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Das leisten Kirchen in der Corona-Krise

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Finanzielle Hilfen - Das leisten Kirchen in der Corona-Krise

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Mehr Telefonseelsorge und Gemeinde-Engagement in der Corona-Krise - aber zusätzliches Geld, um Bedürftigen zu helfen, verteilen die Kirchen spärlicher. Daran wird Kritik laut.

Mehr Telefonseelsorge und Gemeinde-Engagement in der Corona-Krise - aber zusätzliches Geld, um Bedürftigen zu helfen, verteilen die Kirchen spärlicher. Daran wird Kritik laut.

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Margarete Bußmann von der Bewegung "Wir sind Kirche" fordert viel. Rund 550 Millionen Euro. Das ist die Summe, die der Staat jedes Jahr an die katholische und evangelische Kirche in Deutschland überweist. Zusätzlich zur Kirchensteuer: Fast jeder zahlt an den sogenannten Staatsleistungen mit, ob Kirchenmitglied oder nicht. Ein Überbleibsel von Verträgen zwischen Staat und Kirche aus vergangenen Jahrhunderten.

"Die Kirche könnte ein Zeichen setzen"

Diese Staatsleistungen könnten die Kirche nun in der Corona-Krise vollends den Schwächsten zugute kommen lassen, fordert Bußmann. "Der Staat verschuldet sich gerade bis über die Halskrause, und doch finden nicht alle Schutz unter seinen Rettungsschirmen", sagt sie. "Nun könnte die katholische Kirche, die ohnehin momentan in einer riesigen Glaubwürdigkeitskrise steckt, damit ein deutliches Zeichen der Solidarität setzen."

Die Gelder seien ja ohnehin ein Beitrag aller Steuerzahler. Mit Staatsleistungen wird bereits Gutes getan. Kurzfristig die Gelder aus den Staatsleistungen umzuleiten, quasi den Empfänger auf dem großen Überweisungsträger ändern - das könnten die Kirchen tun, rein rechtlich.

Diese Mittel würden aber längst für karitative Zwecke eingesetzt, sagt Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz: "Die Staatsleistungen gehen automatisch in die einzelnen Haushalte der Bistümer, und mit denen wird eine Menge Gutes getan, in Millionenhöhe." Wie viel von diesem öffentlichen Geld am Ende allerdings an Einrichtungen wie Caritas und Diakonie geht, ist schwer nachzuvollziehen.

Finanzhilfen für Bedürftige schwer zu beziffern

Mit welchen zusätzlichen Finanzmitteln helfen die Kirchen nun tatsächlich den Bedürftigen während der Corona-Pandemie? Von einem milliardenschweren Nachtragshaushalt, wie ihn der Staat sich gerade leistet, ist man in den Bistümern und Landeskirchen weit entfernt.

Die meisten Soforthilfen für karitative Einrichtungen bewegen sich im fünf- bis sechsstelligen Bereich, und werden aus den laufenden Haushalten der Kirchen gestemmt.

Kleine Soforthilfen, undurchsichtige Fonds

Ein kleiner Auszug: Das Bistum Paderborn unterstützt die Tafeln und die Caritas mit 400.000 Euro zusätzlich. Hamburg nimmt 100.000 Euro für "Mütter in Not" in die Hand. Auch das Bistum München-Freising leistet zusätzliche Soforthilfen: Mit rund 20.000 Euro für bedürftige Senioren, über ein Programm der Malteser für zusätzliche Mahlzeiten.

ugendliche Helfer verteilen aus einem Gemeinde- und Tagungshaus der Evangelisch-Lutherischen Kirche Nürnberg in Kisten über eine selbstgebastelte Rutsche das Obdachlosenfrühstück zum Mitnehmen.
Junge Helfer der evangelisch-lutherischen Kirche Nürnberg verteilen Frühstück zum Mitnehmen für Obdachlose.
Quelle: dpa

Zudem hat das Bistum einen Zwei-Millionen-Euro-Hilfsfonds für Ecuador aufgesetzt. Der war allerdings auch schon vor der Corona-Pandemie im Haushalt eingeplant und wird jetzt für Hilfen in dieser Krise verwendet.

Das Bistum Augsburg gibt 500.000 Euro in die Corona-Soforthilfe nach Albanien, Venezuela und Indien, und hat zusätzlich einen zehn Millionen Euro starken Hilfsfonds aufgesetzt. Der Fonds sichert aber eher nur die Liquidität der Augsburger Einrichtungen, unter anderem übrigens auch Bauvorhaben des Bistums.

Ähnliche Zahlungen in den evangelischen Landeskirchen

In den evangelischen Landeskirchen sieht es ähnlich aus: Die Lippische Landeskirche in Detmold überweist ihren Pfarrämtern zusätzlich 100.000 Euro für Menschen, die momentan in Not geraten. In Oldenburg steckt die Landeskirche 72.000 Euro in Lebensmittelgutscheine, in Zusammenarbeit mit der dortigen Diakonie.

Und manche evangelische Landeskirche ermöglicht zumindest Stundungen der Kirchensteuer für die, die gerade in Finanznot geraten. Dazu kommen die Hilfs- und Missionswerke beider Kirchen, die in der Tat mit mehreren Millionen-Euro-Fonds helfen.

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Das katholische Hilfswerk Adveniat hat einen Corona-Hilfsfonds über 2,5 Millionen Euro für Lateinamerika aufgesetzt. Adveniat finanziert sich allerdings zu rund 95 Prozent aus Spenden, vor allem aus der Kollekte in der Weihnachtszeit. Alles in allem kommen die zusätzlichen Finanzmittel der Kirchen und Hilfswerke während der Corona-Krise aber längst nicht an den Betrag der jährlichen Staatsleistungen heran, wie "Wir sind Kirche" sie fordert.

Kirchen zögerlich, Rücklagen und Vermögen anzufassen

Aber bei Soforthilfe gehe es nicht ausschließlich um direkte Finanzhilfen, sagte eine Sprecherin der Evangelischen Kirche (EKD): "In der Seelsorge nehmen wir die spürbaren existenziellen - auch wirtschaftlichen - Sorgen vieler Menschen wahr." Nachdem die Politik entschlossen gehandelt habe, wollten Kirche und Diakonie ihren Beitrag zur Bewältigung der wirtschaftlichen Situation leisten.

Dazu fürchten viele Bistümer und Landeskirchen selbst bald Einbußen bei der Kirchensteuer, außerdem fehlen vielerorts die Kollekten, weil Gottesdienste ausfallen. Deshalb aber echtes Vermögen oder Rücklagen anfassen - das machen die Kirchen auch in diesen Zeiten nicht.

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