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Innenstädte: Konzepte mit Zukunft gesucht

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Corona beschleunigt Verödung - Innenstädte: Konzepte mit Zukunft gesucht

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Wie geht es weiter mit Corona, wie danach? Für Deutschlands Innenstädte dürfte die Pandemie ein markanter Wendepunkt sein. Vielerorts schmiedet man Pläne für die City von morgen.

Archiv: Passanten gehen an einem leerstehenden Geschäft vorbei
Corona beschleunigt das Sterben der Innenstädte. Viele Kommunen versuchen, dagegen zu steuern.
Quelle: dpa

50.000 Standortschließungen im Einzelhandel hatten Branchenexperten vor Corona einkalkuliert. Und jetzt als direkte Folge der Pandemie noch mal 50.000 oben drauf. "Einfach addieren lassen sich die Zahlen wahrscheinlich nicht, aber es werden viele", sagt Andreas Hertel, Sprecher beim Handelsverband Deutschland (HDE).

Einzelhandel: "Lage ist sehr bedrohlich"

450.000 Standorte zählt der HDE derzeit in ganz Deutschland. Besonders gebeutelt sind vor allem mittelgroße Städte. "In Kleinstädten wird noch viel für den täglichen Bedarf eingekauft. Aus mittelgroßen Kommunen aber fährt man in die Großzentren." Und dann ist da ja auch noch der boomende Onlinehandel.

Archiv: Ein Mann geht an einem leerstehenden Geschäft vorbei

Stadtplaner zur City von morgen -
Sind unsere Innenstädte noch zu retten?
 

Corona hat die Strukturprobleme der Innenstädte verschärft. Um Citys wieder attraktiv zu machen, müssen vor allem Immobilienbesitzer umdenken, sagt Stadtplaner Thomas Krüger.

Mit Corona hat es neben der Gastronomie vor allem Bekleidungsläden erwischt - auch in den großen, guten Lagen. Ein Minusberg, den man auch nicht aufholen könne. "Und wenn Bekleidungsgeschäfte in Schieflage und Bedrängnis sind, wird meist auch der Rest in die Enge getrieben", so Hertel: "Aktuell ist die Lage sehr bedrohlich."

Suche nach Konzept mit Zukunft

Droht Innenstädten nach dem Einerlei der Großfilialisten nun die fortschreitende Verödung? "Ohne pulsierende City haben wir ein Problem in der gesamten Stadtentwicklung", sagt Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange. Seit Jahren gebe es in Flensburg (knapp 100.000 Einwohner) eine enge Kooperation von Stadt und Geschäftsleuten, um die City attraktiv zu erhalten. Mit Corona sei ein Punkt erreicht, "an dem wir jetzt nichts mehr dem Zufall überlassen dürfen".

Ohne pulsierende City haben wir ein Problem in der gesamten Stadtentwicklung.
Simone Lange, Flensburgs Oberbürgermeisterin

Verlierer der Pandemie: die Stadt Emden in Ostfriesland

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Ein Innenstadtprogramm soll die insgesamt 3,7 Kilometer Fußgängerzone fit für die Zukunft machen. Kern der Planungen ist ein neues Innenstadtmanagement, das Händlergemeinschaften, Verwaltung, Stadtplanung und auch Vermieter an einen Tisch holt. "In einem halben Jahr möchte ich ein Konzept sehen, das zukunftsfähig ist", so die Oberbürgermeisterin.

Bocholt lockt mit Gutscheinen

City-Entwicklung - ebenfalls seit Jahren ein großes Thema in der Stadt Bocholt. "Wir haben gemeinsam mit den Händlern und weiteren Stakeholdern das Flächenmanagement-Konzept 2.0 entwickelt", so Lisa Hebing von der Wirtschafts- und Stadtmarketinggesellschaft Bocholt. Jetzt in der Corona-Krise ist die Stadt im Westmünsterland einen besonderen Weg der Wirtschaftsförderung gegangen: Mit rund einer Million Euro unterstützt die Kommune den Bocholt Gutschein, um in der Krise den lokalen Handel zu stärken. Bürger können mit diesem Gutschein in teilnehmenden Geschäften 25 Prozent Rabatt auf bis zu 200 Euro Warenwert erhalten.

Oberzentren wie Dortmund (knapp 600.000 Einwohner) spüren den Wandel in der City ebenfalls seit Jahren. Dirk Rutenhofer, Vorstandsvorsitzender vom Cityring Dortmund Initiativkreis attraktive Innenstadt, sagt:

Wir sehen, wie sich Innenstädte rasant verändern.
Dirk Rutenhofer, Cityring Dortmund

Bürokratische Hürden

Generell sei vieles denkbar – auch die Orientierung hin zu mehr Wohnraum in der City. "Auch fantastische Ideen scheitern aber oft an der Umsetzbarkeit", so Rutenhofer. So gebe es in Dortmund bereits jetzt viele leer stehende Flächen in den Etagen über den Geschäften, die tolle Wohnungen wären. "Aber alleine aus Brandschutzgründen ist es ohne größere Investitionen nicht möglich, dies umzusetzen." Ohne ein entsprechendes Engagement der Vermieter ginge es nicht.

Ein Engagement, das sich der Handelsverband dringend wünscht - von allen Akteuren.

Wenn man eine Innenstadt erst einmal verloren hat, wird es extrem schwer.
Andreas Hertel, HDE-Sprecher

Um dies zu verhindern, strebt der HDE nun ein Leerstandskataster für ganz Deutschland an.

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