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Gefangen in Gütersloh

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Zwischen Wut und Verzweiflung - Gefangen in Gütersloh

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Gefangen in Gütersloh fühlen sich viele. Gerade mit Blick auf die Sommerferien sieht man hier schwarz. Die Menschen schwanken zwischen Wut und Verzweiflung - ein Stimmungsbild.

Infektionsforscher Michael Meyer-Hermann über die Gefahr, dass sich das Virus über den Kreis Gütersloh weiter verbreitet.

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Mit Blick auf die Sommerferien, die am Freitag in NRW beginnen, herrscht große Ungewissheit im Kreis Gütersloh. Nach Bayern und Mecklenburg-Vorpommern hat jetzt auch Niedersachsen ein Beherbergungsverbot für Gäste aus der Region ausgesprochen.

Gütersloher bangen nicht nur um ihren Urlaub. Sie befürchten auch Ausgrenzung und Anfeindungen.

Laschet verhängte begrenzten Lockdown

Einen Tag ist es nun her, dass Ministerpräsident Armin Laschet den "begrenzten Lockdown" über den Kreis Gütersloh verhängt hat. Knapp 2.000 bestätigte Covid-19 Fälle sind es mittlerweile im Kreis Gütersloh. Davon 1.228. aktive Infektionen. Nach wie vor können die Bürger einkaufen oder mit dem Partner spazieren gehen.

In der Corona-Krise offenbart NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sein Talent, gesellschaftliche Debatten anzustoßen. Aber Laschets Lockerungskurs ist riskant. Ob er richtig ist, zeigt sich erst am Ende der Krise – für sein Land und für Laschet selbst.

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Im Umland haben viele einen Garten. "Das hilft", so eine Anwohnerin. Nach den bundesweiten Lockerungen im Mai war die Hoffnung groß auf etwas mehr Normalität. Urlaube wurden gebucht. Diese müssen nun aber teilweise storniert werden.

Urlaub ungewiss

Silke Marks aus Gütersloh hat gebucht und sorgt sich um ihren Urlaub. Geplant waren für dieses Jahr eigentlich drei Wochen USA. Das wurde im März dann gecancelt. Nach den Lockerungen und den niedrigen Infektionszahlen beschloss die Familie eine Woche in Rømø in Dänemark zu buchen. Im Anschluss drei Tage Hamburg.

Das steht jetzt alles in den Sternen. Die Familie würde sich gern vorsorglich auf Covid-19 testen lassen, doch das Testzentrum in Gütersloh habe keine Kapazitäten mehr. Ebenso der Hausarzt der Familie Marks.

Gütersloherin: Corona nagt an den Nerven

Nicht nur Urlaube stehen auf der Kippe. Eine Gütersloherin wurde auf Norderney der Insel verwiesen – trotz negativem Testergebnis und Arbeitsvertrag.

Bianca Küper sagt:

Corona nagt an den Nerven und viele Menschen brauchen Auszeiten für die Seele. Hier fällt das aber gerade weg. Schlimmer noch, wir werden sogar dafür angegangen.
Bianca Küper aus Gütersloh

Sie wollte in den Sommerferien eigentlich zu ihrer Familie ins Bergische Land. Nachdem sie hörte, dass Autos mit Gütersloher Kennzeichen angezündet würden, Scheiben eingeschlagen und Menschen angegangen würden, bleibe sie lieber zuhause, sagt sie.

Und berichtet von einer früheren Arbeitskollegin, die gestern in Köln mit Steinen beworfen worden sein soll - weil sie aus Gütersloh kommt.

Warten wir mal ab, wann ich meine Eltern und Geschwister wieder sehen kann, ohne befürchten zu müssen, diskriminiert oder angegangen zu werden
Bianca Küper aus Gütersloh

Sie betreibt einen Onlinehandel. Kunden schicken Ware zurück mit der Begründung: "Sie kommen aus Gütersloh!"

In einer Schlachtfabrik der Firma Tönnies kam es zu einem Corona-Ausbruch. Reisenden aus dem Kreis Gütersloh wird nun der Urlaub verwehrt.

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Konsequenzen befürchtet auch Christoph aus Rheda. Bereits vor dem "Lockdown" habe er gehofft endlich wieder nach Shanghai fliegen zu können, wo er seit 2017 promoviert. Es fühle sich fast so an, als ob man auf einer einsamen Insel leben würde, sagt er und befürchtet jetzt noch länger in der Heimat festzusitzen - ohne soziale Kontakte.

Mittlerweile bin ich schon über vier Monate in Deutschland und es gibt keine Aussicht, wann es weitergeht. Auch wenn ich von hieraus arbeiten kann, bringt es meinen Zeitplan für meine Doktorarbeit schon ziemlich durcheinander.
Christoph aus Rheda, Student

Tönnies-Werkvertragsarbeiter unterversorgt

Die Stimmung ist angespannt, die Bürger sind sauer. Tönnies habe keine Maßnahmen ergriffen, so ein Wiedenbrücker. Die Bevölkerung zeigt sich aber auch im Netz entsetzt über die Versorgung der Menschen in Quarantäne. Diese seien teilweise mangelhaft versorgt.

Zwei Teams der Feuerwehr Rheda-Wiedenbrück mussten am Dienstag ausrücken, um Werkvertragsarbeitnehmer der Firma Tönnies mit Lebensmitteln zu versorgen. Der kurzfristige Einsatz sei nötig geworden, da sonst 50 Haushalte im Ortsteil Rheda unversorgt zu bleiben drohten.

Neben Wasser stattete die Feuerwehr die Bewohner mit Brot, Käse, Eiern und Kartoffeln aus. Einige der Arbeiter hätten laut Feuerwehr Rheda-Wiedenbrück sogar Tränen in den Augen gehabt.

Wut bei Tönnies-Mitarbeitern

Eine Tönnies-Mitarbeiterin macht ihrer Wut im Netz Luft. Sie wettert aber nicht, wie viele, gegen ihren Arbeitgeber, sondern gegen die Menschen vor Ort:

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Alles nicht mehr nachvollziehbar

Viel Unmut herrscht in der Gütersloher Bevölkerung. Einige protestierten bereits vor dem Tönnies-Werk. Sie sind besorgt. Die Stimmung in Schulen und Kitas sei ebenfalls sehr angespannt. Bei ständig wechselnden Regelungen fehle der Überblick, berichtet eine Wiedenbrücker Erzieherin. Der Sohn einer Frau aus Herzebrock war erst einmal in der Schule. Dann war Schluss.

Der"begrenzte Lockdown" im Kreis Gütersloh und Warendorf gilt vorerst bis 30. Juni. Dann soll über eine mögliche Verlängerung entschieden werden.

Julia Güth schreibt für das ZDF-Hauptstadtstudio Berlin.

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