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Coronavirus - Einblicke in eine Blackbox

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Erste Bilanz von Uniklinik-Netz - Coronavirus - Einblicke in eine Blackbox

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Es gibt keinen Nullachtfünfzehn-Verlauf, es kann gefährlich werden und lange dauern. Diesen Schluss ziehen Unikliniken aus den Corona-Erfahrungen. Das Virus bleibt eine Blackbox.

Ein Coronavirus-Graffiti in London
Die Corona-Ansteckungswege sind immer noch undeutlich, heißt es in einer ersten Bilanz des Uniklinik-Netzwerks.
Quelle: picture alliance/ZUMA Press

Covid-19 macht es möglich: Alle 37 Universitätskliniken in Deutschland haben sich zusammengeschlossen, um ihr Wissen über diese Pandemie zu bündeln. Knapp acht Wochen lang wurden Datensätze, Behandlungsmethoden und Studienideen ausgetauscht, nun liegen erste Ergebnisse vor.

Eins sei klar: "Die Pandemie ist kein Hirngespinst", sagt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Mit 150 Millionen Euro unterstützt der Bund das Netzwerk.

Was die Unikliniken bisher wissen

  • "Covid-19 ist nicht wie eine Grippe", sagt Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand der Uniklinik Dresden, sondern könne "grässliche Folgen und Auswirkungen" haben. Die Infektion verlaufe bei jedem anders. Das Virus könne nicht nur die Lunge, sondern fast alle Organe angreifen. Bis hin zum zentralen Nervensystem, was zu einer zwischenzeitlichen Querschnittslähmung während der Beatmung führen kann. 30 Schwerkranke werden derzeit in Dresden behandelt. Albrechts Erfahrung: Der Krankheitsverlauf sei "höchst komplex, individuell" und könne "sehr, sehr lange dauern".
  • An der Uniklinik Hamburg wurden seit Anfang März 140 Verstorbene obduziert. Embolien und Thrombosen kamen bei schweren Krankheitsverläufen häufiger vor.
  • Warum manche Menschen schwer und manche nur leicht erkranken, hat vermutlich mit dem Zustand des Immunsystems zu tun. "Das Virus löst wie ein Schalter die Krankheit aus", sagt Blanche Schwappach-Pignataro, Dekanin an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf. Je nachdem, wie schwach die Abwehr ist, wie mehr oder weniger robust das Immunsystem ist. "Das Virus legt etwas frei", so Schwappach-Pignataro. Was genau, das weiß man nicht. Eine feste Ablaufkette gebe es nicht.

Der Infektiologe Christoph Spinner spricht im Interview über den Krankheitsverlauf des Coronavirus, mögliche betroffene Organe und das Medikament "Remdesivir".

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  • Eine Herdenimmunisierung dauert offenbar zu lange. "Das können wir uns nicht leisten", sagt Heyo K. Kroemer von der Berliner Charité. Von 12.000 Charité-Mitarbeitern hatten sich weniger als 0,5 Prozent mit Corona infiziert, nur zwei Prozent hatten Antikörper. Und: Wer direkt mit den Infizierten zusammenarbeitet, steckte sich nicht an. "Was man von den Unikliniken lernen kann, ist, dass sich gut ausgebildetes und gut geschütztes Personal nicht infiziert", so Kroemer.
  • Die Ansteckungswege sind immer noch undeutlich. In Berlin wird derzeit untersucht, wie neue Hotspots vermieden werden können. Reicht es schon, dass mehrere Polizisten im Einsatzbus sitzen? Untersuchungen der ersten Corona-Fälle in München hatten ergeben, dass sich Menschen angesteckt hatten, die Rücken an Rücken sitzend eine Salzstreuer weitergereicht hatten.
  • Ob Medikamente wie beispielsweise Remdesivir bei einer Covid-19-Erkrankung wirklich nützen, weiß man bisher nicht, da verlässliche Studien fehlen. Die erforderliche Zahl von Patienten, um repräsentative Aussagen machen zu können, soll durch eine weltweite Zusammenarbeit erreicht werden. Das Malariamittel, das US-Präsident Trump - nach eigenen Angaben - als Schutz vor Corona derzeit täglich einnimmt, halten die deutschen Unikliniken allerdings für wenig hilfreich.

Vorbereitung auf nächste Pandemie

Die Erkenntnisse des Uniklinik-Netzwerkes sollen auch helfen, sich auf künftige Pandemien besser vorzubereiten. "Wir haben jetzt die Zeit, darüber nachzudenken", so Charité-Chef Kroemer. Zwar sei klar, dass man sich mit der Corona-Pandemie noch "eine Weile" beschäftigen müsse. Derzeit würden 46 Schwerstkranke in der Charité behandelt.

Die zweite Welle oder aber eine nächste Pandemie werde aber "sicher kommen". Vor allem die europäische Zusammenarbeit müsse besser werden. "Dann müssen wir uns deutlich besser aufstellen", so Kroemer.

Das Robert-Koch-Institut testet die Bewohner in vier besonders von Corona betroffenen Orten. Das Virus gibt Ärzten und Wissenschaftlern auch nach wochenlanger Forschung Rätsel auf.

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