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Israel geht in zweiten landesweiten Lockdown

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Corona-Krise in Nahost - Israel geht in zweiten landesweiten Lockdown

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Wiederholt erreichte Israel Rekordwerte bei den Corona-Neuinfektionen. Die Regierung zieht deshalb die Reißleine: Das ganze Land geht heute wieder in den Lockdown.

In Israel entwickeln sich die Corona-Neuinfektionen dramatisch. Deswegen hat die Regierung zum zweiten Mal einen Lockdown angeordnet – kurz vor dem jüdischen Neujahrsfest.

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Das hatten sich die Israelis anders vorgestellt: Nachdem sie im Frühjahr den ersten Lockdown überstanden hatten, der sie wochenlang in ihren Wohnungen eingesperrt hatte, schien es, als habe das Land das Schlimmste hinter sich.

Erstes Land mit zweitem Lockdown

Ein Irrtum. Als weltweit erstes Land verabschiedet sich Israel heute erneut für drei Wochen in den zweiten Lockdown.

Wie konnte das geschehen? Galt Israel bis Mitte des Jahres doch international als vorbildlich und erfolgreich bei der Eindämmung der Corona-Pandemie. Die Antwort ist nicht ganz einfach, Genaueres wird man wohl erst in einer späteren Rückschau verstehen. Zwei Dinge haben aber wohl eine entscheidende Rolle gespielt.   

Fehlende Konsequenz und Widerstand als Ursachen

Zum einen: Die strengen Auflagen wurden zu früh gelockert, Schulen vorzeitig geöffnet, das öffentliche Leben zu schnell freigegeben.

Zum anderen: Die Hygieneregeln wurden nicht konsequent angeordnet und durchgesetzt. Vor allem in den ultraorthodoxen und arabischen Gemeinden reichte das Verhaltensspektrum von laxem Umgang bis zu offenem Widerstand. Rabbis weigerten sich, Thora-Schüler flächendeckend testen zu lassen oder Schulen auf Anordnung ganz zu schließen.

Arabische Hochzeiten wurden mit hunderten Gästen aus dem ganzen Land gefeiert, ausgelassen und - ohne Masken. 

Nach Lockerung des ersten Lockdown stiegen die Infektionszahlen in Israel im Sommer wieder deutlich an.

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Appelle an die Bevölkerung bleiben unbeachtet

Die Regierung Netanjahu ließ sich von den Ultraorthodoxen - zum Teil Mitglieder der Regierung - unter Druck setzen und verzichtete darauf, hart durchzugreifen.

Vergeblich warnte der Corona-Beauftragte Ronni Gamzu in einem dramatischen Appell: "Dies ist eine Botschaft an den gesamten Staat Israel: Bitte, jetzt keine Hochzeiten mehr, keine Massenversammlungen, keine illegalen Versammlungen, keine Missachtung der Vorschriften in irgendeinem Restaurant oder sonstwo!" Und weiter:

Jeder, der keine Maske aufsetzt, spuckt einem Arzt oder einer Krankenschwester ins Gesicht, die rund um die Uhr in Corona-Abteilungen arbeiten!
Ronnie Gamzu, Corona-Beauftragter Israels

Drohender Kollaps des Gesundheitssystems

Das Resultat: Die berüchtigte zweite Welle kam mit Macht, die Zahl der Neuinfektionen stieg auf immer neue Höhen. Mitte dieser Woche erreichten sie einen traurigen Weltrekord: 5.500 Neuinfektionen an einem einzigen Tag.

Hochgerechnet auf die Bevölkerungszahl ist das ungefähr so, als wenn sich in Deutschland an einem Tag um die 50.000 Menschen anstecken würden. Kein Land der Welt hält ein solches Horrorszenario lange aus, bevor es zum Kollaps des Gesundheitssystems kommt.

In Israel gibt es zwar vergleichsweise weniger schwere Verläufe und Todeszahlen. Aber die Chefs der Krankenhäuser warnten vergangene Woche, die Kapazitäten näherten sich schnell dem roten Bereich.

Als erstes Land der Welt ist Israel im zweiten Lockdown. Mehrere europäische Länder verschärfen im Kampf gegen steigende Corona-Zahlen ebenfalls ihre Maßnahmen.

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Jüdische Feiertage von Lockdown betroffen

Und: Heute beginnt mit Rosch Ha Schana das israelische Neujahrsfest, mit Yom Kippur und dem Laubhüttenfest folgen in den nächsten zwei Wochen eine Reihe von Feiertagen, an denen die Familien traditionell zusammenkommen.

Ein landesweites Super-Spreading-Event mit Ansage. Bevor es dazu kommen konnte, zog Ministerpräsident Netanjahu die Reißleine. 

Die Experten haben die rote Flagge gehisst. Die Chefs der Krankenhäuser und die Verantwortlichen im Gesundheitswesen haben uns gewarnt, dass die notwendigen Schritte sofort einzuleiten sind.
Benjamin Netanjahu, Ministerpräsident Israel

Nun also drei Wochen erneuter Lockdown.

 

Kleine Geschäfte und Dienstleister fürchten Insolvenz

Neben den sozialen Härten, wie der erneuten Vereinsamung vieler alter Menschen, kommt es nun zum zweiten Stresstest für die israelische Wirtschaft innerhalb eines halben Jahres. Schon nach dem ersten Lockdown brach das Bruttoinlandsprodukt um etwa acht Prozent ein, die Arbeitslosenquote schoss auf über 20 Prozent.

In Israel ist Corona wieder auf dem Vormarsch und die Wirtschaft leidet. Um weitere Corona-Tote zu vermeiden, hat Israels Regierung spezielle Regelungen für die Wochenenden beschlossen.

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Nach einer gewissen Erholung droht nun vor allem kleinen Geschäften und Dienstleistern der endgültige Knockout. Viele haben ihre Reserven aufgebraucht, staatliche Hilfen können nur einen Teil ihrer Ausfälle ersetzen.

Gemischte Gefühle in der Bevölkerung 

Tomer Moor ist Gastronom, sein Urteil fällt vernichtend aus: "Die Gastronomie hat genug, wir können es nicht mehr ertragen."

Eine zweite Ausgangssperre, eine zweite Schließung ist für uns wie ein Todesurteil, für tausende Restaurants.
Tomer Moor, Gastronom

Andere, wie Ruthi Gross, fügen sich dem Unvermeidlichen: "Ich akzeptiere die Sperrung, weil der Staat es es so will. Es ist nicht angenehm für mich, für niemanden in diesem Land."

Aber du tust nicht, was bequem ist, du tust, was notwendig ist.
Ruthi Gross

Kritische Stimmen aus dem ganzen Land hatten seit Monaten vor genau diesem Szenario gewarnt. Sie hoffen nun darauf, dass Israel seine Lektion diesmal besser lernt. 

Weltkarte mit der Zahl der Corona-Neuinfektionen für jedes Land als Kreis

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