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Merkel macht "Fenster für Abwägungen" auf

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Reaktionen auf Rede zu Corona - Merkel macht "Fenster für Abwägungen" auf

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Kanzlerin Merkel hat in der Corona-Krise an die Verantwortung jedes Einzelnen appelliert und sich drastischere Maßnahmen vorbehalten. Ihre Rede erntet nicht nur Lob.

Ein junger Mann schaut an einem Computer die Fernsehansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Corona-Krise.
"Halten Sie die Regeln ein" - Kanzlerin Merkel wendet sich in Corona-Krise an die Nation.
Quelle: Imago

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich am Mittwochabend in einer emotionalen Rede an die Nation gewandt. "Die Lage ist ernst und sie ist offen." Seit dem Zweiten Weltkrieg habe es keine Herausforderung gegeben, bei der es "so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt". Die sozialen Kontakte müssten minimiert werden, Disziplin sei gefragt. Doch die scheint sie zu vermissen.

Tatsächlich gibt es neben Corona-Partys genügend Anzeichen, dass viele die "ernste Lage" nicht allzu ernst nehmen. Jedenfalls nicht ernst genug, um aktiv dazu beizutragen, dass sich das Coronavirus langsamer ausbreitet und ein Horrorszenario mit bis zu zehn Millionen Infizierten in Deutschland nicht Wirklichkeit wird.

Am Anfang der Corona-Epidemie habe die Bundeskanzlerin das Management der Krise weitgehend Gesundheitsminister Jens Spahn überlassen. Doch "spätestens seit dieser Rede ist klar, dass sich Angela Merkel an die Spitze setzt", sagt ZDF-Korrespondent Theo Koll. "Sie erklärt das Regierungshandeln - ihr ist häufig vorgeworfen worden, dass sie das zu wenig macht."

Habeck nennt Merkel-Rede unaufgeregt und präzise

Bei den Oppositionsparteien stieß die Rede des Kanzlerin auf ein unterschiedliches Echo. Grünen-Chef Robert Habeck hält sie für "gut, richtig und wichtig". "Mir hat der Ton gefallen, er war unaufgeregt, aber präzise", sagte Habeck im ZDF. "Ein Appell, dass wir alle aktiv sein können und nicht in Passivität versinken." Auch FDP-Chef Christian Lindner begrüßte, dass die Kanzlerin "die Bürgerinnen und Bürger - uns alle - in die Pflicht nimmt".

"Mir hat der Ton gefallen, er war unaufgeregt, aber präzise", sagte Grünen-Chef Robert Habeck zu Merkels Rede im ZDF.

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"Appelle reichen nicht aus", findet dagegen Linken-Chef Bernd Riexinger. Angesichts der großen wirtschaftlichen Verwerfungen in den nächsten Monaten müsse konkreter gehandelt werden, sagte er gegenüber dem ZDF. AfD-Vizechefin Beatrix von Storch kritisierte: "Die Kanzlerin führt nicht, sie reagiert wieder. Und sie sagt nicht, wie es weitergeht."

Merkel behält sich drastischere Maßnahmen vor

Kanzlerin Merkel sagte zwar in der Tat nicht genau, wie es weitergeht, doch sie hielt sich offen, falls notwendig, drastischere Maßnahmen in der Corona-Krise zu ergreifen. Grünen-Chef Habeck lobte, dass Merkel "das Fenster für Abwägungen aufgemacht" habe - dass die Regierung Maßnahmen überprüfen, gegebenenfalls zurücknehmen oder auch neue ergreifen werde.

Ausgangssperren im Kampf gegen die Corona-Pandemie, wie sie die ostbayerische Kleinstadt Mitterteich am Mittwoch verhängt hat, schloss Merkel nicht explizit aus. Bayerns Regierungschef Markus Söder drohte bereits Ausgehverbote für den gesamten Freistaat an, sollten sich die Menschen "nicht freiwillig beschränken". Damit dürfte die Debatte über Ausgangssperren an Fahrt gewinnen.

Göring-Eckardt: Europäische Lösungen in Corona-Krise

Die Bundesregierung dürfe "den Blick jetzt nicht nur nach innen richten", mahnte jedoch Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. Vielmehr müssten europäische Lösungsansätze stärker ins Auge gefasst werden, sagte sie der "Rheinischen Post".

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