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Verlängerung der Ausgangssperre - Indiens schwieriger Kampf gegen Corona

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In Indien steigt die Corona-Fallzahl rasant. Indiens Regierung hat deshalb die Ausgangssperre verlängert - und trotzdem jetzt für die Wirtschaft Beschränkungen gelockert.

Geschlossene Läden am 22.04.2020 in Srinagar (Indien)
Indien hat die Ausgangssperren verlängert.
Quelle: picture alliance/ZUMA Press

"Freunde, es ist beschlossen worden, die Ausgangssperre bis zum 3. Mai zu verlängern." Dieser freundlich klingenden Botschaft setzte der indische Premierminister Modi gleich noch eine Unterstützung an die sozial Schwächsten im Land hinterher: "Tagelöhner gehören auch zu meiner Familie. Ihre Probleme sind meine oberste Priorität."

Menschen sitzen massenhaft in Slums fest

Indiens Wirtschaft lebt von Millionen unorganisierten Arbeitern, die in Fabriken, Baustellen, Haushalten und in der Landwirtschaft tätig sind. Viele wohnen fernab ihrer Familien in Massenunterkünften oder in den Slums der großen Städte.

Einer von ihnen ist der 24-jährige Mohammad Abid, der in einer Plastikfabrik zwanzig Kilometer außerhalb von Delhi arbeitete. Untergebracht war er in einer Behausung nahe der Fabrik, aber als er leichtes Fieber bekam, wurde er rausgeschmissen.

Indiens Polizei greift hart durch

"Eigentlich wollte ich zu meinen Eltern nach Uttar Pradesh zurückkehren, aber wegen der Ausgangssperre ging das nicht. Die Polizei hat mich dann auf der Straße aufgegriffen und in diese Massenunterkunft gesteckt."

Momentan geht es Mohammad Abid dort ganz gut, denn alle Insassen werden mit Essen versorgt. "Klar ist es schwierig, mit so vielen Menschen zusammen zu sein. Die Angst vor einer Ansteckung ist immer da."

Doch genauso groß ist die Angst vor der ungewissen Zukunft: ob und wann er wieder einen Job bekommt, wo und wovon er erstmal bis zum Ende der Ausgangssperre leben und überleben kann.

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Hygienestandards sind kaum umsetzbar

Abstandhalten und regelmäßiges Händewaschen ist für viele Menschen in Indien unmöglich. Sie leben auf engstem Raum, zusammengepfercht in einem Zimmer, einer Hütte. Fließend Wasser: Fehlanzeige. Desinfektionsmittel: Luxusgut.

Innerhalb weniger Stunden sollten sie sich auf eine mehrwöchige Ausgangssperre vorbereiten. Womit? Sparguthaben und gefüllte Vorratsschränke existieren in ihrer Welt nicht. Die einzige soziale Absicherung, die sie besitzen, ist im Notfall ihre Familie abseits der Millionenstädte.

Die politischen Maßnahmen wirken konfus

Der indische Oppositionspolitiker und ehemalige Außenminister Salman Kurshid erklärt dem ZDF:

Die Bilder der Tausenden von Tagelöhnern, verzweifelnd versuchend einer ungewissen Situation zu entfliehen, machen jede Logik einer Ausgangssperre zunichte.

Doch für viele in diesem Land ist es nicht nur ein Überlebenskampf gegen, sondern auch wegen des Virus.

Der wirtschaftliche Stillstand verstärkt noch die Not

Von dieser Woche an dürfen deshalb bestimmte Betriebe, vor allem in Produktion und Landwirtschaft, wieder öffnen. Damit soll zumindest einem kleinen Teil der Arbeiter die Möglichkeit gegeben werden, Geld zu verdienen.

Indien: Die Corona-Krise in Zahlen

Doch die Grenzen zwischen den verschiedenen Bundesstaaten bleiben weiterhin zu. Wer den Weg nach Hause bisher nicht geschafft hat, bleibt der Gefahr in den Slums und Massenunterkünften ausgesetzt. So wie im größten Slum Mumbais: "Schauen Sie doch nur auf Dharavi, das ist eine tickende Zeitbombe. Die Ärmsten trifft es so oder so," ist Salman Kurshids ernüchterndes Fazit.

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