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Homeschooling wird im nächsten Jahr bleiben

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Bildungsforscherin Sliwka - Homeschooling wird im nächsten Jahr bleiben

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Lehrkräfte werden in Zukunft mehr auf digitale Hilfsmittel zurückgreifen, erklärt Bildungsforscherin Sliwka. Wichtig sei dabei der anhaltende Kontakt zwischen Schülern und Lehrern.

Eine Frau schaut am 20.03.2020 in Hamburg zwei Kindern bei den Schulaufgaben zu.
Homeschooling in Hamburg
Quelle: dpa

Nach den Sommerferien sollen alle wieder in die Schule kommen, so will es die Politik. Die Bildungsforscherin Anne Sliwka von der Universität Heidelberg sagt, es werde aber kein normales Schuljahr werden.

ZDFheute: Worauf wird es nach den Sommerferien ankommen?

Sliwka: Man muss fokussieren, vor allem bei Kindern im Grundschulalter, auf Mathematik und auf Deutsch und da wirklich genau schauen, sind die Kinder da gut vorbereitet. Denn das sind die Bereiche, in denen - wenn man dort abgehängt wird - es sehr, sehr schwer ist, das noch mal aufzuholen später.

ZDFheute: Sind denn viele Kinder abgehängt worden in den vergangenen Monaten?

Sliwka: Wir wissen, dass bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche auf der Strecke bleiben. Ganz wichtig ist daher, dass diese Kinder und Jugendlichen im nächsten Schuljahr einen festen Ansprechpartner an der Schule haben.

Das heißt, wenn es wieder zum digitalen Unterricht kommt, dann muss es eine Lehrperson geben, die immer den Kontakt hält zu den Kindern und Jugendlichen, auch zu den Eltern und die immer weiß, wie ist die Lebens- und Lernsituation in dieser Familie. Und dann eben entsprechend auch das weitergeben kann an das Kollegium in der Schule, damit die Schule darauf reagieren kann.

"Eigentlich sind unsere Kinder eher im Ferienmodus", erzählt Familie Lehnert. Wie der Unterricht weitergehen wird, ist unklar. Doch klar ist: Familien fordern mehr Unterstützung von der Politik.

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3 min
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Mehr Feedback, weniger Noten

ZDFheute: Ist die Zukunft eine Kombination aus Lernen in der Schule und Zuhause?

Sliwka: Ja, das ist das Zukunftsmodell. Das bedeutet nicht, dass die Kinder Zuhause lernen werden auf Dauer. Das ist jetzt der Fall wegen Corona, aber was bleibt von dieser Zeit wird tatsächlich das "blended learning" sein in dem Sinne, dass Lehrkräfte die digitalen Möglichkeiten viel stärker nutzen werden, um Kindern und Jugendlichen Erklärvideos oder Arbeitsmaterialien zur Verfügung zu stellen - und auch in Kommunikation sein werden mit einzelnen Schülerinnen und Schülern über diese Präsenz in der Schule hinaus.

Ich glaube, das wird uns erhalten bleiben. Aber natürlich werden die Kinder wieder regulär irgendwann in den Schulen sein. Es ist ja auch eine soziale Situation, die enorm wichtig ist für das gute Aufwachsen.

Mütter tragen die Hauptlast von Homeschooling, das hat eine Studie der Universität Koblenz-Landau ergeben. Auch das Feedback der Lehrer an die Schüler sei ausbaufähig.

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2 min
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ZDFheute: Was hat Schule denn aus der Corona-Zeit Positives mitgenommen?

Sliwka: Dass Feedback enorm an Bedeutung gewinnt und das ist auch eine große Chance jetzt für das Bildungssystem, denn wir könnten jetzt diesen Wandel vollziehen, der Ziffernote etwas weniger Gewicht zu geben und dem formativen Feedback, also dem verbalen Feedback, etwas mehr Gewicht zu geben.

Das haben wir ja jetzt in der digitalen Lernsituation schon gemerkt, das war für die Lehrkräfte gar nicht mehr so einfach, einfach eine schlechte Note zurückzumelden, denn was hilft die schlechte Note?

Also der Schüler, die Schülerin sitzt alleine vor dem PC und bekommt eine schlechte Note und soll sich jetzt motivieren weiter zu lernen? Das funktioniert so nicht, also um Lernen anzuleiten braucht man Feedback und zwar konstruktives Feedback, das auch Freude macht weiter zu lernen, weiter zu arbeiten.

Schule muss auch Wohlbefinden sein

ZDFheute: Was erwarten Sie jetzt von den Schulen?

Sliwka: Die Schule muss vorbereitet sein, also es muss besser aufeinander abgestimmt sein, wie das Präsenzlernen in der Schule vor Ort und wie das "blended learning", also das Online-Learning zu Hause, wie das zusammenwirkt. Das darf nicht mehr so dem Zufall überlassen sein oder der Spontanität der Situation geschuldet sein, sondern das muss geplant werden, wie das zusammen passt. Das ist jetzt ganz wichtig.

Wir brauchen auch Angebote im Bereich Wohlbefinden, weil viele Kinder und Jugendliche sind auch belastet durch die Situation.
Bildungsforscherin Anne Sliwka

Bei den älteren Jugendlichen kommt ja auch möglicherweise Zukunftsangst dazu: Wie sieht‘s eigentlich um den Arbeitsmarkt aus?

Das Interview führte Meike Srowig.

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