbeitgeber bewährt, denn Büro-Raum ist oft teuer.

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Zudem biete Homeoffice Sparmöglichkeiten. Große Konzerne haben das Potenzial schon erkannt: Siemens hat es zum weltweiten Standard gemacht, dass gut 140.000 Mitarbeiter an zwei bis drei Tagen pro Woche mobil arbeiten können. Und Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing sagte bei der Hauptversammlung, man müsse sich fragen, ob man den Beschäftigten nicht mehr Flexibilität gebe, um von zu Hause zu arbeiten, wenn sie das wollen - und ob die Bank noch so viel Büroraum in teuren Metropolen brauche.

Arbeiten im Büro - ein Auslaufmodell?

Denn feste Arbeitsplätze im Büro sind teuer, wie die DZ Bank jüngst errechnete. Demnach kostete 2019 ein Quadratmeter Bürofläche in den sieben größten Städten Deutschlands zwischen 18 und 25 Euro Monatsmiete inklusive Nebenkosten. Bei im Schnitt 30 Quadratmetern für einen Beschäftigten würden für einen Arbeitsplatz damit jährlich 6.500 bis 9.000 Euro fällig. Für Spitzenlagen in Berlin, Frankfurt oder München sind es demnach sogar mehr als 15.000 Euro.

Obendrein stehen Büros oft leer - an Wochenenden, aber auch wegen Urlaub, Krankheit, Dienstreisen, Homeoffice-Tagen und Teilzeitverträgen.

"Kontakt im Büro stiftet Identifikation mit der Firma"

Dennoch habe für Firmen das Homeoffice nicht nur Vorteile. "Der persönliche Kontakt im Büro stiftet Gemeinsinn und Identifikation mit der Firma", so Voigtländer. Zudem könne nicht jeder gut zu Hause arbeiten, und neue Mitarbeiter bräuchten die Einarbeitung vor Ort. Firmen müssten für Kosten des Homeoffice aufkommen - steuerlich ist der Abzug bisher nur in engen Grenzen möglich.

Wahrscheinlich werden wir nicht alle für immer zu Hause arbeiten [...] Aber es dürfte eine neue Balance zwischen Arbeiten und Wohnen geben.
Michael Voigtländer, IW

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