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Irans Kampf gegen Corona und Sanktionen

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Pandemie im Land der Mullahs - Irans Kampf gegen Corona und Sanktionen

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Der Iran kämpft mit hohen Corona-Infektionszahlen - doch der Staat setzt auf Appelle statt auf Ausgangssperren. Die Wirtschaft müsse gestützt werden. Eine Spurensuche in Teheran.

Die zweite Corona-Welle hat Iran fest im Griff. Die Infektionszahlen sind wohl deutlich höher als zunächst berichtet und auch die wirtschaftliche Lage verschlechtert sich weiter .

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"Hier gehe ich nicht rein", sagt Hamid, unser Fahrer, und bleibt vor dem Eingang stehen. Durch den Hauptgang des großen, gedeckten Basars in der Teheraner Innenstadt schieben sich Hunderte Menschen an den Geschäften vorbei. "Das ist viel zu eng", meint Hamid, "das Infektionsrisiko ist zu groß".

Ständig besprüht er unsere Hände mit Desinfektionsmittel, das er immer bei sich trägt. Er wollte uns einen der Hotspots in der iranischen Hauptstadt zeigen. "Ihr seht selbst, was hier los ist. Mehr muss ich nicht sagen."

Der Iran gehört weltweit zu den Hotspots der Corona-Pandemie. Mehr als 280.000 Fälle sind bestätigt, knapp 15.000 Menschen sind gestorben. Doch die Dunkelziffer soll weit höher liegen. Laut Präsident Rohani drohen bald bis zu 25 Millionen Infizierte.

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Schürt Präsident Rohani absichtlich Corona-Panik?

Seit vielen Wochen sind die Infektionszahlen im Iran wieder auf über 2.000 täglich angestiegen. Im Durchschnitt 200 Menschen sterben jeden Tag an den Folgen einer Corona-Infektion. Rund 350.000 Infizierte meldet das Gesundheitsministerium seit Beginn der Corona-Krise Anfang Februar.

Präsident Rohani dagegen sprach vor Kurzem öffentlich von bis zu 25 Millionen infizierten Landsleuten, was für panische Reaktionen sorgte. Genau das war wohl beabsichtigt, meint Dr. Anash Anissian und lächelt. Politiker müssten das sagen, um die Leute wachzurütteln, meint Anissian.

Politiker machen ihren Job. Wir machen unseren. Ich habe zwar kein Messgerät, um die Zahl genau zu bestimmen. Aber ich denke, dass wir mit rund zwei Millionen Infektionen der Wahrheit etwas näher kommen.
Anash Anissian, Arzt in Teheran

Selbst das wäre ungefähr sieben Mal mehr als die offizielle Zahl. Anissian rechnet hoch, was er in seiner Corona-Klinik in Teheran erlebt. Bis zu 300 Patienten melden sich dort jeden Tag mit leichten oder schwereren Beschwerden. Oft handelt es sich um einfache Erkältungen, doch jede zehnte Probe sei positiv, meint Anissian.

Die zweite Corona-Welle hat Iran fest im Griff. Die Infektionszahlen sind wohl deutlich höher als zunächst berichtet und auch die wirtschaftliche Lage verschlechtert sich weiter.

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Zum einen seien viele sehr nachlässig geworden, als die Regierung die strengen Corona-Maßnahmen ab Ende April wieder schrittweise lockerte. Zum anderen wolle die Regierung aber auch keinen neuen Lockdown riskieren. "Jede Politik der Regierung richtet sich nach den Faktoren Geld, kulturelle Gewohnheiten und Zustand der Wirtschaft", sagt Anissian.

Unsere Wirtschaft ist sehr schwach und fragil. Wir stehen unter Sanktionen durch die USA. Das heißt, die Menschen müssen Geld verdienen, sie müssen arbeiten gehen können.
Anash Anissian, Arzt in Teheran

Appelle statt Ausgangssperren

So weigerte sich Präsident Rohani, auf den neuerlichen Anstieg der Infektionszahlen mit neuen Ausgangssperren und der Schließung der Provinzgrenzen zu reagieren. Das könne man sich nicht leisten, so Rohani, die Wirtschaft müsse gestützt werden.

Stattdessen appellierte er an die Vernunft seiner Landsleute und ermahnte sie, Maskenpflicht und Abstandsregeln ernst zu nehmen. Als Reaktion auf die zweite Corona-Welle wurden nun immerhin große Gebetsversammlungen - vor dem für Schiiten so wichtigen Aschura-Fest Ende des Monats - untersagt.

Die USA wollen einen Resolutionswurf im UN-Sicherheitsrat vorlegen. Ziel ist, das Waffenembargo gegen den Iran zu verlängern, so US-Außenminister Pompeo.

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Mit geöffneten Autofenstern durch Teheran

Rohanis Regierung steht unter Druck, sowohl von seiten der religiös-konservativen Fraktion im Parlament, aber auch von immer mehr Bürgern, die in der Politik des Präsidenten den Grund für den wirtschaftlichen Niedergang sehen und weniger in den Sanktionen der USA.

Auch Hamid, unser Fahrer, steckt in einem Dilemma. Seine Frau will eigentlich nicht, dass er fremde Menschen in seinem Wagen durch die Stadt fährt. Doch die Eigentumswohnung muss abbezahlt werden. Nach jedem Kunden desinfiziert Hamid seinen Wagen von innen, auch die Türgriffe werden außen mit Kölnisch Wasser eingesprüht.

Wenn er Kunden im Wagen hat, müssen die Fenster geöffnet sein, damit der Durchzug mögliche Viren hinausbläst. Gute Kunden wie uns, die ihn den ganzen Tag gebucht haben, lädt er abends oft noch auf einen Tee nach Hause ein. Doch das geht in Zeiten von Corona nicht. "Meine Frau ist sehr pingelig", meint Hamid, "ich darf niemanden zu uns nach Hause mitbringen."

Verkäufer auf dem Basar: "Angst um meine Familie"

Nur einer hat in diesen Tagen Grund zu guter Laune. Milad Jafari hat vor dem Haupteingang des Basars seinen kleinen Verkaufsstand aufgebaut. Oft ist er umringt von Kunden, die gleich mehrere Produkte kaufen. "Meine Sachen sind gerade sehr gefragt", sagt Milad und sortiert neue Masken in seine Auslage.

Mundschutz für Erwachsene, für Kinder, Einweghandschuhe, Desinfektionsmittel stapeln sich auf dem kleinen Tisch vor ihm. Auch er habe Angst um seine Familie, trotzdem müsse er arbeiten gehen, ob er wolle oder nicht, sagt Milad:

Niemand kann zu Hause bleiben. Wir sind gezwungen, raus zu gehen und Geld zu verdienen.
Milad Jafari, Verkäufer auf einem Bazar in Teheran
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