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Alternative für Remdesivir aus München?

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Coronavirus-Medikament - Alternative für Remdesivir aus München?

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"Wir nutzen den Schwachpunkt": Das deutsche Start-up "Eisbach Bio" arbeitet an einem speziellen Coronavirus-Medikament und profitiert dabei von seiner Forschung an Krebszellen.

Labor bei Eisbach Bio
Das Münchner Start-up Eisbach Bio arbeitet an einem Corona-Medikament.
Quelle: Eisbach Bio

"Eisbach Bio" könnte der klangvolle Name eines neuen Herstellers für Bio-Erfrischungsgetränke sein. Das Start-up mit Sitz in Martinsried bei München will der Menschheit aber mit einem anderen Produkt Gutes tun: Die Firmengründer - der Molekularbiologe Adrian Schomburg und der Biochemiker Andreas Ladurner - forschen mit ihrem 15-köpfigen Team an einem neuen Medikament, das dem Coronavirus Sars-CoV-2 den Garaus machen soll, indem es eine Schwachstelle des Virus ausnutzt.

"Das Virus kommt nicht mehr von der Stelle, wird unwirksam"

Die Wissenschaftler können dabei auf die Erträge ihrer bisherigen Forschungsarbeit an neuen Krebs-Medikamenten zurückgreifen. "Dabei suchen wir in Krebszellen nach einem Eiweiß, auf das der Krebs nicht verzichten kann, um sich zu vervielfältigen – diesen Schwachpunkt nutzen wir, in dem wir das Eiweiß gezielt ausschalten", sagt Adrian Schomburg im ZDFheute-Gespräch.

Der Clou: Das Coronavirus weist offensichtlich ein Eiweiß auf, das jenem unverzichtbaren Protein in Krebszellen zum Verwechseln ähnelt. Labortests haben gezeigt, dass die von Eisbach Bio für den Kampf gegen Krebszellen entwickelten Molekülstrukturen auch gegen Sars-CoV-2 wirken könnten. Bildlich gesprochen drehen die Räder des Virus durch: "Es kommt nicht mehr von der Stelle, wird unwirksam", sagt Schomburg.

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Eisbach Bio testet bereits Verträglichkeit des Wirkstoffs

Zum Entwicklungsstand erklärt der 37-Jährige: "Wir testen inzwischen die Verträglichkeit des Wirkstoffs an Mäusen. In den nächsten Schritten testen wir die Wirksamkeit an einer anderen Tierspezies und wenn alles nachgewiesenermaßen sicher und wirksam ist, kann man das Medikament sorgfältig an Menschen testen."

Die bisherigen Ergebnisse geben dem Forscher Zuversicht, auf dem richtigen Weg zu einem Coronavirus-Medikament zu sein, das im Körper der Patienten keine schweren Nebenwirkungen verursachen soll und damit einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem aktuellen medikamentösen Hoffnungsträger Remdesivir hätte.

Verträglichere Alternative zu Remdesivir?

Das Ebola-Medikament Remdesivir kann zwar die Krankheitsdauer vieler Corona-Patienten deutlich verkürzen, aber auch zu Übelkeit, Erbrechen, niedrigem Blutdruck und Leberentzündungen führen. Für Schwerkranke ist das unerträglich. Hinzu kommt: Remdesivir wirkt nicht nur auf die Viren, sondern in gewissem Maß auch auf die Körperzellen und ist deshalb relativ toxisch.

Ob der Medikamenten-Kandidat von Eisbach Bio zu einer verträglicheren Alternative zu Remdesivir wird, ist indes noch nicht ausgemacht. "Das Entwickeln von Medikamenten ist eine sehr komplexe, schwierige Sache", räumt Molekularbiologe Schomburg ein.

Allerdings kommen wir gut voran – anfangs habe ich dem Projekt eine Erfolgschance von einem bis fünf Prozent gegeben, inzwischen sind wir deutlich darüber.
Adrian Schomburg, Firmengründer Eisbach Bio

Remdesivir ist der erste zugelassene Wirkstoff der EU gegen das Coronavirus. Er verkürzt die Krankheitsdauer um etwa vier Tage. Einige Wissenschaftler feiern das Medikament als Meilenstein und großen Durchbruch, andere sind da skeptischer.

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2 min
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Im Idealfall Marktreife im kommenden Jahr

Sorgen um finanzielle Engpässe muss sich die Firma derzeit jedenfalls nicht machen. Zum einen unterstützt das Bundesforschungsministerium das Projekt mit 1,2 Millionen Euro und zum anderen habe ein internationaler Investor eine bedeutende siebenstellige Geldsumme gespendet. 

Geht alles nach Plan, könnte Eisbach Bio sein Coronavirus-Medikament im kommenden Jahr zur Marktreife bringen.

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