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Ist Corona draußen nun doch gefährlich?

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Maskenpflicht im Freien - Ist Corona draußen nun doch gefährlich?

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München hat eine Maskenpflicht für Plätze beschlossen. Dabei gilt das Risiko, sich im Freien mit dem Coronavirus anzustecken, als gering. Warum die neue Regel? Ein Faktencheck.

Angesichts steigender Corona-Infektionen beschließt die Stadt München Einschränkungen des öffentlichen Lebens. So soll zum Beispiel auch auf öffentlichen Plätzen eine Maskenpflicht gelten.

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Im Umgang mit dem neuartigen Coronavirus gibt es noch immer viele Ungewissheiten. Eines war bislang aber immer gewiss: Eine Ansteckung in Innenräumen ist deutlich wahrscheinlicher als draußen. Der Grund: Ansteckende Aerosole können sich in vollen und schlecht belüfteten Innenräumen leichter verbreiten als im Freien.

Entsprechend deuteten Untersuchungen etwa aus Japan im Frühjahr darauf hin, dass es bis dato überwiegend in Innenräumen zu Corona-Übertragungen gekommen war. So schätzt die japanische Studie, dass die Wahrscheinlichkeit, das Coronavirus zu übertragen, in geschlossenen Räumen etwa 20 mal höher ist.

RKI: Infektionen draußen kommen "selten vor"

Wie ist in diesem Zusammenhang dann die Entscheidung der bayerischen Landeshauptstadt München zu bewerten, eine Maskenpflicht im Freien anzuordnen? Hat sich der medizinische Wissensstand verändert?

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Die grundlegende Erkenntnis, dass Übertragungen eher drinnen als draußen stattfinden, trifft immer noch zu: "Übertragungen im Außenbereich kommen insgesamt selten vor“, schreibt das Robert-Koch-Institut auf seiner Seite.

Bei Wahrung des Mindestabstandes ist die Übertragungswahrscheinlichkeit im Außenbereich aufgrund der Luftbewegung sehr gering.
Robert-Koch-Institut im "SARS-CoV-2 Steckbrief"

Trotzdem kam es in den vergangenen Monaten immer wieder auch zu Übertragungen im Freien - wenn eben der Mindestabstand nicht eingehalten wurde. So stiegen beispielsweise die Infektionszahlen deutlich an, nachdem sich bei einer Großkundgebung zum Internationalen Frauentag in Madrid im März Zehntausende Teilnehmerinnen versammelt hatten. In den USA wurden im Mai und Juni etwa mehrere Veranstaltungen im Freien dokumentiert, die sich zu Corona-Clustern entwickelten.

Biker-Festival verantwortlich für über eine Viertel Million Infektionen?

Auch ein Biker-Festival in den USA steht im Verdacht, ein sogenanntes "Superspreading-Event" gewesen zu sein. Fast eine halben Million Motorradfans hatten die "Sturgis Motorcycle Rallye" Anfang August besucht, die überwiegend draußen und fast ohne Hygieneauflagen stattfand. 260 Infektionen konnten direkt auf die Rallye zurückgeführt werden.

Aufgrund steigender Fallzahlen in Bayern soll dort nun eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen eingeführt werden. ZDF-Korrespondent Alexander Poel berichtet aus München.

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Doch eine Studie des "Institute of Labor Economics“, einer unabhängigen Wirtschaftsforschungsgruppe, berechnete, dass insgesamt fast 270.000 Covid-19-Infektionen mit dem Festival in Verbindung stehen könnten. Die Studie wurde jedoch von anderen Wissenschaftlern und auch von Politikern aufgrund ihrer Methodik scharf kritisiert.

Keine absolute Sicherheit im Freien

Klar ist damit: Auch draußen gibt es keine völlige Sicherheit - vor allem dann nicht, wenn viele Menschen ohne Maske und ausreichend Abstand aufeinandertreffen. Denn nicht nur durch Husten und Niesen, sondern auch beim gemeinsamen Reden oder Lachen im Freien entstehen Tröpfchen und Aerosole, die in einem bestimmten Umkreis noch immer infektiös sein können. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung schreibt dazu auf ihrer Website:

Die Wahrscheinlichkeit, mit virushaltigen Tröpfchen und Aerosolen in Kontakt zu kommen, ist insbesondere im Umkreis von ein bis zwei Metern um eine mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infizierte Person erhöht.
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Masken können die ausgestoßene Viruslast minimieren und daher durchaus auch im Freien sinnvoll sein - vor allem auf dicht gedrängten Plätzen wie dem Viktualienmarkt oder dem Marienplatz in München. Entsprechend erklärte der SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach der "Saarbrücker Zeitung": "An Plätzen wie dem Stachus in München, der Hasenheide in Berlin oder dem Brüsseler Platz in Köln ist das Infektionsrisiko hoch". Denn dort könnten die Abstände nicht eingehalten werden und es werde laut gesprochen.

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Fazit: Eine Maskenpflicht für bestimmte belebte Orte im Freien muss nicht im Gegensatz zu der Erkenntnis stehen, dass Corona-Infektionen drinnen wahrscheinlicher sind als draußen.

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