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Braun: Infektionsobergrenze ernst nehmen

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"maybrit illner" - Braun: Infektionsobergrenze ernst nehmen

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Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) fordert, die neue Infektionsobergrenze ernst zu nehmen. Bei 50 Neuinfektionen auf 100.000 Menschen "brennt der Dachstuhl lichterloh", so Braun.

"maybrit illner“ mit dem Thema "Riskanter Neustart – wer trägt die Verantwortung?" vom 7. Mai 2020.

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1 min
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Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hat Deutschlands Landräte aufgefordert, die neue Corona-Infektionsobergrenze unbedingt ernst zu nehmen. Bei 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner "muss die Feuerwehr kommen, denn dann brennt der Dachstuhl lichterloh", sagte Braun am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "maybrit illner".

Zugleich warnte er die lokalen Verantwortlichen davor, das wahre Ausmaß der Infektionen aus Angst vor neuen Beschränkungen zu verschleiern: "Das Dümmste, was man machen könnte, wäre bei 40 Infektionen aufzuhören zu testen."

Die Grenze von 50 Neuinfektionen sei "schon relativ hoch", mahnte Braun. Er selbst habe eine Grenze von 35 vorgeschlagen, die sich an der Kapazität der Gesundheitsämter zur Kontaktverfolgung orientiere.

Kein Automatismus für Kontaktbeschränkungen

Wenn es irgendwo in Deutschland ein Problem gebe, werde es Hilfestellungen bei Corona-Tests und Kontaktverfolgung geben.

Das ist hier kein Blame Game.
Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU)

Zugleich bekräftigte Braun, dass ein Überschreiten der 50er-Grenze nicht zu einem neuen Lockdown führen müsse. Weil etwa der aktuelle Corona-Ausbruch im thüringischen Greiz "sehr abgegrenzt" insbesondere in Pflegeeinrichtungen stattfinde, könne er sich gut ein Beschränkungskonzept vorstellen, das ohne breite, allgemeine Beschränkungen auskomme.

Ein Computermodell des Coronavirus

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Ministerpräsidenten in der Pflicht

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) erklärte, dass nicht die Lockerungen im Einzelnen wichtig seien, sondern die Beantwortung der Frage "wie geht es weiter". Es liege in der Verantwortung der Ministerpräsidenten, wie sie die Lockerungen in ihren Ländern umsetzen.

Jetzt beginnt die Phase, wo wir als Gesellschaft lernen müssen, mit dem Virus zu leben.
Stephan Weil, Ministerpräsident Niedersachsens

Für Weil hängt der Erfolg der Maßnahmen nicht von den Politikern ab, sondern "vom Verhalten der Bürger".

Yogeshwar fordert Tracking-App

"Wir kommen in diese tückische Geschichte, dass wir nicht auf echte, sondern auf gefühlte Risiken reagieren", erklärte Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar. Die offiziellen Zahlen zeigten nur eine Seite der Medaille, nämlich die Menschen, die getestet wurden und "diese Zahlen sind wackelig".

Yogeshwar warnte vor einer Signalwirkung des Verdrängens, wenn die Infektionszahlen wieder ansteigen. "Die Pandemie hinterlässt massive Spuren in den Ländern, die falsch reagieren, wie die USA", fügte der Physiker hinzu. Für ihn ist es zudem unerklärlich, warum man nicht dem positiven Beispiel südostasiatischer Länder folge und endlich eine App nutzt.

Je mehr wir eine Technologie wie eine App nutzen, desto weniger Beschränkungen brauchen wir.
Ranga Yogeshwar, Wissenschaftsjournalist

Rafaela von Bredow hofft, dass die Deutschen weiterhin so diszipliniert bleiben. Für die Ressortleiterin Wirtschaft und Technik beim "Spiegel" steht aber auch fest, dass sich die Auswirkungen der Lockerungen erst in drei bis vier Wochen zeigen werden.

Ich verstehe nicht, dass wir gleich eine zweite Lockerungswelle erlauben, ohne zu wissen, welche Folgen die erste hatte.
Rafaela von Bredow, Der Spiegel

Man habe bislang das Virus nicht unterdrückt, sondern "krebse noch immer an einer Reproduktionszahl von knapp unter eins herum". Für die Diplom-Biologin ist die Wahrscheinlichkeit, weitere Infektionswellen zu verhindern - auch aus historischer Sicht - sehr unwahrscheinlich.

Buyx: Risiko zunehmender Mobilität

Für Alena Buyx, Mitglied des Deutschen Ethikrats, ist die Nachvollziehbarkeit der Infektionsketten wichtig. "Die Gefahr ist, dass zunehmende Mobilität uns die Gefahr neuer Wellen bringt", erklärt Buyx. Wichtig sei daher die Eigenverantwortlichkeit eines jeden Einzelnen.

Dennoch ist sich die Ethikerin sicher, dass die Öffnung richtig ist. Für die Medizinerin ist es indes eine Illusion, zu glauben, dass man die Zahl auf fünf Infizierte pro 100.000 Einwohner drücken könne. Die Lösung für die Bundesliga sieht Buyx kritisch.

Als Mutter fände ich es besser, wenn meine Kinder wieder in die Kita könnten.
Alena Buyx, Deutscher Ethikrat

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