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Bessere Luft durch Lockdown?

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Corona-Effekt auf die Umwelt - Bessere Luft durch Lockdown?

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Durch den Lockdown sind weniger Autos auf den Straßen. Das mache die Luft sauberer, sagen die einen. Die Schadstoffbelastung sei gleich geblieben, meinen die anderen. Was stimmt?

Filteranlagen in Stuttgart zur Reduzierung der Feinstaubbelastung
Die NO2-Werte am Stuttgarter Neckartor haben sich während des Corona-Lockdowns kaum verändert.
Quelle: dpa

"Corona entlarvt Fahrverbote als sinnlos", titelte der Focus vor ein paar Tagen. Und auch AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen verkündete: "Ein drastischer Rückgang des Verkehrs führt nicht zu einem entsprechenden Rückgang von Stickoxid". Er fordert deshalb, Diesel-Fahrverbote sofort aufzuheben.

Tatsächlich zeigen einige Messstationen keine geringere Belastung durch Stickstoffdioxid (NO2) an – obwohl der Straßenverkehr durch den Lockdown deutlich abgenommen hat.

Neckartor: Weniger Verkehr, gleich viel NO2

Ein Beispiel: In Stuttgart am Neckartor steht die wohl bekannteste Messstation Deutschlands. Dort sank der Verkehr von Anfang März bis zu Beginn der Einschränkungen um rund ein Drittel. Doch bei den NO2-Messwerten gibt es kaum Änderungen.

Der höchste Wert der vergangenen sechs Wochen wurde nach Daten des Landesamts für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) sogar ausgerechnet an einem Tag mitten im Lockdown gemessen: 88 Mikrogramm am 9. April. Allerdings: Andere Messstationen in München, Köln, Hamburg aber auch in Stuttgart zeigen seit dem Lockdown sehr wohl geringere Schadstoffwerte.

Satellitenmessungen belegen Schadstoffrückgang

Beispiel Hessen: Stefan Jacobi vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) spricht gegenüber hessenschau.de von einem landesweiten Rückgang von NO2 um rund 30 Prozent.

Im März 2020 aufgenommene Bilder des Satelliten "Copernicus Sentinel-5P" der europäischen Raumfahrtorganisation Esa zeigen im Vergleich zum selben Zeitraum 2019 eine deutliche Abnahme der NO2-Belastung für weite Teile von Europa, aber auch für Großstädte wie Düsseldorf, Essen, Köln oder Frankfurt. Wissenschaftler der Universität Bremen sehen in den veränderten Werten nach Informationen des NDR einen "Corona-Effekt".

Archiv: ESA-Sateilit Sentinel zeigt den Rückgang von Stickoxid in Europa.
ESA-Satellit Sentinel zeigt den Rückgang von Stickoxid in Europa.
Quelle: EPA / ESA

Wie kommen die Unterschiede zustande?

"Satellitenbilder können immer nur ein Indiz sein", sagt Ute Dauert vom Umweltbundesamt (UBA). "Sie sind demnach nur eine Momentaufnahme der gesamten Luftsäule, lassen aber keine Rückschlüsse auf die Schadstoffbelastung am Boden zu."

Entscheidend für die Messwerte am Boden ist auch das jeweilige Wetter. Bei Wind werden die Schadstoffe schneller verteilt und die Messwerte sinken. Umgekehrt reichern sich die Schadstoffe an, wenn die Luft kaum ausgetauscht wird.

Die Messdaten unterliegen dem UBA zufolge daher großen Schwankungen, so dass sich derzeit noch kein Trend ablesen lasse. Dauert stellt außerdem klar:

Es ist davon auszugehen, dass der Straßenverkehr in einigen Wochen wieder auf das übliche Maß oder sogar darüber ansteigt.
Ute Dauert, Meteorologin beim Umweltbundesamt

Lockdown-Effekt auf Luft erst 2021 ablesbar

Auf das ganze Jahr bezogen seien deshalb keine nennenswerten Verbesserungen zu erwarten. Daher bestehe auch kein Anlass, Fahrverbote aufzuheben. Wie groß der Effekt durch den Corona-Lockdown am Ende sei, wisse man aber erst, wenn alle Daten vorlägen. Damit sei aber erst 2021 zu rechnen.

Bisher jedenfalls schien das Dieselfahrverbot die NO2-Belastung zu senken: Denn seit der Einführung der Maßnahme im vergangenen Jahr zeigen die Daten der Messstation am Stuttgarter Neckartor insgesamt geringere Werte.

Fazit: Messstationen am Boden zeigen seit dem Lockdown teils verbesserte, teils auch gleich gebliebene NO2-Werte. In welchem Maß der Lockdown für die gesunkenen Schadstoff-Messwerte verantwortlich ist, lässt sich derzeit nicht sagen. Als Argumentationsgrundlage gegen ein Dieselfahrverbot ist die Datenmenge bislang nicht ausreichend.

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