ZDFheute

Sind unsere Innenstädte noch zu retten?

Sie sind hier:

Stadtplaner zur City von morgen - Sind unsere Innenstädte noch zu retten?

Datum:

Corona hat die Strukturprobleme der Innenstädte verschärft. Um Citys wieder attraktiv zu machen, müssen vor allem Immobilienbesitzer umdenken, sagt Stadtplaner Thomas Krüger.

Archiv: Ein Mann geht an einem leerstehenden Geschäft vorbei
Wie kann den Innenstädten neues Leben eingehaucht werden?
Quelle: dpa

ZDFheute: Branchenkenner rechnen mit vielen Pleiten im Handel – gerade in den Innenstädten. Alles nur wegen Corona?

Thomas Krüger: Die Probleme im stationären Einzelhandel durch die Online-Konkurrenz zeichnen sich schon länger ab. Corona hat dies nur beschleunigt. Wir sehen eine große Marktbereinigung, und viele Geschäfte werden dies nicht überstehen.

ZDFheute: Und das quer durch alle Branchen?

Krüger: Auf der einen Seite gibt es den Juwelier, dem es blendend geht, und den Lebensmittelbereich, dem es gut geht. Auf der anderen Seite kleine Modegeschäfte und die Gastronomie, bei denen es katastrophal läuft. Vor allem sind es aber die kleinen Einzelgeschäfte in den Innenstädten und Stadtteilzentren, bei denen es in naher Zukunft brutal werden dürfte.

ZDFheute: Was bleibt, sind die großen Filialisten?

Krüger: Die sind bislang zumindest einigermaßen gut durch die Krise gekommen, vor allem wegen ihrer Online-Shops. Da schlägt jetzt das große strukturelle Problem durch, das schon vor Corona begonnen hat: Wenn ich vom Sofa aus einkaufen kann, warum soll ich dann noch in die City? Ein großer Teil von dem Umsatz, der jetzt noch zusätzlich in den Onlinehandel abgewandert ist, wird nicht wiederkommen. Und der wegbrechende Handel ist ja nicht das einzige Problem der Innenstädte.

ZDFheute: Sondern?

Krüger: Die Entwicklung bei den Büroflächen. Die Menschen werden vermehrt mobil arbeiten, zu Hause oder in Coworking Spaces in den Stadtteilen und Quartieren. Wer nicht mehr nine to five in der City arbeitet, bricht auch als täglicher Kunde in den Innenstädten weg.

Archiv: Passanten gehen an einem leerstehenden Geschäft vorbei

Corona beschleunigt Verödung -
Innenstädte: Konzepte mit Zukunft gesucht
 

Wie geht es weiter mit Corona, wie danach? Für Deutschlands Innenstädte dürfte die Pandemie ein markanter Wendepunkt sein. Vielerorts schmiedet man Pläne für die City von morgen.

von Christian Thomann-Busse

ZDFheute: Haben Einzelhandel und auch Kommunen die fortschreitende Verödung der Innenstädte verschlafen?

Krüger: Vieles ließ sich nicht verhindern. Wir haben eine Industrialisierung des Handels gesehen - mit weltweitem Wareneinkauf, optimierten Standort- und Logistikstrukturen, bundesweitem Marketing und einer flexiblen Personalwirtschaft. So haben sich die Filialisten durchgesetzt, die Mietpreise getrieben, immer mehr Einzelgeschäfte und regionale Ketten verdrängt. Das ist der Markt. Aber nun ändern sich wieder die Regeln, und deshalb werden sich auch Innenstädte ändern müssen.

ZDFheute: In welcher Hinsicht?

Krüger: In vielerlei Hinsicht. Wenn Innenstädte in Zukunft attraktiv bleiben oder werden möchten, dann müssen sie mehr Vielfalt und Qualität, am besten Einzigartigkeit bieten. Im Handel, in der Gastronomie und auch im kulturellen Bereich.

ZDFheute: Das ist leicht gesagt, aber lässt es sich einfach so verordnen?

Krüger: Dazu müssen alle Beteiligten miteinander reden. Dazu gehört eine ganz wichtige Gruppe: die Immobilieneigentümer. Die werden in Zukunft schlicht und einfach umdenken und sich von der Politik des höchsten Mietpreises verabschieden müssen. Das ist die Basis dafür, dass neuer Wind in der City weht, weil wieder neue Angebote hinzukommen.

ZDFheute: Wieso sollten Vermieter freiwillig auf maximale Mieten verzichten?

Krüger: Sie werden nicht anders können. Wenn große Filialisten 30 Prozent und mehr ihres Umsatzes online machen, können sie auch auf wenigstens ein Drittel Verkaufsfläche verzichten. Da werden viele Flächen frei - ebenso bei den Büroflächen. Zu Höchstpreisen wird es kaum neue Mieter geben. Wer Leerstand und einen entsprechenden Imageverlust der Innenstadt vermeiden möchte, wird mit bis zu 30 Prozent Mieteinbußen leben müssen.

ZDFheute: An welche Zeiträume denken Sie da?

Krüger: Jetzt planen, wo man in drei oder fünf Jahren stehen möchte. Das lässt sich nicht aussitzen.

Das Interview führte Christian Thomann-Busse.

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Corona-Fälle in Berlin (Symbolbild)

Aktuelle Lage und die Ursachen -
Warum und wo Berlin Corona-Hotspot ist
 

Im Schnitt 26,4 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner: In keinem Bundesland infizieren sich derzeit so viele …

von Dominik Rzepka und Kevin Schubert
Virologe Hendrik Streeck im blauen Pulli. Weißer Schriftzug "Schärfere Corona-Regeln?"

Virologe Streeck zu Maßnahmen -
"Ich hätte mir mehr gewünscht"
 

Kein großer Wurf: Der Virologe Hendrik Streeck sieht in den neuen Corona-Maßnahmen nur einen …

Videolänge:
15 min
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.