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Wie das Coronavirus Afghanistan überrollt

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Aus dem Iran importiert - Wie das Coronavirus Afghanistan überrollt

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Über Herat nahe der Grenze zum Iran kommen Tausende Afghanen zurück in ihre Heimat. Zurück aus einem Land, in dem sich das Coronavirus lange ungehindert ausbreiten konnte.

Herat
Die afghanische Stadt Herat liegt in der Nähe des Iran.
Quelle: jalil rezayee/epa-efe/shutterstock

Am Grenzübergang Islam Qala stehen die Männer in langen Schlangen, sie haben eine Reise in vollgepferchten Bussen hinter sich - manche sind seit vielen Jahren zum ersten Mal wieder in Afghanistan. Sie alle kommen aus dem Iran, einem der globalen Epizentren der Krise.

Corona-Tests sind kaum gemacht worden

Seitdem die Wirtschaft immer weiter zusammenbricht, ist für die afghanischen Gastarbeiter kein Platz mehr. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration kehrten alleine zwischen dem 8. und 21. März 115.000 Afghanen aus dem Iran zurück. Nur wenige wurden getestet und in Quarantäne genommen.

Mohammed Sharif ist gerade angekommen und schildert ZDFheute seine Erlebnisse: "Die Iraner bringen 300 bis 400 Menschen zusammen und transportieren sie in Bussen zum Grenzübergang  Islam Qala. Wenn nur einer der Menschen den Coronavirus hat, steckt er alle anderen an." Und:

Jeder weiß, das Virus kommt jeden Tag über diese Grenze.

Kaum zuverlässige Zahlen zu Corona unter den Iran-Rückkehrern

Wie viele der Rückkehrer tatsächlich infiziert sind, das weiß niemand genau. Es gibt wenig zuverlässige Zahlen, denn es gibt nicht ausreichend Tests. Inzwischen gilt die Provinz Herat an der Grenze zum Iran als das neue Epizentrum. Die Behörden sind mit dem täglichen Andrang von Rückkehrern aus dem Iran überfordert.

Das Grenzgebiet zwischen Afghanistan und dem Iran

"Die Weltgesundheitsorganisation rät, wegen des Virus solle zwischen 1,5  bis zwei Meter Abstand zwischen Menschen gelten. Doch die iranische Regierung steckt 40 bis 45 Leute zusammen in einen Bus, um sie zurückzuführen. Das macht uns große Sorgen", sagt Bismella Mohammadi, der als Arzt an der Grenze im Einsatz ist.

Afghanistans Gesundheitssystem liegt am Boden

Obwohl in den vergangenen 20 Jahren Milliarden an Hilfsgeldern für den Aufbau nach Afghanistan geflossen sind, liegt das Gesundheitssystem am Boden. Es gibt weder ausreichend Handschuhe noch Schutzmasken oder Fieberthermometer.

Meistens fehlt es selbst an Wasser und Seife, um sich die Hände zu waschen. Allenfalls gute Ratschläge können die Ärzte den Eingereisten geben: die Warnung, sich nicht in großen Menschenmengen aufzuhalten.

Im Video: Harald Lesch über die Todesrate - und was uns die Zahlen sagen

Wie wahrscheinlich ist es, dass ich die Krankheit nicht überlebe? Woher kommen die sehr unterschiedlichen Zahlen in Deutschland und Italien?

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Inzwischen hat Präsident Ashraf Ghani eine landesweite Ausgangssperre verhängt. Doch noch in der vergangenen Woche versammelten sich in Herat Männer in den Moscheen zum Freitagsgebet, auf den Märkten in Kabul drängten sich die Menschen beim Einkauf.

Wie viele Afghanen sich infiziert haben, ist unklar

"Viele Leute sind so arm, dass sie nicht genug zu essen haben. Wie sollen sie sich an Ausgangssperren halten?", sagt Amir Baryal, Journalist aus Mazar i Sharif. "Ich habe auch Angst, dass das alles nicht mehr unter Kontrolle zu bringen ist, das wäre eine Katastrophe für Afghanistan."

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums ist die Zahl der nachgewiesenen Infektionen auf 665 gestiegen, doch wegen der mangelnden Möglichkeit zu testen, sind die Zahlen wenig aussagekräftig. Es sind die Zustände im Land, die darauf hindeuten, dass sich das Virus rasant schnell weiter ausbreiten könnte.

Im Video: In Österreich lockert stufenweise die Corona-Maßnahmen

Läden mit weniger als 400 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie die Bau- und Gartenmärkte dürfen wieder öffnen.

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Die Taliban machen ihre eigene Gesundheitspolitik

So setzen die Taliban trotz der Friedensvereinbarung, die Ende Februar mit den USA geschlossen wurde, ihre Angriffe fort, auch nachdem die Regierung weitere Kämpfer aus Gefängnissen entlassen hatte. Angesichts der dramatischen Entwicklung reagieren die Aufständischen mit eigenen Gesundheitsinitiativen, nutzen ihre Social-Media-Kanäle für Aufklärungskampagnen.

Internationale Hilfsorganisationen wie Human Rights Watch fordern, alle Seiten in Afghanistan müssten angesichts des gemeinsamen Feindes Corona jetzt zusammenarbeiten mit dem Ziel, eine weitere Verbreitung des Virus zu stoppen. Ansonsten stehe das Land mit seinen knapp 37 Millionen Einwohnern vor einer Katastrophe.

Mitarbeit: Nesar Fayzi, Kabul 

Ein Computermodell des Coronavirus

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