ZDFheute

Ethikrat lehnt Immunitätsausweis ab

Sie sind hier:

Leben mit Coronavirus - Ethikrat lehnt Immunitätsausweis ab

Datum:

Der Ethikrat hat sich gegen die Einführung eines Corona-Immunitätsausweises ausgesprochen. Grund: Noch ist die Immunität nach Covid-19-Erkrankungen nicht zweifelsfrei nachweisbar.

Demonstration gegen Coronaschutz-Maßnahmen in Dortmund
Demonstration gegen Coronaschutz-Maßnahmen in Dortmund.
Quelle: dpa

Sollte es eines Tages eine verlässliche Impfung gegen Covid-19 geben, ist die Debatte überflüssig. Doch noch gibt es diese nicht. Und bis dahin könnte eine Bescheinigung über eine überstandene Covid-19-Infektion den Genesenen wieder viel Freiheit geben. Klingt verlockend, doch so einfach ist es nicht. Deswegen hat sich der Deutsche Ethikrat gegen eine solchen Art Ausweis ausgesprochen.

Wissenschaft weiß noch zu wenig über Covid-19

Denn derzeit, sagt der Ethikrat, spricht der "aktuelle-medizinische Sachstand" dagegen, dass der Staat eine Immunitätsbescheinigung einführt. Covid-19 ist erst seit Ende 2019 bekannt, wissenschaftliche Studien liegen vor. Aber noch weiß man wenig, wie lange eine solche Immunität zum Beispiel andauert. Monate, Jahre? Oder ob Genesen wirklich nicht mehr ansteckend sind. Der Ethikrat meint:

Zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht abschließend geklärt, ob bzw in welchem Umfang nach überstandener Infektion mit SARS-CoV-2 Immunität ausgebildet wird.
Stellungnahme des Ethikrates

Das muss aber nicht so bleiben. Angesichts der sich ständig verändernden Erkenntnisse in Sachen Covid-19, sei das momentan wie "einen Pudding an die Wand zu nageln", sagt Ethikratsvorsitzende Alena Buyx. Sollte es eines Tages die Immunität nach überstandener Erkrankung geben, dann könnte es wieder anders aussehen. Doch ob das Gremium aus Medizinern, Juristen, Theologen, Philosophen dann einen staatlichen Ausweis befürworten würde, ist umstritten. Die Hälfte ist dafür, die andere dagegen.

Der Deutsche Ethikrat ist uneins in der Frage, ob man einen Immunitätsausweis empfehlen möchte oder nicht. Die Vorsitzende des Rats, Alena Buyx, erklärt die Patt-Situation.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Pro: Wieder mehr Freiheitsrechte

Zwölf Ratsmitglieder sind der Meinung, dass ein solcher Ausweis "eine Reihe von Chancen" bietet. Nämlich, dass Rechtseinschränkungen zurückgenommen werden könnten. Sie müssten sogar "so schnell und so weit wie möglich" aufgehoben, um die Verhältnismäßigkeit der Grundrechtseinschränkungen zu wahren, sagt Medizinethiker Carl Friedrich Gethmann. Ein Restrisiko bleibe zwar.

Ein Null-Risiko ist ein Phantasma, das es in keinem Lebensbereich gibt.
Medizinethiker Carl Friedrich Gethmann

Uneingeschränkt würden aber auch diese Wissenschaftler den Ausweis nicht ausgeben, um eventuelle Corona-Partys zur Ansteckung zu vermeiden. Er sollten nur an bestimmte Personen ausgegeben werden: In Altenheime, an Beschäftigte in Heil- und Pflegeberufen, Polizei und Feuerwehr etwa. Außerdem sollte er nur befristet gelten.

Sollen Bürger, die eine Corona-Infektion überstanden haben, künftig einen Immunitätsausweis erhalten? Dieser Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wird derzeit heftig diskutiert.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Contra: Völlig kontraproduktiv

Selbst wenn sich Immunität nachweisen lässt, bleiben zwölf Wissenschaftler des Ethikrates "skeptischer" und "deutlich zurückhaltender", wie Ethikprofessorin Judith Simon sagt. Sie sehen vor allem ethische und praktische Gründe gegen den Ausweis. Es bestehe die Gefahr einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. Außerdem so Simon:

Es ist abwegig, dass ein Ausweis relevant zur Erholung der Wirtschaft beitragen kann.
Ethikprofessorin Judith Simon

Corona-Partys könnten zudem der jetzigen Strategie - Abstand halten, Maske tragen - widersprechen.

Eine Ausnahme schlagen die Wissenschaftler aber vor: Um besonders vulnerable Gruppen, also Ältere, Risikogruppen, Menschen mit Betreuungsbedarf, besser zu versorgen, sei ein solcher Ausweis vorstellbar. Allerdings: "Den gleichen Zweck kann man schon jetzt durch einen aktuellen PCR-Test erreichen", sagt Simon. Das Infektionsschutzgesetz lasse zu, einen negativen Corona-Test zur Vorschrift für Seelsorger oder für Beschäftigte in Pflegeberufen zu machen.

Ein Modell eines Körpers mit Organen.

Nachrichten | Panorama -
So kann Corona dem Körper schaden
 

Diese direkten und indirekten Schäden kann das Virus anrichten

Ethikrat fordert mehr Regulierung von Antikörpertests

Ob ein Ausweis je kommt, ist also völlig offen. Bis dahin hat der Ethikrat aber trotzdem konkrete Forderungen an die Politik. Die Bevölkerung müsse über die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung besser und umfassender informiert und die Forschung besser koordiniert werden.

Außerdem solle der Staat die freizugänglichen Antikörpertests stärker regulieren. Es gleiche "fast Scharlatanerie", so Buyx, was es da auf dem Markt gebe. Antikörpertests, die nicht verlässlich sind und die Menschen in vermeintlicher Sicherheit wiegen etwa. "Das hat Gefährdungspotenzial."

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte den Ethikrat im Mai beauftragt, die Einführung eines Immunitätsausweises zu prüfen. Er war damals für einen solchen Ausweis und wollte ihn gesetzlich verankern. Vor allem im Gesundheitswesen versprach er sich für Genesene mehr Freiheiten. Nach Protesten vom Koalitionspartner SPD zog Spahn die Einführung wieder zurück.

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Pflegerin auf einer Intensivstation bereitet sich vor

Infektionen, Schwerkranke, Tote -
Wie die Corona-Zahlen steigen
 

Fast 15.000 Neuinfektionen an einem Tag. Mehr als 10.000 Corona-Tote seit Pandemie-Beginn. Doppelt so viele …

Check-in-Schalter im Terminal 1 des neuen Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER).

Eröffnung des BER -
Von Euphorie keine Spur
 

Für Kleinunternehmer war die Hängepartie am BER ein jahrelanger Kampf um ihre Existenz, nicht alle haben …

von Carsten Behrendt und Sherin Al-Khannak
Videolänge:
2 min
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.