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Laschet in der Krise

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NRW-Ministerpräsident - Laschet in der Krise

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Armin Laschet will CDU-Vorsitzender werden, wahrscheinlich auch Kanzlerkandidat. In der Corona-Krise macht dem NRW-Ministerpräsidenten aber sein Politikstil zu schaffen. Und Söder.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Archivbild
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (Archivbild): Die Entscheidungen, die der CDU-Politiker als oberster Krisenmanager seines Landes trifft, werden derzeit genau unter die Lupe genommen.
Quelle: Gregor Fischer/dpa

Ein 25 Milliarden-Euro-Rettungspaket für Unternehmen, eine Million bestellte Atemschutzmasken für Nordrhein-Westfalen: Armin Laschet will als NRW-Regierungschef der Corona-Krise trotzen. In Krisenzeiten zeigen sich Führungsqualitäten, das ist für Laschet besonders wichtig.

Für Laschet läuft es gerade nicht so gut

Denn Laschet will künftig die CDU anführen und könnte jetzt seine Kanzler-Tauglichkeit unter Beweis stellen. Nur läuft es grade nicht so richtig gut für Laschet in der Krise, weder im Land noch in der bundesweiten Wahrnehmung:

  • Laschets Nordrhein-Westfalen ist das Bundesland mit den meisten Infizierten
  • NRW ist das Land, das sich länger als alle anderen im aktuellen Krisenmodus befindet
  • Rosenmontag begab sich Patient Null in ein Heinsberger Krankenhaus,
  • Aschermittwoch betonte der Ministerpräsident in einem Interview: "Wir haben die Corona-Lage unter Kontrolle".

Aus heutiger Sicht eine Fehleinschätzung.

Eine Ausgangssperre in Heinsberg lehnte das Land ab

Der Kreis Heinsberg schloss Schulen und Kitas, diskutierte mit dem Krisenstab des Landes über eine Ausgangssperre im Kreis, das Land lehnte ab. Auch das Bundesliga-Spitzenspiel von Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund, - zehn Kilometer von der Landesgrenze entfernt - durfte noch stattfinden.

Entscheidungen, die sich der Ministerpräsident als oberster Krisenmanager ankreiden lassen muss.

Vor allem die Kritik des Heinsberger Landrats, Stefan Pusch, dürfte Laschet schmerzen. Pusch ist nicht nur ein CDU-Parteifreund, sondern wegen seines beherzten Krisenmanagements zu einer bundesweit populären Figur geworden.

Der Heinsberger Landrat Stefan Pusch auf einer Pressekonferenz zu den ersten Coronavirus-Fällen
Heinsbergs Landrat Stefan Pusch (links) neben NRW-Sozialminister Laumann: Heinsberg sei wie ein Schwimmer, der nach einem Krampf um Hilfe schreie.
Quelle: Reuters

Keine Schutzausrüstung, keine Hilfe von der Bundeswehr

Ausgerechnet dieser Mann kritisiert offen das Krisenmanagement: Heinsberg sei wie ein Schwimmer, der nach einem Krampf um Hilfe schreie. Und das Land reagiere wie ein Bademeister, der rufe "Bist ja schließlich auch ohne Badekappe ins Wasser gegangen" und das Buch "Schwimmen lernen leicht gemacht" hinterher werfe.

Weder beim Nachschub mit Schutzausrüstung noch beim anfänglichen Wunsch nach Unterstützung durch die Bundeswehr habe es Rückhalt durch die Landesregierung gegeben.

Allmählich ändert sich das, Heinsberg soll jetzt Extra-Schutz bekommen, auch die Bundeswehr hilft. Ein Sinneswandel, der natürlich durch die zugespitzte Lage zu begründen ist. Aber vielleicht auch durch das bayrische Corona-Management.

Söder zeigt Laschet, wie es gehen kann

In München geht Ministerpräsident Söder voran, sagt Großveranstaltungen ab, ruft den Katastrophenfall aus, verhängt umfassende Ausgangssperren. Das alles erklärt er mit kurzen klaren Sätzen vor den Kameras und bekommt dafür sogar Lob von den Grünen.

So einen wünscht man sich in der Krise, das bekommt auch Laschet mit. Aber Armin Laschet ist eben nicht für kurze klare Sätze bekannt. Er wirkt reichlich hilflos, wenn ihn ein bekannter Virologe in einer Talkshows regelrecht vorführt.

"Wir haben vielleicht das beste Gesundheitssystem, aber auch das wird überfordert sein, wenn wir nicht schnell genug reagieren" sagt der bayrische Ministerpräsident Markus Söder.

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6 min
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Laschets politischer Typ ist gerade nicht gefragt

Denn Laschets Stärke ist nicht der entschlossene Auftritt in der Krise - Laschets Stärke ist das Einbinden verschiedener Strömungen, das pragmatische Handeln. Laschet ist der politische Typ Moderator, nicht der Typ Macher. Nur hat der Typ Moderator in der Krise nicht gerade Konjunktur und so setzt der Macher Söder auch Laschet unter Druck.

Verbal klingt Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident jetzt entschlossen wie nie: "Es geht um Leben und Tod", mahnt er. Und Laschet beginnt auf seine Weise gegen den bayerischen Kanzlerkandidaten-Konkurrenten zu agieren.

Merkel nimmt Laschet Wind aus den Segeln

Vor dem Corona-Spitzentreffen im Kanzleramt stimmt Laschet ein Positionspapier mit elf anderen Länder-Kollegen ab, ohne Söder einzubinden. Ein offener Affront, zumal Söder derzeit Vorsitzender der Ministerpräsidenten-Konferenz ist.

Die Kanzlerin kassiert dann allerdings das Laschet-Papier - es läuft eben in dieser Krise nicht grade gut für Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten. Markus Söder hat übrigens in der vergangenen Woche 7.326 Facebook-Fans gewonnen. Bei Armin Laschet waren es 1.189 .

Dorthe Ferber leitet das ZDF-Landesstudio in Nordrhein-Westfalen.

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