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Lockerungen der Beschränkungen - Wirtschaft reagiert mit gemischten Gefühlen

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Bund und Länder haben sich darauf verständigt, erste Lockerungen bei den Corona-Beschränkungen einzuleiten. Vor allem der Handel und das Gastgewerbe hatten sich mehr erhofft.

In der Wirtschaft wartete man hoffnungsfroh auf die Beschlüsse von Bund und Ländern, wie und wann man die Beschränkungen in der Coronavirus-Krise lockern würde. Während einige Zweige aufatmen, reagieren andere jetzt eher ernüchtert oder gar enttäuscht auf die Ergebnisse.

Ich bin tief enttäuscht. Nach Wochen der Durststrecke schickt die Politik die um ihr Überleben ringenden Unternehmen in die dreiwöchige Verlängerung.
Reinhold von Eben-Worlée, Die Familienunternehmer

Auf Kritik stößt vor allem die Maßnahme, zunächst lediglich Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern wieder zu öffnen. Aber auch die Verlängerung der Beschränkungen für Bevölkerung und Wirtschaft bis zum 3. Mai löst Unmut aus.

Die Zeichnung eines Coronavirus ist am 14.03.2020 an einer Haltestelle der BVG am Alexanderplatz zu sehen.

Beschlüsse im Überblick - So will Deutschland die Corona-Regeln lockern 

Bund und Länder haben sich auf ein Vorgehen in der Corona-Krise geeinigt. Sehr vorsichtig sollen die Regeln gelockert werden. Was erlaubt ist und was nicht - ein Überblick.

Handelsverband kritisiert Corona-Lockerungen

Viele der Betriebe würden nicht bis Mai durchhalten, fürchtet Reinhold von Eben-Worlée vom Verband "Die Familienunternehmer". Auch der Handelsverband hatte die Maßnahmen kritisiert. Es gebe kein Sachargument für eine stufenweise Öffnung der Läden, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth mit Blick auf die Beschränkung der Öffnung auf kleinere Geschäfte.

Andere Branchen äußerten sich erleichtert, dass ein Ende der Beschränkungen absehbar ist. "Es sind gute Nachrichten für das Frisörhandwerk", sagte Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des deutschen Frisörhandwerks. "Wir können damit planen."

Sehen Sie hier eine Einschätzung der Lage von ZDF-Korrespondent Theo Koll:

Autoindustrie begrüßt Öffnung ab 3. Mai

Aufatmen konnte die Autoindustrie, weil Kfz-Händler ab dem 3. Mai wieder öffnen dürfen. Die Entscheidung, den stationären Kfz-Handel für den Verkauf von Neu- und Gebrauchtfahrzeugen wieder zuzulassen, sei ein wichtiger und notwendiger Schritt auf dem Weg, auch den Hochlauf der Produktion wieder zu ermöglichen, teilte die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard Müller, mit.

Weiterhin schwer getroffen von der Corona-Krise bleibt hingegen das Gastgewerbe. Restaurants, Kneipen und Clubs bleiben auf unbestimmte Zeit geschlossen. Der Branchenverband Dehoga hatte deshalb erneut ein Rettungspaket gefordert, das aus einem Fonds sowie der Kürzung der Mehrwertsteuer für die Vor-Ort-Gastronomie bestehen sollte.

Klares Signal für den Schutz von Menschenleben

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, nannte es klug, dass Bund und Länder eine "vorsichtige und flexible" Ausstiegsstrategie gewählt hätten. Man setze ein klares Signal, dass der Schutz von Menschenleben und Gesundheit die oberste Priorität bleibe.

Die Politik beweist Rückgrat indem sie den immer lauter werdenden Forderungen nach baldigen und möglichst weitgehenden Lockerungen widersteht.
Marcel Fratzscher, DIW

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, hält die Lockerungen maximal für ausreichend. "Es ist das absolute Mindestmaß des Notwendigen", sagte Hüther dem Nachrichtenportal t-online.de. Er kritisierte die fehlende Abstimmung auf europäischer Ebene.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey kommentiert die neuen Regeln:

Kommentar von Peter Frey

Neue Corona-Schutzregeln - Vorsichtiger Einstieg in den Ausstieg 

Das Virus ist noch lange nicht besiegt – und die Politik gibt dem Gesundheitsschutz weiter Vorrang. Richtig so. Doch das Virus darf auch den Patienten Europa nicht besiegen.

von Peter Frey

Konsumlaune wird nicht sprunghaft steigen

"Vieles hängt auch an der europäischen Koordinierung, die leider nicht kraftvoll ist", so der Ökonom. "Jedes Land werkelt für sich," sagte Hüther weiter.

Der Ökonom und langjährige "Wirtschaftsweise" Peter Bofinger ist skeptisch, dass die Lockerungen zu einem starken Anstieg der Binnennachfrage führen werden. Die Konsumlaune werde nicht sprunghaft steigen, sagte Bofinger.

Grundsätzlich begrüßte der Ökonom, dass Bund und Länder eine Exit-Strategie aufzeigten. Aus Sicht des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) sind unter dem Gesichtspunkt des Erhalts von Betrieben und Arbeitsplätzen die vereinbarten Lockerungen zu zaghaft ausgefallen. Viele Selbstständige seien von einer Insolvenzwelle bedroht, sagte Verbandspräsident Mario Ohoven der Funke Mediengruppe.

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