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Corona in Syrien - Wenn Krieg und Pandemie zusammentreffen

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Das Coronavirus hat das Flüchtlingslager Idlib erreicht. Dort war die Lage schon vorher katastrophal. Wie soll ein vom Bürgerkrieg gebeuteltes Land nun eine Pandemie bekämpfen?

Über eine Million Flüchtlinge leben in der Provinz Idlib. Die meisten in Lagern. Vor kurzem erst hat die Corona-Pandemie auch Syrien erreicht.

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In den Flüchtlingslagern von Idlib hatten sie gehofft, dass sie das Virus verschonen würde. Doch Anfang Juli wurde ein syrischer Arzt in der Provinz Idlib positiv auf Corona getestet. Seitdem ist zu den vielen Gefahren für die Flüchtlinge in den überfüllten Lagern im nordsyrischen Bürgerkriegsgebiet eine weitere hinzugekommen.

"Diese Infektionen sind die Zündschnur an einer Bombe, die jederzeit explodieren kann", meint der Arzt, Hassan Alali, von der Hilfsorganisation "Weißhelme", "und sollte das passieren, wäre das eine Katastrophe. Unser Gesundheitssystem ist schwach. Einen großen Ausbruch könnten wir nicht beherrschen."

Viele Menschen, wenig Tests

Bislang wurden 29 Corona-Infektionen in den Flüchtlingslagern entdeckt (Stand: 26.7.2020), insgesamt 3.377 Tests wurden durchgeführt. In einer Region, in der bis zu drei Millionen Menschen leben sollen, ist das nicht viel. Doch in Idlib gibt es nur ein einziges Testgerät, das als Spende aus dem Ausland Anfang April dort eintraf. Nun geht es darum zu verhindern, dass sich das Virus in den Lagern ausbreitet. Unter erschwerten Bedingungen.

Die "Weißhelme" sind eine Zivilschutzorganisation, die nur im Rebellengebiet, in der sogenannten "befreiten Zone" im Norden Syriens arbeitet. Für das Regime von Präsident Baschar al-Assad und dessen Verbündeten Russland sind sie keine Hilfsorganisation, sondern Unterstützer der oppositionellen Milizen. Entsprechend werden sogar Krankenhäuser bei den Luftangriffen nicht verschont, und das Regime versucht, alle Nachschubwege der Rebellen abzuschneiden. Darunter leiden auch die Flüchtlinge in den Lagern.

Baschar al-Assad hat die Macht in Syrien von seinem Vater übernommen. Der Westen hegte lange Hoffnungen in den in London ausgebildeten Augenarzt. Doch dann überzog er sein Land mit Bürgerkrieg, der für Millionen Menschen Flucht und Tod bedeutet.

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Hilfsgüter kommen nicht an

Abdulrazzak Awad ist der Logistik-Chef der Hilfsorganisation "Violet" und organisiert Hilfslieferungen über die syrisch-türkische Grenze nach Idlib. "Die UN haben zugestimmt, den Grenzübergang in Kilis zu schließen und nur den Übergang in Barb-al-Hawa offenzulassen", berichtet Awad. "Schon vorher hat das, was UN und Welternährungsprogramm geschickt haben, nicht mal ein Viertel unseres Bedarfs gedeckt. Wie soll das jetzt mit nur noch einem einzigen Grenzübergang funktionieren?"

Der letzte für Hilfsgüterlieferungen verbliebene Grenzübergang ist ein Nadelöhr, dass das Assad-Regime nun besser kontrollieren kann. Die Sperrungen der Grenzgebiete und der Ausbruch der Corona-Epidemie in der Region machen den Flüchtlingen das Leben zur Hölle.

Arbeiten trotz Ansteckungsgefahr

Hamado Ebin hält seine achtköpfige Familie mit Müllsammeln über Wasser. Im Morgengrauen zieht er los, sammelt in den Lagern Altmetall und Plastik und verkauft es für rund einen Euro Tagesverdienst weiter. "Ich habe ihm gesagt, er soll nicht rausgehen, damit er sich und uns nicht mit dem Virus ansteckt", sagt seine Frau Halima, "aber er hört einfach nicht. Alle anderen gehen zur Arbeit. Die Leute aus der Nachbarschaft gehen Müll sammeln. Also geht er auch."

Die Preise seien hoch, beklagt sich Halima, und jetzt auch noch die geschlossenen Grenzen:

Das kann nicht funktionieren. Ich hoffe, Gott wird uns helfen, und er öffnet die Grenzen wieder. Wenn nicht, werden wir hier alle sterben.
Halima Ebin, Bewohnerin Flüchtlingslager Idlib
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von Kevin Schubert

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