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"maybrit illner" - Woopen warnt vor "Etikettierung" bei Demos

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Medizinethikerin Christiane Woopen will Hygiene-Demonstranten nicht generell abgestempelt sehen. Den "Missbrauch mit Angst" sieht sie in der ZDF-Sendung "maybrit illner" kritisch.

Ethikrätin Christiane Woopen fordert bei "maybrit illner", Corona-Demonstranten nicht "abzustempeln"
Woopen bei "maybrit illner": Demonstranten nicht als Verrückte abtun.
Quelle: ZDF/Svea Pietschmann

Die Vorsitzende des Europäischen Ethikrates, Christiane Woopen, hat davor gewarnt, die Teilnehmer so genannter Hygiene-Demonstrationen und ähnlicher Veranstaltungen pauschal als "Verrückte" abzutun.

"Ich glaube, wir sollten sehr aufmerksam sein, was da gerade für ein Missbrauch mit Angst und Sorge und existenzieller Not stattfindet", sagte Woopen in der ZDF-Sendung "maybrit illner".

Abwägungen transparent machen

In der Corona-Krise sei vielen Menschen der Boden unter den Füßen weggezogen worden, so Woopen weiter.

Insofern müssen wir da jetzt mal hinhören, das ernst nehmen, Not abwenden und da sein und nicht überall schon wieder Etiketten drauf kleben.
Christine Woopen, Ethikrätin

Es gäbe "eine durchaus relevante Gruppe" Menschen, die die Lockerungen als nicht weitgehend genug empfänden. Andere wiederum wünschten sich weniger Lockerungen. Politische Entscheidungen sollten deshalb gut erklärt und Abwägungen transparent gemacht werden.

Palmer: Risikogruppen schützen, auch in Eigenverantwortung

Der wegen seiner Äußerungen zum Schutz älterer Menschen vor Ansteckung mit dem Corona-Virus in die Kritik geratene Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) schlug einen Strategiewechsel im Kampf gegen die Pandemie vor.

Statt auf der Senkung der Zahl der Infizierten solle das Schwergewicht jetzt darauf liegen, schwere Krankheitsverläufe durch Schutz der Risikogruppen zu vermeiden. Dies könne auch "in Eigenverantwortung" geschehen.

Hans: Deutschland hatte nie echte Ausgangssperren

Für Tobias Hans, Ministerpräsident des Saarlands, gehört das Recht zu demonstrieren zum Rechtsstaat und zur Demokratie dazu. Laut dem CDU-Politiker wäre es falsch, Jugendlichen vorzuwerfen, sie würden sich nicht an Regeln halten, denn viele von ihnen wollen das Risiko für ihre Angehörigen mindern.

"Wir haben nie echte Ausgangssperren wie in Frankreich gehabt", betonte Hans. Dennoch könnte die eine oder andere Maßnahme zu hart gewesen sein. Aber:

Lieber früh harte Maßnahmen als zu spät hastige Maßnahmen.
Tobias Hans, Ministerpräsident des Saarlands

Er forderte darüber hinaus, dass die Politik besser kommunizieren müsste.

Meyer-Hermann: Leere Betten weisen auf richtige Maßnahmen

Michael Meyer-Hermann, Leiter der Abteilung Systemimmunologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, erklärte, dass "die Betten in deutschen Kliniken leer sind, ist ein Zeichen dafür, dass die Maßnahmen richtig waren".

Jedoch wisse man derzeit noch nicht, welche Maßnahmen die richtigen waren.

Ich sehe ein großes Risiko in den Schulöffnungen, weil die jungen Menschen Multispreader sind.
Michael Meyer-Hermann, Immunologe

Der Leiter der Abteilung Systemimmunologie klärte auch einen Irrtum auf: Laut aktuellen Studien hätten die Menschen, die an Corona gestorben sind, noch mindestens neun Jahre Lebenszeit vor sich gehabt.

"maybrit illner“ mit dem Thema "Pandemie und Protest – kann Corona das Land spalten?" vom 14. Mai 2020.

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1 min
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Der Wissenschaftler fügte hinzu, dass wenn die Lockerungen zum 20. April nicht gekommen wären, "wir jetzt so geringe Fallzahlen hätten, dass wir ganz aufmachen könnten".

Streitende Wissenschaftler sind wichtig

"Spiegel"-Kolumnist und Journalist, Nikolaus Blome, warnte vor einer "Massenbewegung wie 2015". Der Journalist gab zu bedenken, dass vor allem die Demonstranten von den Maßnahmen betroffen seien.

Seiner Ansicht nach müsse man jetzt den Leuten den Raum geben, sonst "werden sie die Maßnahmen, die noch wirksam sind, nicht mehr befolgen". Dass Wissenschaftler sich streiten, ist für Blome eine wichtige Voraussetzung, "damit es voran geht". Jedoch hätten viele Menschen die Erwartung, dass sie "mit einer Stimme sprechen".

Diesen Regionen droht erneut der Lockdown

Obergrenze überschritten -
Wie die Situation in Ihrer Region aussieht
 

Ob Corona-Maßnahmen gelockert oder verschärft werden, hängt auch von der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz ab. Eine Karte zeigt, ob die Obergrenze in Ihrer Region eingehalten wird.

von Simon Haas
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