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Soziologe: "Corona-Pegida" kann entstehen

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Interview mit Armin Nassehi - Soziologe: "Corona-Pegida" kann entstehen

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Die Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen sind für den Soziologen Armin Nassehi ein Ausdruck von Elitenkritik einer Minderheit. Aber: die Maßnahmen müssen gut erklärt werden.

Armin Nassehi
Armin Nassehi ist Soziologe und Buchautor.
Quelle: ZDF / Steffen Matthes

ZDFheute: Verwundern Sie die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen?

Armin Nassehi: Wir konnten beobachten, dass in der Phase, wo man in einen teilweisen Lockdown gegangen ist, es überhaupt keine Proteste gegeben hat. Es war erwartbar, dass in Zeiten, in denen Fragen diskutiert werden wie "Wie schnell kommt man eigentlich raus aus dem Stillstand?" und "Welche Maßnahmen sind die angemessenen?", so etwas wie Konflikte und Dissens entstehen. Da ist es durchaus erwartbar, dass es Andockstellen für Protest gibt.

ZDFheute: Wie gehen die Proteste weiter?

Nassehi: Vieles wird tatsächlich davon abhängen, ob die Menschen in Deutschland das Gefühl haben, dass die Maßnahmen die richtigen sind und die Kosten nicht zu groß werden. Wenn es einer solchen Bewegung gelingt, tatsächlich Verschwörungstheorien zu beschreiben, in denen es gar nicht um die Corona-Krise geht, sondern um ganz andere Fragen, etwa Herrschaftsfragen, dann müssen wir womöglich damit rechnen, dass da so etwas wie eine "Corona-Pegida" entsteht.

Der Soziologe Armin Nassehi erklärt im Interview, was Corona-Demos und Pegida gemeinsam haben

Beitragslänge:
1 min
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ZDFheute: Wie kann man Verschwörungstheorien begegnen?

Nassehi: Verschwörungstheorien sind eigentlich durch Wissenschaft schwer einzugrenzen. Was man bei Verschwörungstheorien am wenigsten machen sollte, ist, zu versuchen, sie zu widerlegen, weil die Widerlegung selbst eine Art Bestätigung für die Verschwörungstheorie ist. Wir haben hier kein argumentatives Problem, sondern ein Aufmerksamkeitsproblem, und wir haben ein Erfolgsproblem.

Ich glaube tatsächlich - das mag sich im ersten Moment naiv anhören - wenn die Maßnahmen erfolgreich sind, wenn wir feststellen, dass sich Entscheider verantwortlich um die Frage der Bewältigung dieser Krise kümmern, dann ist es wahrscheinlich das beste Mittel, um gegen solche Verschwörungstheorien vorzugehen.

ZDFheute: Sind denn die Reaktionen auf die Proteste richtig?

Nassehi: Die richtige Reaktion ist schwer zu finden. Es wäre sehr paradox, jetzt zu sagen, wir müssen die Dinge aktiv ignorieren. Das funktioniert natürlich nicht. Die angemessene Reaktion ist, glaube ich, die Ziele der Maßnahmen, die wir haben, angemessen zu kommunizieren. Das heißt zu sehen, dass Öffnungen und ein Monitoring dieser Öffnungen plausibel erklärt werden müssen. Und wir sehen, dass wir noch mitten in der Pandemie drin sind.

Vor einem Liniendiagramm steht der Großbuchstabe R. Im Hintergrund sind zwei große, gezeichnete Viren zu sehen.

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ZDFheute: Lassen sich denn Vergleiche zwischen heute und der Protestbewegung zur Zeit der Flüchtlingskrise ziehen?

Nassehi: Wir haben es mit zwei sehr unterschiedlichen Situationen zu tun, die aber eine strukturelle Ähnlichkeit haben. Die strukturelle Ähnlichkeit ist die, die man vielleicht Elitenkritik nennen könnte. Es war schon in den Anfangszeiten von Pegida so, dass man sich eigentlich gar nicht das Flüchtlingsgeschehen angeschaut hat, sondern behauptet hat, dass die Eliten in Deutschland so etwas wie den großen Austausch vornehmen wollen. Also etwas machen, das im Geheimen stattfindet.

So ähnliche Strukturen haben wir ja jetzt auch, wenn behauptet wird, es gäbe die Corona-Krise gar nicht und man würde sie erfinden, um die Menschen zu unterdrücken. Oder dass sogar behauptet wird, dass sie erzeugt wird, damit man die Menschen unterdrücken kann. Das sind durchaus Ähnlichkeiten, die nicht so weit voneinander entfernt sind.

Das Interview führte Meike Srowig.

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