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Weniger Intensivbetten - Kliniken: Spahns Öffnungsplan zu bürokratisch

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Ab Mai sollen Kliniken aus dem Corona- wieder in Normal-Modus schalten. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft begrüßt den Plan von Minister Spahn. Er sei aber viel zu bürokratisch.

"Ein solches komplexes Berechnungsschema brauchen wir nicht", kritisiert Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Der Öffnungsplan von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sei "Überregulierung". Das sei nicht erforderlich, weil die Krankenhäuser "in den letzten zwei Monaten gezeigt haben, dass wir rechtzeitig reagieren können“, sagt Gaß.

Kliniken sollen schrittweise Betrieb hochfahren

Ab Mai, so hatte es Spahn an seine Kollegen in den Bundesländern  in einem Brief geschrieben, sollen die Kliniken ihren Betrieb wieder hochfahren. Seit Mitte März waren alle planbaren Operationen abgesagt worden, die Zahl der Intensivbetten und die Beatmungsmöglichkeiten für Covid19-Patienten erhöht worden. Der große Peak blieb aber aus, Betten stehen leer, einige Kliniken schickten Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Was Spahn den Ländern vorschlägt:

  • Krankenhäuser sollen 25 Prozent der Intensivbetten für Covid19-Patienten freihalten; je nach Pandemieverlauf soll innerhalb von 72 Stunden die Intensiv- und Beamtmungskapazität erhöht werden
  • Planbare Operationen sollen wieder zu 70 Prozent stattfinden. Alle zwei Wochen dürfen die Kapazitäten um je zehn Prozent erhöht werden, wenn die regionale Intensivbettenkapazität ausreicht. Sinkt sie unter 25 Prozent, darf auch weniger operiert werden. Wenn die OP-Kapazität bei 90 Prozent ist, darf die Intensivbettenreserve in Fünf-Prozent-Schritten alle 21 Tage steigen.
  • Die Länder dürfen regional die Intensivkapazität auf andere Krankenhäuser übertragen und auch festlegen, wo Covid19-Patienten sind und wo planbare Operationen durchgeführt werden.
  • Krankenhäuser müssen sich an die auch sonst geltenden Hygienemaßnahmen halten, das könnte bedeuten: Maskenpflicht, Zimmer mit Betten auf Abstand, Corona-Tests bei Personal und eventuell vor Aufnahme ins Krankenhaus.

Aktuelle Corona-Zahlen des RKI:

Da seit dem Höhepunkt nach Ostern die Kapazitäten nicht voll ausgelastet sind, die Corona-Neuinfektionen sich linear entwickeln, sei es laut Spahn Zeit, dass die Kliniken "schrittweise einen neuen Alltag entwickelten". Denn die Bevorzugung der Corona-Patienten lasse sich auf Dauer nicht rechtfertigen, heißt es in dem Brief.

Kritik: Zu viele Intensivbetten, keine Trennung in Kliniken

Auch Gaß sieht das so. "Es gibt den dringenden Bedarf, wieder Patienten aufzunehmen." Die Verdachtsfalle bei Herzinfarkt und Schlaganfall seien um 30 Prozent zurückgegangen. Schmerzpatienten warteten seit Wochen auf Behandlung. Allerdings: Spahns Plan müsse in den Ländern nachgebessert werden. Laut Krankenhausgesellschaft würde es reichen, 20 Prozent an Intensivbetten für Covid19-Patienten vorzuhalten. Das hieße 6.000 Beatmungsbetten. "Das ist doppelt so viel wie wir in der Spitze der Infektionswelle belegt hatten.“"

Zweites Problem ist laut Gaß, dass Spahn die Corona-Patienten von anderen in spezielle Krankenhäuser trennen will. "Das würde bedeuten, dass wir die über viele Jahre festetablierten Versorgungsaufgaben der Kliniken kurzfristig ändern müssten." Fachpersonal müsste zwischen den Kliniken wechseln, Medizintechnik ausgetauscht werden. "Das brauchen wir nicht", sagt Gaß. Der Umgang mit Infektionspatienten "ist unser tägliches Geschäft".

Normalbetrieb auch in Monaten nicht möglich

Auch in den mehr als 80 Helios-Kliniken werden derzeit Konzepte erarbeitet, wie Infizierte getrennt, Personal getestet und Abstandsregeln eingehalten werden können. Nicht alle Betten werden belegt werden können. "Normalität wie wir sie vor Corona hatten, wird es über Monate nicht geben", sagt Andreas Meier-Hellmann, medizinischer Geschäftsführer. Trotzdem sei es richtig, den Betrieb wieder hochzufahren. Auch wenn Spahns Plan mit seinen prozentualen Abstufungen "sehr theoretisch" sei.

"Von den zusätzlich aufgestellten Intensivbetten haben wir im Prinzip nicht ein Bett gebraucht", sagt Meyer-Hellmann. Bislang seien die Intensivbetten in den Helioskliniken nur zu 65 bis 70 Prozent ausgelastet gewesen. Und: Sollten die Infektionszahlen steigen, könne man in wenigen Tagen den Betrieb wieder runterfahren. "Wir können uns jetzt etwas trauen", sagt Meyer-Hellmann. Was die Länder von Spahns Plan übernehmen, "da müssen wir uns jetzt überraschen lassen". Die Helios-Kliniken stehen in fast allen 16 Bundesländern.

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von M. Hörz, R. Meyer, M. Zajonz

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