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Der Corona-Impfstoff: Eine Frage der Ethik

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Nationale Impfstrategie - Der Corona-Impfstoff: Eine Frage der Ethik

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In der kommenden Woche soll ein Modell für eine Impfstrategie vorgelegt werden. Darin steckt auch die Antwort auf eine ethisch heikle Frage: Wer kommt zuerst dran, wer zuletzt?

Ein Mitarbeiter arbeitet am 12.03.2020 an einem Impfstoff gegen das Coronavirus.
Auch wenn es noch keinen Corona-Impfstoff gibt, planen Expert*innen schon die Verteilung.
Quelle: Reuters

Laut Weltgesundheitsorganisation werden aktuell 42 mögliche Impfstoffkandidaten getestet. Obwohl noch nicht klar ist, wann und wie viele davon in den kommenden Monaten auf den Weltmarkt kommen, planen Experten bereits die Verteilung der Impfstoffe. Ein heikles Thema.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat bereits in einer ersten Stellungnahme ein Hauptziel deutlich gemacht: möglichst viele Schwersterkrankungen und Todesfälle verhindern. Im Fokus stehen daher die Bevölkerungsgruppen mit den höchsten Risiken.

Menschenmasse in Piktogrammen - in der Mitte eine Spritze.

Nachrichten | Politik -
Corona: Wen zuerst impfen?
 

Doch wer genau zählt zu den Bevölkerungsgruppen mit den höchsten Risiken? Ältere, schwerkranke Menschen? Oder das medizinische Personal, was durch den direkten Kontakt mit Infizierten Covid-19-Patienten besonders gefährdert ist?

Einteilung der Gesellschaft in Gruppen – dann in eine Rangordnung

Dazu hat der Ethikprofessor und Präsident der Akademie für Ethik in der Medizin Georg Marckmann eine klare Meinung:

Ich finde, man sollte beim Gesundheitspersonal anfangen. Als zweites würde ich diejenigen impfen, die ein Risiko für schwerwiegende Verläufe haben und drittens diejenigen, die in sozial bzw. gesellschaftlich wichtigen Berufen arbeiten.
Georg Marckmann, Ethikprofessor

Dabei sollte nach Einschätzung des Ethikprofessors auch der gesamtgesellschaftliche Kontext nicht außer Acht gelassen werden:

Ich finde es relativ naheliegend, dass man die Impfung so zuteilt, dass möglichst viel Schaden durch Covid-19 verhindert wird. Nicht nur gesundheitlicher, sondern auch gesellschaftlicher Schaden.
Georg Marckmann, Ethikprofessor

"Das könnte die übergeordnete Zielsetzung eines Impfplanes sein." Darum geht es auch in einem internationalen Modellvorschlag mit dem Namen "Fair Priority", der in vielen Punkten allerdings von bereits kommunizierten Ideen abweicht.

Corona-Impfstoff: Droht eine Zweiklassen-Gesellschaft?

Noch gibt es keinen klar definierten Katalog, nachdem künftig geimpft werden soll. Fakt ist aber, dass besonders zu Beginn der Impf-Offensive nicht genügend Dosen zur Verfügung stehen werden. Droht damit eine Zweiklassengesellschaft, wenn die Bevölkerung anhand von bestimmten Parametern in geimpft und ungeimpft unterteilt wird?

Georg Marckmann
Georg Marckmann
Quelle: Yves Krier

"Das lässt sich erstmal nicht vermeiden. Wir haben eine Knappheit, die unvermeidlich zu einer Benachteiligung bestimmter Bevölkerungsgruppen führt. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass hier nur die Reihenfolge der Impfung priorisiert wird, d.h. niemand wird vollständig ausgeschlossen", so Marckmann.

Indem priorisiert werde, könne laut dem Ethikprofessor zumindest aber erreicht werden, dass weniger Menschen sterben.

Ein Bild erklärt, was genau in den vier Phasen der Impfstoffentwicklung passiert
Das sind die vier Phasen der Impfstoffentwicklung.

Impfstoff gegen Corona - eine logistische Herausforderung

Auch die logistische Verteilung des Impfstoffes wird eine große Herausforderung. Denn ein weiterer Aspekt einer Corona-Impfstrategie ist laut Stiko die Funktionsfähigkeit der Gesundheitszentren. Wo sollen all die Menschen künftig geimpft werden? Schon jetzt ist von Impfzentren die Rede.

"Ich glaube, wenn man das dezentral durch die niedergelassenen Ärzte machen würde, wäre das kaum zu handhaben", sagt Marckmann.

Arzt- und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht im Gespräch

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7 min
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Immer wieder war in der Vergangenheit von einem Immunitätsausweis die Rede. Der Ethikrat lehnt diesen zum jetzigen Zeitpunkt ab. Auch Marckmann hat seine Zweifel:

Wir können keine sicheren Aussagen über die Immunität gegen das Coronavirus machen. Wenn jemand Antikörper hat, wissen wir nicht sicher, ob und wie lange diese Person dann tatsächlich immun ist.
Georg Marckmann, Ethikprofessor

Von einer gesetzlichen Impfpflicht hält Marckmann ebenfalls nicht viel. "Es besteht immer die Gefahr, dass das nach hinten losgeht, dass das eher noch mehr Impfgegner mobilisiert."

Er setzt, wie so viele andere Experten auch, auf die Freiwilligkeit der Menschen, die ja tagtäglich mitbekämen, welchen Schaden Covid-19 gesundheitlich und gesellschaftlich anrichten kann.

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