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Petersberger Klimadialog - Wenn Krise auf Krise trifft

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Klimadiplomatie in Zeiten einer weltweiten Pandemie: Das hat es noch nie gegeben. Doch erwächst daraus auch mehr Ehrgeiz, die Erderwärmung zu begrenzen?

Archiv: Bodenerrosion an der Pazifikküste.
Schadet die Corona-Krise am Ende auch dem Klima?
Quelle: Reuters

Denn genau mehr Ehrgeiz, die Erderwärmung zu begrenzen, dürfte dringend erforderlich sein. Einzig durch den öffentlichen Shutdown hat Deutschland die Chance, die Klimaschutzziele 2020 bis zum Ende des Jahres zu erreichen. Weniger Verkehr zu Land und in der Luft spart Millionen Tonnen Treibstoff, entsprechend weniger Treibhausgase gelangen in die Atmosphäre.

Ähnlich geht es vermutlich den anderen Industrieländern auch. Aber was kommt dann, also, wenn der Verkehr wieder auf das "normale" Maß vor Corona angestiegen ist? Vermutlich das böse Erwachen.

Geld für Klimaschutz wurde in Corona-Krise ausgegeben

Denn die für den Klimaschutz reservierten Milliarden sind weg, verschwunden im Corona-Krisenmanagement. Wie soll jetzt der dringend erforderlich Umbau von Industrie und Wirtschaft in Richtung Green Deal finanziert werden?

Genau da steckt nämlich die Hauptklimalast: Die Industrie trägt weltweit mit knapp 20 Prozent Anteil zum CO2-Ausstoß bei, die Sektoren Strom und Wärme haben sogar einen Anteil von rund 40 Prozent. Dies geht aus Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) für das Jahr 2016 hervor. Zum Vergleich: Der globale Flugverkehr bringt es gerade mal auf 2,8 Prozent.

Unternehmen fordern klimafreundliche Investitionsprogramme

Das wichtigste Thema des 11. Petersberger Klimadialogs heißt daher: Wie die billionenschweren Wirtschaftshilfen mit Klimaschutz effektiv verbinden? Ob und wie das gelingt, daran wird nicht nur das diesmal virtuell abgehaltene Treffen der hochrangigen Vertreter aus etwa 30 Ländern zu messen sein, sondern auch die vermutlich äußerst zahlreichen Investitions- und Konjunkturprogramme der kommenden Monate.

Zum Auftakt des Petersberger Klimadialogs forderten diesbezüglich rund 70 Unternehmen, darunter auch Stahl- und Chemiekonzerne, Konjunktur- und Investitionsprogramme "systematisch klimafreundlich auszurichten". Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) begrüßte den Appell der Unternehmen:

Das sind auch nicht die üblichen Verdächtigen.
Svenja Schulze, Bundesumweltministerin

Unterzeichnet haben unter anderem Thyssenkrupp, Salzgitter, Covestro und Wacker Chemie. Zugleich forderte der Industrieverband BDI aber, die Zwischenziele für 2030 "auf den Prüfstand zu stellen".

Absage der Weltklimakonferenz schlechtes Signal

Schulze ist auch Gastgeberin des Klimadialogs - im Verbund mit dem britischen Minister für Wirtschaft und Energie, Alok Sharma, der zudem der designierte Präsident der nächsten Klimakonferenz ist. Die aber wurde aufgrund der anderen Krise verschoben und findet erst 2021 statt.

Das ist wirklich schlecht. Denn mit der 26. UN-Klimakonferenz werden erstmals die Beschlüsse des Pariser Klimaabkommens wirksam und müssten umgesetzt werden.

Welche Länder sind bereit, mehr für den Klimaschutz zu tun?

Die deutsche Bundesumweltministerin hofft, dass die Corona-Krise zu mehr Engagement im Klimaschutz führt: "Ich vertraue daher darauf, dass künftig auch mehr Menschen bereit sind, mehr zu tun gegen die langfristigen Umweltrisiken, die uns sonst drohen - die Klimakrise und die Zerstörung der Ökosysteme", sagte sie am Montag der Nachrichtenagentur dpa.

Klimaschutz darf in Corona-Zeiten nicht zu kurz kommen, sagen nicht nur Umweltschützer und Wissenschaftler. Vor dem Petersberger Klimadialog fordern sie eine nachhaltige Strategie.

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2 min
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Bei alldem: Verbindliche Beschlüsse stehen nicht auf der Tagesordnung des Petersberger Klimadialogs. Die Verhandlungsleitlinie der nächsten "echten" UN-Klimakonferenz soll abgesteckt werden. Das heißt: Es geht um Geld. Nämlich darum, welches Land bereit ist, dank finanzieller Zusagen auch - von Deutschland - mehr für den Klimaschutz zu tun.

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