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Israel: Vom Vorzeigeland ins Corona-Chaos

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Proteste gegen Regierung - Israel: Vom Vorzeigeland ins Corona-Chaos

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In Jerusalem und Tel Aviv sind Proteste wegen des Corona-Kurses der Regierung eskaliert. Demonstranten werfen ihr Versagen vor. Die Polizei reagiert mit Härte.

In Jerusalem und Tel Aviv haben Tausenden gegen das Corona-Krisenmanagement der israelischen Regierung demonstriert. Einige forderten den Rücktritt von Ministerpräsident Netanjahu.

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Es sind Tausende Israelis, die sich zu den Großdemos aufgemacht haben, ihre Wut und Verzweiflung steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Demonstranten blockieren Straßen, die Polizei setzt Wasserwerfer ein, es gibt Verhaftungen.

Menschen bangen um ihre Existenz

Es ist der Umgang der Regierung mit der Corona-Krise, der täglich mehr Bürger auf die Straßen treibt. So wie Laurent Cigé. Ihn hat die Corona-Krise in den finanziellen Ruin getrieben. Er sagt:

Ich importiere Schokolade aus Belgien und musste meine Geschäfte schließen. Der Staat hat mich dazu gezwungen und nun bekomme ich keine Unterstützung.
Laurent Cigé

Wie Laurent geht es vielen Israelis. Job weg, Existenz in Gefahr. Tausende Unternehmen melden Insolvenz an. Die Arbeitslosigkeit liegt aktuell wegen Corona bei 22 Prozent.

Kein Vertrauen in Israels Regierung

Und schon vor Wochen versprach Israels Premier Benjamin Netanjahu ein Konjunkturprogramm, nun verspricht er gar Soforthilfen für alle. Umgerechnet knapp 200 Euro soll jeder Bürger erhalten - ungeachtet dessen, ob die Krise ihn getroffen hat oder nicht. Dass dieses "lächerliche Schweigegeld", wie sie es nennen, jemals ankommt, bezweifeln viele Israelis.

Dabei schien es noch im Mai, als hätte man nach strengem Lockdown und strikten Maßnahmen das Virus im Griff. Die Regierung lockerte schnell und umfassend. Die Wirtschaft wurde hochgefahren, die Schulen geöffnet. Zu schnell, wie jetzt sogar Premierminister Netanjahu eingestehen musste. Und nun wird fast täglich ein neuer Rekord mit Neuinfektionen aufgestellt.

Schlingerkurs für die Wirtschaft

Netanjahus wissenschaftlicher Chefberater Eli Waxman in der Corona-Krise verkündete vor rund einer Woche, die Pandemie sei außer Kontrolle. Einen weiteren vollständigen Lockdown würde die Wirtschaft jedoch kaum verkraften. Ein Dilemma für Netanjahu, der es deswegen mit einem Lockdown light versucht und ständig um neue Maßnahmen ringt.

Ein klarer Kurs ist nicht erkennbar. Mal heißt es, Restaurants, Geschäfte, Schwimmbäder, Museen und Strände sollen an den Wochenenden schließen. Zwei Tage heißt es dann, man werde vielleicht doch alles offen halten.

Pflegepersonal legt Arbeit nieder

Busse sollen mit offenem Fenster statt Klimaanlage fahren, doch die Fenster in Israels Bussen lassen sich wegen der Umstellung auf Klimaanlage schon lange nicht mehr öffnen. All das seien keine guten Pläne, keine gute Taktik in der Virusbekämpfung, kritisieren Wissenschaftler wie Ronit Margalit, Professorin für Epidemiologie in Tel Aviv:

Es ist kein strategischer Plan dahinter, die Epidemie-Forschung wird nicht eingebunden. Und ohne Strategie sehen wir jetzt nur Panikreaktionen der Regierung.
Ronit Margalit, Professorin für Epidemiologie

Seit Montagmorgen streiken nun auch noch Krankenschwestern und Pfleger, sie seien einfach zu wenig Personal für zu viele Patienten.

Israel hat sich vom Vorzeigeland in der Virusbekämpfung zum abschreckenden Beispiel entwickelt. Das habe Premier Netanjahu zu verantworten, meinen diejenigen, die protestieren. Sie quittieren seinen hilflosen Limbo zwischen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus und schlecht koordinierter Sozialpolitik mit Rücktrittsforderungen. "Geh nach Hause Netanjahu", hallte es bei den Protesten tausendfach durch Tel Aviv und Jerusalem.

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