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Corona und Arbeiten zu Hause - Rechte und Pflichten im Homeoffice

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Der starke Anstieg der Corona-Zahlen führt vermehrt wieder zu Arbeiten in der eigenen Wohnung. Die Regierung erwägt das Homeoffice neu zu regeln. Welche Regelungen gelten aktuell?

Eine Frau im Homeoffice. Symbolbild
Auch für das Arbeiten im Homeoffice gibt es Regeln.
Quelle: Sebastian Gollnow/dpa

Viele Beschäftigte sind seit der Corona-Pandemie im Homeoffice. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will das Recht auf mobile Arbeit nun auch gesetzlich verankern - trotz Gegenwind aus der Koalition. Aber wie sehen die arbeitsrechtlichen Grundlagen von Homeoffice derzeit überhaupt aus? ZDFheute klärt die wichtigsten Fragen mit Rechtsanwalt Sebastian Agster:

Sebastian Agster: Das ist grundsätzlich nur möglich, wenn eine arbeitsvertragliche Regelung zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer besteht. Ist im Betrieb ein Betriebsrat vorhanden, kann man das über eine Betriebsvereinbarung regeln. Wenn nicht, dann muss es individualvertraglich vereinbart werden. Wenn der Chef allerdings glaubt, dass der Beschäftigte an Corona erkrankt sei, darf er ihn zum Schutz des Betroffenen und der restlichen Belegschaft zur Genesung nach Hause schicken. In diesem besonderen Fall kann der Vorgesetzte allerdings auch keine Arbeit aus dem Homeoffice erwarten.

ZDFheute: Kann ich mir als Arbeitnehmer hingegen das Recht auf Homeoffice einfordern?

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Agster: Der Arbeitnehmer kann sich grundsätzlich das Recht nicht einfordern - auch hier muss eine vertragliche Regelung zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer stattfinden. Viele Arbeitsverträge sehen eine sogenannte Schriftformklausel vor: Das heißt, es muss auch schriftlich miteinander erfolgen. Aber ich kann jedem Arbeitnehmer raten, das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen. Da sollte sich eine Lösung ergeben.

Durch die Corona-Krise scheint das Homeoffice auch in den Betrieben und Unternehmen angekommen zu sein, die sich das vor der Pandemie schlicht nicht hätten vorstellen können. Das Ifo-Zentrum für Industrieökonomik und neue Technologien hat herausgefunden, dass etwa 56 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland prinzipiell einen Zugang zu Homeoffice haben. Weniger als die Hälfte dieses Potenzials wurde laut Ifo vor der Covid-19-Pandemie ausgeschöpft.

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Agster: Grundsätzlich gelten beim Arbeiten im Homeoffice dieselben Regeln wie beim Arbeiten im Büro. Das heißt, das Arbeitszeitgesetz findet Anwendung, der Arbeitnehmer muss seine Arbeitszeiten einhalten, das greift auch exakt auf die Pausenregelungen, das heißt halbe Stunde beziehungsweise 45 Minuten Pause. Und die Arbeitszeiten sollten maximal acht Stunden sein. Arbeitnehmer, die von zu Hause arbeiten, müssen nicht außerhalb der vorgesehenen Arbeitszeiten erreichbar sein. Auch wenn Beschäftigte zu Hause arbeiten, sind Chefs dazu verpflichtet, für die Arbeitssicherheit ihrer Mitarbeiter zu sorgen.

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Agster: Hier streitet sich die Literatur extrem: Weil man ja unterscheiden muss zwischen Homeoffice und Telearbeit. Bei der Telearbeit per se arbeitet man von zu Hause, hat dort einen eigenen Raum. Und dieser Raum muss natürlich gesundheitsrechtlich ordnungsgemäß sein. Das heißt, die Belichtung muss in Ordnung sein. Es müssen ergonomische Möbel, heißt: Es muss ein ergonomischer Stuhl vorhanden sein und es muss auch die Größe vom Raum dahingehend angepasst werden. Das kann natürlich vom Arbeitgeber nur dann überprüft werden, wenn es eine Regelung gibt, die dem Arbeitgeber auch erlaubt, diesen Raum zu betreten, um das aus arbeitstechnischer Sicht zu überprüfen.

Im Homeoffice, wenn Sie nach Hause gehen und lediglich Ihr Notebook mitnehmen, ist das erstens nur schwer überprüfbar, weil der Arbeitgeber grundsätzlich kein Recht hat, Sie zu Hause zu überprüfen. Und zweitens nutzen Sie auch nur Ihr Notebook. Daher ist das aktuell sehr im Streit. Arbeitgeber können ihren Mitarbeitern eine Checkliste zum Einrichten eines sicheren und gesundheitsfördernden Arbeitsplatzes an die Hand geben.

ZDFheute: Was ist, wenn ein Unfall zu Hause passiert?

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Agster: Grundsätzlich greift natürlich, wenn es ein Arbeitsunfall ist, die gesetzliche Krankenversicherung, bedeutet, die Berufsgenossenschaft springt ein. Die greift aber nur dann, wenn es sich um einen Arbeitsunfall handelt. Das bedeutet, wenn Sie beispielsweise zum Telefon oder Drucker gehen und dort passiert irgendwas, dann greift die gesetzliche Krankenversicherung. Wenn Sie aber beispielsweise in die Küche gehen, um sich einen Kaffee zu holen, dann wurde bereits entschieden, dass das privat ist und kein Arbeitsunfall, wodurch die gesetzliche Krankenversicherung nicht einspringt. Das ist anders, wenn Sie im Büro sind, wenn Sie dort zum Kaffeeautomaten gehen und sich einen Kaffee holen, dann greift die gesetzliche Krankenversicherung.

So viel steht fest: Im Homeoffice ist die Abgrenzung zwischen dienstlicher und privater Tätigkeit häufig schwer zu treffen. In einem älteren Urteil des Bundessozialgerichts wurde klargestellt, dass die der privaten Wohnung innewohnenden Risiken nicht der Arbeitgeber, sondern der Versicherte selbst zu verantworten hat.


Die Corona-Pandemie offenbart aber auch viele Grauzonen. Nicht immer ist sofort erkennbar, ob der Beschäftigte krank ist oder nicht, wie beispielsweise die verordnete Quarantäne durch Gesundheitsbehörden oder Landesregierungen zeigen.

ZDFheute: Was ist, wenn der Mitarbeiter von den Behörden in häusliche Quarantäne geschickt wird?

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Agster: Wenn die zuständige Behörde Sie in Quarantäne schickt, sind Sie grundsätzlich nicht verpflichtet, zu arbeiten. Einzige Ausnahme liegt dann vor, wenn eine vertragliche Regelung im Blick auf Homeoffice besteht. Dann haben Sie grundsätzlich die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten und auch die vertragliche Vorschrift, das heißt, wenn Sie in Quarantäne sind und nicht krank sind, dann müssen Sie auch Ihrer Arbeitspflicht nachkommen.

Ist ein Arbeitnehmer also arbeitsunfähig erkrankt, muss er also auch nicht im Homeoffice arbeiten. Befindet er sich allerdings nur zum Schutz vor (möglicher) Ansteckung in Isolation, muss er hingegen arbeiten.


Abschließend geht das Ifo-Zentrum davon aus, dass der "pandemiebedingte Homeoffice-Boom" aller Voraussicht nach "nachhaltige Auswirkungen auf die Organisation von Arbeit haben" wird. Die Experten gehen davon aus, dass sich sowohl in Betrieben als auch bei Arbeitnehmern eine hybride Arbeitsform durchsetzen wird.

In vielen Bundesländern enden die Herbstferien, damit kommen auch bei Eltern, Lehrern und Kindern neue Fragen auf: Wie schützt man sich am besten im Corona-Schuljahr?

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