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Warum Italien Deutschland nicht verzeiht

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Europäische Beziehungskrise - Warum Italien Deutschland nicht verzeiht

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Seit Wochen entladen sich in Italien Hass und Wut auf Deutschland. Jetzt möchte Botschafter Luigi Mattiolo den Deutschen etwas sagen.

Das einst freundschaftliche Verhältnis zwischen Italien und Deutschland hat in der Coronakrise stark gelitten. Die deutschen Hilfen liefen nur schleppend an, während andere Länder wie Russland oder China sofort zur Stelle waren und halfen. Das haben die …

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Als die Deutschen plötzlich vor der Botschaft stehen, rufen sie "Abstand halten" und "Jeder nur seinen Stift benutzen". Sie haben eine Europa-Fahne auf das feuchte Gras gelegt und stehen nun Schlange, um nette Sachen auf den blauen Stoff zu schreiben. Viva Italia, Solidarität mit Italien.

Sätze, wie sie Botschafter Luigi Mattiolo jetzt ständig liest. Der Diplomat ist herausgetreten in die Berliner Morgensonne, hält Abstand und bedankt sich. 

"Hunderte von Solidaritätsbekundungen"

"Hunderte", sagt Mattiolo später in seinem Büro und man kann hören, wie er unter dem Schreibtisch mit den Füßen trommelt:

Ich habe in den letzten Tagen Hunderte von Solidaritätsbekundungen erhalten.
Luigi Mattiolo, italienischer Botschafter

Vor dem Botschafter liegt ein Stapel Papier, nur vereinzelt seien Hassmails unter den Nachrichten gewesen.

Die letzten Tage, über die Botschafter Mattiolo spricht, waren besser, viel besser, als die ersten Tage der Krise. Am Montag hat die Kanzlerin einen deutlich höheren Solidarbeitrag Deutschlands in Aussicht gestellt. 

Italienischer Botschafter in Deutschland Luigi Mattiolo
Luigi Mattiolo ist Italiens Botschafter in Deutschland.
Quelle: imago

Am Donnerstag hat sich die Mehrheit des Bundestags zum EU-Wiederaufbau-Fonds bekannt. Und am Mittwoch tauchten die Demonstranten mit der Europa-Flagge vor Mattiolos Botschaft auf, die meisten von ihnen Bundestagsabgeordnete und MItglieder von Berliner Pro-EU-Organisationen.

Italien: "Welle von Hass" gegen Deutschland

Nur: Das sind nicht die Tage, an die sich Italien erinnert. Eine "Welle von Hass" habe Deutschland am Anfang der Krise ausgelöst, berichtet Laura Garavini, eine Abgeordnete der Oppositionspartei Italia Viva. Eine Welle, die derart mächtig sei, dass alle späteren Bemühungen darin untergingen. Sie sei ziemlich besorgt darüber, sagt Garavini.

In den Umfragen sieht man, dass sich fast die Hälfte der Italiener negativ über Deutschland äußert.
Laura Garavini (Italia Viva)

In den sozialen Medien tauchen ständig neue Wut-Videos auf. Sie zeigen zum Beispiel wie die blaue EU-Flagge eingeholt, zerrissen oder verbrannt wird.

Das Coronavirus bringt Italien schon lange ans Limit. Je schlimmer die Lage dort wird, desto größer wird auch die Wut auf Europa.

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"Deutschland hat am Anfang der Corona-Epidemie einen Fehler gemacht", sagt SPD-Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider: "Insbesondere das Exportverbot von Hilfsgütern fand ich beschämend und falsch."

Während China und Russland demonstrativ ganze Flugzeugladungen nach Italien schickten, kam aus Berlin - vor allem Kritik: Italiens Vorstellungen von Euro- oder Corona-Bonds seien unerfüllbar. Das spätere Entgegenkommen war nicht in Sicht. Die als europafreundlich geltende Tageszeitung "La Repubblica" schrieb: "Wir merken uns das". 

EU-Verhandlungen werden zur Bewährungsprobe

Für Botschafter Mattiolo ist es noch nicht zu spät, den anfänglichen Eindruck zu korrigieren, "dass Deutschland sich etwas schwer tut zu verstehen, dass die Dimension der europäischen Reaktion dem Ausmaß der Krise entsprechen muss". Denn die eigentliche Bewährungsprobe steht den EU-Staaten mit den Verhandlungen über den Wiederaufbau-Fonds erst noch bevor.

Um zu erklären, wie wichtig dieser Fonds für Italien ist, verweist Mattiolo auf die vielen Milliarden, die die Bundesregierung mobilisiert hat, um der deutschen Wirtschaft zu helfen: "Das sind 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das ist sieben Mal mehr als die Summe, die Italien aufbringen kann."

Das Topthema auf dem bevorstehenden EU-Gipfel: Wie können Finanzhilfen für die Mitgliedsstaaten in der Coronakrise konkret aussehen? Ministerpräsident Conte fordert gemeinsame Schulden.

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Und dann will Luigi Mattiolo den Deutschen noch etwas mitteilen. Es geht um die "harten Worte" in den italienischen Medien:

Ich möchte sagen, dass diese teilweise sehr negativen Äußerungen, die da zu lesen waren, in keinster Weise repräsentativ sind für das gesamte italienische Volk.
Botschafter Luigi Mattiolo

Italien sei dankbar für jede Hilfe aus Deutschland, insbesondere für die Bemühungen, so viele Menschen wie möglich zu retten: "Die mit der Unterstützung der Luftwaffe organisierte Luftbrücke zur Verlegung von 44 Patienten in kritischem Zustand aus der Lombardei in deutsche Krankenhäuser wird, so glaube ich, in die Geschichte eingehen."

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