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Politik will Fahrplan für Kitas vorlegen

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Familien im Corona-Stress - Politik will Fahrplan für Kitas vorlegen

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Während Schulen schrittweise öffnen, gibt es für Kitas kein abschließendes Konzept. Morgen wollen die Familienminister Länderchefs und Kanzlerin ihre Vorschläge präsentieren.

Kinderrtagesstätte mit Plakat "Wir denken an euch!"
Wann macht die Kita wieder auf? Diese Frage stellen sich momentan viele verzweifelte Familien.
Quelle: dpa

Dann machen wir eben Homeoffice! In den ersten Wochen der Corona-Krise klang das noch machbar. Das dachte auch Simone Frey, die selbstständig in der Ernährungsbranche arbeitet und eine vierjährige Tochter hat. Ihr Mann und sie teilen sie sich den Tag zwischen Arbeit, Kinderbetreuung und Haushalt auf. Die 40-Jährige ist am Limit:

Ich fühle mich total zerrissen. Kleine Kinder können sich halt nicht länger selbst beschäftigen.
Simone Frey, Selbstständige und Mutter

Wie Familien den Corona-Alltag erleben, zeigt dieses Video:

Zwischen Homeschooling und Homeoffice – neuer Alltag in Corona-Zeiten.

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1 min
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DGB fordert schnelle HiIlfe für Familien

Geschätzt 3,7 Millionen Kinder besuchen in Deutschland normalerweise die Kita und sind jetzt zum größten Teil zuhause. Elke Hannack, stellvertretende Vorsitzende beim Deutschen Gewerkschaftsbund beobachtet, dass viele Arbeitgeber von Mitarbeitern mit Kleinkindern Homeoffice selbstverständlich erwarten.

Das bringt viele – meist Frauen – an ihre Belastungsgrenze.
Elke Hannack, DGB

Deshalb fordert der DGB eine Verlängerung der Verdienstausfallentschädigungen über die üblichen sechs Wochen hinaus sowie die Familiensoforthilfe von 67 auf 80 Prozent des monatlichen Nettolohns zu erhöhen.

Bildungsforscher: Arbeitgeber in die Pflicht nehmen

Doch auch die Arbeitgeber müssten sich kreativ zeigen, meint Bildungsforscher Klaus Hurrelmann: "Kann man etwa provisorisch eine Betriebskita einrichten? Kann man zeitweilig erlauben, dass Kinder mit an den Arbeitsplatz dürfen? Wie kann sich der Arbeitgeber finanziell beteiligen? Solche Modelle müssen wir dringend diskutieren."

Auch für Kinder bedeutet der Corona-Alltag Stress:

Schwierige Zeiten für Eltern und Kinder.

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3 min
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Denn sonst drohe nach der Corona-Krise die nächste Krise. Nicht nur Erwachsene auch Kinder erlebten diese Zeit als Ausnahmezustand:

Wenn sie (die Kinder) mitbekommen, meine Eltern sind nervös, haben Angst um den Arbeitsplatz, dann kann das den Grundstein für spätere Angstzustände oder Aggressionen legen.
Bildungsforscher Klaus Hurrelmann

Der Kitabesuch sei insbesondere für die Kinder wichtig, die in Armut leben. Hurrelmann schätzt, dass in Deutschland circa 20 Prozent der Kinder abgehängt seien. "Das sind Familien die waren schon vorher am Rande ihrer Möglichkeiten und jetzt noch viel stärker."

Sorge um kindliche Psyche

Wie Hurrelmann sorgt sich auch Christoph Olschewski, Leiter der Arche in Potsdam um die Kinder aus benachteiligten Familien oder von Alleinerziehenden. Die aktuelle Krise gehe an die Substanz:

Uns macht große Sorge, dass es da irgendwann in Familien zu Gewaltexzessen kommt.
Christoph Olschewski, Arche Potsdam

Am Montag wollen die Familienminister der Bundesländer den Ministerpräsidenten und der Kanzlerin ihre Vorschläge vorlegen, wie es mit den Kitas weitergeht.

Familienminister suchen Fahrplan

NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) fordert, die Kitas stufenweise zum Sommer wieder zu öffnen. Auf ein konkretes Datum will sich Hamburgs Familiensenatorin Melanie Leonhard (SPD) nicht festlegen. Beide Politiker sind beim Kita-Fahrplan federführend. Im ZDF betont Leonhard:

Wir werden eine Regelung besprechen, die es den Kitas vor Ort ermöglicht unter hohen Hygienestandards trotzdem eine Betreuung zu gewährleisten.
Melanie Leonhard, Hamburger Familiensenatorin

Die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder (CDU) regte im ZDF-Interview an, die Kitagruppen zu teilen und Bürgerhäuser oder Gemeindesäle als Ausweichorte zu nutzen. Man könne auch Freiwillige miteinbeziehen:

Ich glaube, dass man da innovativer sein kann bei den Lösungen als wir es im Moment sind.
Kristina Schröder, Ex-Bundesfamilienministerin

Die ehemalige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Kristina Schröder spricht im ZDF-Interview darüber, was die Corona-Krise für berufstätige Eltern bedeutet.

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4 min
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Corona-Elterngeld als Lösung?

Simone Frey hat zusammen mit einem Mitstreiter, Tim Tolsdorff, einen offenen Brief an die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) geschrieben. Sie wünschen sich neben einer schnellen Öffnung der Kitas auch neue, flexible Lösungen:

"Es gibt Eltern, die wollen ihre Kinder nicht in die Kita schicken während der Pandemie, weil sie selbst zur Risikogruppe gehören. Da müsste die Politik über ein Corona-Elterngeld nachdenken oder finanzielle Zuschüsse vom Staat, wenn man sein Kind zuhause betreuen lässt."

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