ZDFheute

Lauterbach fordert regionalen Lockdown

Sie sind hier:

Corona-Ausbruch bei Tönnies - Lauterbach fordert regionalen Lockdown

Datum:

Mehr als 1.000 Corona-Infektionen beim Fleischkonzern Tönnies: Der Landrat will einen Lockdown verhindern. SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach hingegen fordert Ausgehbeschränkungen.

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischbetrieb Tönnies sind über 1.000 Mitarbeiter positiv getestet worden. Der Kreis Gütersloh übt Kritik an der Zusammenarbeit des Unternehmens mit den Behörden, Konzernchef Clemens Tönnies zeigt sich selbstkritisch.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Die Zahl der Corona-Infektionen beim Fleischkonzern Tönnies in Rheda-Wiedenbrück ist auf mehr als Tausend gestiegen. Von 3.127 Befunden seien 1.029 positiv, sagte der Landrat des Kreises Gütersloh, Sven-Georg Adenauer (CDU), auf einer Pressekonferenz. Adenauer will einen Lockdown verhindern - genau den fordert hingegen der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

"Bund und Länder haben Kontakt- und Ausgehbeschränkungen für den Fall von mehr als 50 Neuinfektionen pro Woche bei 100.000 Einwohnern vereinbart. Wann soll diese Regelung zur Anwendung kommen wenn nicht jetzt im Landkreis Gütersloh?", sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

"Ich halte die Situation für brandgefährlich; die Eindämmung des Virus wird verschleppt", warnte Lauterbach. "Es muss in dem Betrieb erhebliche Verstöße gegen Hygieneregelungen gegeben haben. Andernfalls wäre ein Ausbruch in dieser Größenordnung undenkbar", sagte der nordrhein-westfälische Bundestagsabgeordnete.

Tönnies entschuldigt sich

Mitarbeiter der Kreisverwaltung und des Arbeitsschutzes seien in der Nacht zum Samstag bei Tönnies gewesen und hätten sich Zugang zu den Personaldaten verschafft, berichtete Landrat Adenauer. Das Unternehmen habe es "bis gestern um Mitternacht nicht geschafft", den Behörden sämtliche Wohnadressen der bei Tönnies Beschäftigten auszuhändigen, kritisierte er. Seit 1:30 Uhr lägen diese nun endlich vor.

Der Chef des Fleischkonzerns, Clemens Tönnies, entschuldigte sich für die Vorkommnisse. Tönnies, der am Nachmittag überraschend selbst vor die Presse trat, machte Datenschutzrichtlinien für die Verzögerungen verantwortlich. Die Adressen dürften nicht gespeichert werden, betonte er. Tönnies fügte hinzu: "Ich kann als Unternehmer und als jemand, dem es in erster Linie um die Menschen geht, nur in aller Form um Entschuldigung bitten". Das Unternehmen stehe in "voller Verantwortung".

Corona-Ausbruch in Fleischfabrik -
Tönnies: "So werden wir nicht weitermachen"
 

Fleischfabrikant Clemens Tönnies hat angedeutet, in seinem Unternehmen werde es Veränderungen geben. Nach einem erneuten Corona-Ausbruch schloss er persönliche Konsequenzen aus.

Videolänge:
1 min

"Mobile Teams" nehmen Abstriche

Insgesamt handelte es sich laut Adenauer um rund 1.300 Wohnadressen im Kreis Gütersloh. Diese würden nun allesamt von "mobilen Teams" besucht. Diese nähmen Abstriche und informierten die Menschen über die verhängte Quarantäne, die für alle Tönnies-Beschäftigten bis hinauf zum Management gilt. Adenauer betonte, es gebe bislang "keinen signifikanten Eintrag" des Virus in die allgemeine Bevölkerung.

Der Landrat bezeichnete es als "oberste Priorität", eine Ausgangssperre in der Region zu verhindern. Einen solchen Lockdown hatte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) nicht ausgeschlossen. Es gebe noch die Chance, dies zu verhindern, sagte der Landrat.

Verl richtet Quarantänezone ein

Die Fleischfabrik ist derzeit geschlossen; bestimmten Mitarbeitern ist es aber noch erlaubt, in sogenannter Arbeitsquarantäne bestimmte Tätigkeiten auszuführen. "Der Betrieb müsste stillstehen, bis akzeptable Hygienebedingungen herrschen", forderte dagegen Lauterbach. Bei Tönnies arbeiten rund 7.000 Menschen.

Unterdessen hat die Stadt Verl (Landkreis Gütersloh) nach den positiven Tests bei Tönnies-Mitarbeitern im Stadtteil Sürenheide eine Quarantänezone eingerichtet. Mehrere Mehrfamilienhäuser, in denen Werkvertragsarbeiter der Firma Tönnies untergebracht sind, wurden unter Quarantäne gestellt. Am Nachmittag wurde der gesamte Bereich abgeriegelt, wie die Stadt - auch wenn sie nicht zu den Tönnies-Beschäftigten gehören am Samstag mitteilte. In den betroffenen Häusern leben in drei Straßenzügen insgesamt knapp 670 Menschen.

Diesen Regionen droht erneut der Lockdown

Obergrenze überschritten -
Corona-Obergrenze: Wo Verschärfungen drohen
 

Ob Corona-Maßnahmen gelockert oder verschärft werden, hängt von der Zahl der Neuinfektionen ab. Eine aktuelle Karte zeigt, ob die Obergrenze in Ihrer Region eingehalten wird.

von Simon Haas

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt ihre Mund-Nasen-Maske ab zu Beginn einer Pressekonferenz im Kanzleramt in Berlin zum Teil-Lockdown. Merkel erntet Lob und Tadel für die neuen Corona-Maßnahmen.

Reaktionen auf Corona-Maßnahmen -
Zwischen Kritik, Warnungen und Lob
 

Die Corona-Beschränkungen von Bund und Ländern treffen - je nach Perspektive - auf Lob oder Kritik. Ministerpräsident Kretschmann spricht im ZDF von harten …

Kommentar: Wulf Schmiese zu den neunen Corona-Maßnahmen

Kommentar zu Corona-Maßnahmen -
Gewagter Sprung ins Nichts
 

Der Winter wird hart. Hunderttausende könnten ihren Job verlieren, ihre Lebensgrundlage. Zu hoffen ist, dass …

von Wulf Schmiese
Videolänge:
1 min
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.